Dyson 360 Heurist im Test Ein Sauger macht blau

Nach vier Jahren bringt Dyson eine Neuauflage seines Edel-Saugroboters auf den Markt. Mit seinem Vorgänger teilt das neue Modell nicht nur das Design, sondern auch ein Problem.
Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Beim Design des neuen 360 Heurist ist Dyson offenbar nach dem Motto "Never change a running system" vorgegangen. Von der Gehäusefarbe - blau statt silbergrau - und ein paar Details abgesehen, wirkt der neue Saugroboter optisch wie eine Kopie seines Vorgängers, dem 360 Eye, den ich 2016 getestet hatte. Technisch hingegen haben die Ingenieure des britischen Konzerns unter der blauen Haube einige Veränderungen vorgenommen.

Die betreffen zum einen das, was einen Staubsauger eigentlich ausmacht: seine Saugkraft. Sie sei um 20 Prozent gesteigert worden, heißt es vom Hersteller. Möglich mache das ein Motor mit bis zu 78.000 Umdrehungen pro Minute. Darüber hinaus wurde die Bürstwalze, die Dreck aus tiefen Teppichen hervorkehren soll, verbessert. Ihre Borsten sind jetzt härter, und sie dreht sich schneller, nämlich mit 1600 Umdrehungen pro Minute.

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Das ist der 360 Heurist von Dyson

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Ob das Gerät deswegen wirklich spürbar mehr Dreck wegschafft als sein Vorgänger, lässt sich freilich kaum beurteilen. 20 Prozent sind eine im Saug-Alltag schwer wahrnehmbare Größenänderung. Hinzu kommt, dass das alte Modell für einen Saugroboter ohnehin schon ungewöhnlich leistungsstark war.

Verbesserungsmöglichkeiten gab es dagegen bei der Software und der Navigation des kleinen Saubermanns. So kartierte das Modell von 2016 zwar die Räume, in denen es aktiv war, macht diese Informationen dem Nutzer aber nicht zugänglich. Im Test zeigte sich der 360 Eye zudem immer wieder erstaunlich orientierungslos. Auf der Suche nach seiner Ladestation irrte er manchmal so lange im Raum herum, bis sein Akku versagte. Wie das aussah, zeigt dieses Video aus unserem Test:

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In welche Zimmer soll es gehen?

Mit einem neuen Quadcore-Prozessor, zehn Gigabyte Speicher und einer verbesserten App ausgerüstet, sollte das neue Modell frei von solchen Schwächen sein, sollte man meinen. Schließlich ist auch sein Name von seinen neuen Fähigkeiten abgeleitet. Heuristisch soll der 360 Heurist arbeiten, bei jedem Reinigungsvorgang dazulernen. Das fängt damit an, dass man ihn auf Erkundungstour schickt, damit er seine Umgebung kartieren kann.

Dazu fährt er von der Ladestation aus alle für ihn erreichbaren Räume ab und erstellt dabei eine digitale Karte der Wohnung. Bei meinem Test hat er für rund 50 Quadratmeter etwa zweieinhalb Stunden gebraucht. Zum Glück macht er das nur einmal.

Im Anschluss wird man in der App aufgefordert, die Karte mit virtuellen Grenzen in Räume aufzuteilen und diese zu benennen: Wohnzimmer, Küche, Esszimmer und so weiter. Diese Namen dienen später dazu, dass man in der App auswählt, in welche Zimmer man den Roboter zum Saugen schicken will. Schade dabei ist, dass man einen großen Raum nicht in zwei virtuelle Zimmer unterteilen kann, wie ich es gern im Fall meines Wohn- und Esszimmers getan hätte.

Lernt er wirklich?

Die so gesetzten Grenzen mochte der kleine Blaue ohnehin nicht immer anerkennen. So fand ich ihn einmal in meinem Hausflur, als er eigentlich das Wohnzimmer saugen sollte. Und auch das Orientierungsproblem, das den 360 Eye bei meinem Test vor vier Jahren plagte, trat beim neuen Modell anfangs wieder auf. Mehr als einmal musste ich den Roboter zur Ladestation tragen, nachdem er so lange vergeblich nach dieser gesucht hatte, bis ihm die Energie ausging.

Solche Eskapaden, die anfangs sehr nervten, gab es nach rund zwei Wochen, in denen ich den 360 Heurist auch mal mehrfach täglich dieselben Böden saugen ließ, spürbar seltener. Nur von seinen Denkpausen konnte er auch dann noch nicht lassen: Zum einen vergehen jedes Mal 60 bis 90 Sekunden, bevor der 360 Heurist nach dem Startbefehl per App tatsächlich losfährt, zum anderen hält er manchmal mitten im Reinigungsvorgang inne und pausiert still für eine oder mehrere Minuten - nur, um dann unverändert weiterzumachen.

Besonders planvoll scheint er dabei trotz der zuvor angefertigten digitalen Karten aller Räume nicht vorzugehen. Während manch anderer Saugroboter in meinem Wohnzimmer wie ein Rasenmäher im Fußballstadion parallele Bahnen zog und nach 15 bis 20 Minuten fertig war, wirkt das System des Dyson eher zufällig - und es dauert.

Für eine auf drei Räume aufgeteilte Fläche von 33,5 Quadratmetern brauchte der 360 Heurist im Test mehr als drei Stunden. Ein substanzieller Teil davon ging für das Aufladen des Akkus drauf, dessen geringer Ladestand den Roboter nach gut einer Stunde zum Boxenstopp zwang.

Fazit

Das geht doch besser! Als Staubsauger macht der 360 Heurist eine sehr gute Figur und zerrt Staub wie Schmutz kraftvoll vom Boden und aus Teppichen. Als Roboter aber könnte er noch verbessert werden. Das fängt mit dem langatmigen Kartierungsprozess zu Beginn an, der den positiven Ersteindruck des hervorragend verarbeiteten Geräts dämpft. Und die vielen orientierungslosen Fahrten auf der Suche nach seiner Ladestation fordern dem Nutzer viel Geduld ab.

Immerhin: In meinem Fall wurde die am Ende belohnt, irgendwann schien er sich in meiner überwiegend rechtwinkligen Wohnung dann doch zurechtzufinden. Von einem Gerät, das mit einem Preis von 999 Euro deutlich teurer ist als die meisten Konkurrenzmodelle, hätte ich mir allerdings ein besseres Out-of-the-Box-Erlebnis gewünscht.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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