DVD-Filmbeileger Verliebte Ganoven und Notiz-Tattoos

Zum Monatsanfang klotzen die Publikumsmagazine mit frischen Filmbeilagen: Überdrehte Komödien, tragikomische Gangsterdramen und düsterer Steampunk wechseln sich mit Krimis und einem meisterhaften Experiment ab. Bei diesem Angebot ist für jeden etwas dabei.


TV Movie DVD & Blu Ray "Brügge sehen … und sterben?", GB/USA 2008. Regie: Martin McDonagh. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 102 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro (DVD), 5,99 Euro (Blu Ray).

Nach einem tragischen Missgeschick bei seinem letzten Auftrag wird Profikiller Ray (Colin Farrell) mit seinem Partner Ken (Brendan Gleeson) von London nach Brügge geschickt, um dort unterzutauchen. Während Ken sein Exil als Tourist genießt, ist Ray zuerst angeödet, verliebt sich dann aber in eine hübsche Belgierin. Doch das schöne Leben hat bald ein Ende, denn Ken erhält von ihrem gemeinsamem Chef Harry (Ralph Fiennes) den Auftrag, seinen Partner Ray zu töten.

Unter strahlend blauem Himmel inmitten pittoresker Mittelalterkulissen wirken die beiden Ganoven wunderbar deplatziert - umso erstaunlicher ist es, wie gut dieser Film funktioniert. Seine anfänglich feine Situationskomik erhält einen zunehmend bösen Zug, der schließlich in ein blutiges Drama mündet. Die beiden Hauptdarsteller ergänzen sich dabei prächtig, und im letzten Drittel überrascht Ralph Fiennes ("Der englische Patient") mit seiner herrlich fiesen Performance. Ein äußerst gelungenes, tragikomisches Regiedebüt, dessen originale, englische Tonspur man beim DVD-Beileger schmerzlich vermisst.

Bis 16. Februar im Handel

PC Go

"Big Stan", USA 2007. Regie: Rob Schneider. Länge: 104 Min. Format: 1,78:1 (4:3). FSK: 16 Jahre. Preis: 6,99 Euro.

Immobilienmakler Stan Minton (Rob Schneider) ist ein reicher Angeber, der davon lebt, seine Kunden zu betrügen. Eines Tages wird er zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Stan, der nichts mehr fürchtet, als im Gefängnis vergewaltigt zu werden, lässt sich von dem mysteriösen Kampfkunst-Trainer "Der Meister" (David Carradine) zu einem Kung-Fu-Experten ausbilden. Das verschafft ihm Respekt bei seinen Mitgefangenen - und den Missmut des Direktors Gasque (Scott Wilson), der seine geheimen Pläne bedroht sieht.

Nach Jahren als Komödien-Darsteller, oft an der Seite von Adam Sandler ("Kindsköpfe", "Zohan"), wechselte Rob Schneider 2007 zum ersten Mal in den Regiestuhl. Gedreht wurde mit knapp zehn Millionen Dollar Budget in der authentischen Umgebung eines ehemaligen Frauengefängnisses. Doch der Film schaffte es in den USA nicht in die Kinos, obwohl Schneider durch die TV Show "Saturday-Night-Live" dort ein bekannter Komiker ist. Hierzulande tauchte das Werk 2009 kurz auf der Leinwand auf, vielleicht, um den vier Monate später einsetzenden DVD-Verkauf anzukurbeln. Kein Wunder, denn die schwache Martial-Arts-Komödie eignet sich maximal als Hintergrundrauschen für überdrehte Teenager-Partys.

Bis 1. März im Handel

Screen DVD Magazin

"Westbrick Murders", D/GB/USA 2010. Regie: Shaun Rana. Länge: 91 Min. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Der junge Polizist Matthew (Daniell Edwards) wird von dem Serienkiller-Duo Billy (Sami Darr) und Barbara (Anna Bård) reingelegt: Erst töten die beiden seinen Kollegen und seine Frau, dann schieben sie ihm die Morde in die Schuhe. Von da an lebt Matthew nur noch für seine Rache und bemerkt nicht, dass er den wahren Mördern immer ähnlicher wird.

Dokumentarfilmer Shaun Rana ("Doping Forever") knüpft in seinem Spielfilmdebüt an Klassiker wie "Natural Born Killers" (1994) oder "Sin City" (2005) an. Doch sein Versuch, mit Musik, Comic-Einblendungen und Farbeffekten eine ähnliche Ästhetik zu schaffen, misslingt, da viele Szenen mangels handwerklicher Güte lächerlich wirken. Rana, der den Film quasi im Alleingang produzierte, hat sich offensichtlich zu viel vorgenommen. Vielleicht haben Trash-Fans noch ein wenig Spaß daran, alle anderen sollten lieber direkt auf eine der beiden TV-Serien umschalten, von denen jeweils die erste Episode auf der DVD enthalten ist: die britische Comedy-Show "Come Fly with Me" (2010) und das Französische Familiendrama "Xanadu" (2011).

Bis 14. März im Handel

TV Direkt

"Memento", USA 2000. Regie: Christopher Nolan. Länge: 108 Min. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre.

und

"S. Darko", USA 2009. Regie: Chris Fisher. Länge: 98 Min. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 2,20 Euro.

Jeden Tag wacht Leonard Shelby (Guy Pearce) irgendwo auf, und weiß nicht, wie er dort hinkam, denn seit dem Mord an seiner Frau funktioniert sein Kurzzeitgedächtnis nur noch für 15 Minuten. Eins weiß er jedoch genau: Er ist auf der Suche nach dem Mörder, und alle Fakten, die er recherchiert, muss er aufschreiben, fotografieren oder gleich direkt auf seinen Körper tätowieren. Denn er kann niemandem trauen, am wenigsten sich selbst.

Mit dem Filmexperiment "Memento" gelang Christopher Nolan ("Batman Begins") im Jahr 2000 der internationale Durchbruch. Er hatte die Idee, seinen Film sowohl rückwärts, als auch vorwärts aus der Perspektive des Helden zu erzählen. Damit erschuf er ein hochspannendes Puzzle, das den Zuschauer an dem Gefühl teilhaben lässt, sich nicht erinnern zu können. Dazu muss man allerdings gut aufpassen, denn am Ende gilt es, die beiden Erzählstränge zu verbinden. Eine außergewöhnliche Filmerfahrung und mit Platz 32 in den Charts der Internationalen Filmdatenbank (IMDB.com) ein echter Publikumsliebling.

Weit weniger ideenreich zeigt sich "S. Darko", die Fortsetzung des Mystery-Thrillers "Donnie Darko", der nach seinem Kinoflop im Jahr 2001 als DVD einen unerwarteten Kultstatus erreichte. Sieben Jahre, nachdem Donnie von einem herabstürzenden Düsentriebwerk erschlagen wurde, stranden nun seine Schwester Samantha (Daveigh Chase) und ihre Freundin Corey (Briana Evigan) auf der Durchreise in einem abgelegenen Wüstenkaff. Während Corey mit der männlichen Dorfjugend anbändelt, impft Samantha schlafwandelnd den Außenseiter "Iraq Jack" (James Laffery) mit der Vision vom nahen Weltuntergang. Bald geschehen in der Stadt allerlei seltsame Dinge.

Mit kleinem Budget von vier Millionen Dollar erzählt TV-Regisseur Chris Fisher ("Warehouse 13") eine Geschichte, die dem komplizierten Kosmos des Donnie-Darko-Erfinders Richard Kelly weitgehend entspricht, auch wenn er selbst nicht daran beteiligt war. Daveigh Chase hingegen spielte 2001 bereits als Kind Donnies kleine Schwester, hier schwebt sie elfengleich durch den von Star-Trek-Kamermann Marvin V. Rush schön gefilmten Set. Ohne den direkten Vergleich zum kultigen Original reicht das für lockere Mysteryunterhaltung, die man allerdings schnell wieder vergisst.

Bis 16. Februar im Handel



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.