Edler Hightech-Haartrockner Heiße Luft für 64 Millionen Euro

Mehr als hundert Ingenieure haben jahrelang an einem völlig neuen Produkt der Firma Dyson gearbeitet. Heraus kam ein Loch auf einem Stab. Was kann das Ding?

Dyson

Von


Matthias Kremp

Dyson kennen Sie, oder? Die Firma baut Staubsauger, bei denen man keinen Beutel mehr braucht. Gibt es schon seit einigen Jahren und ist inzwischen so populär, dass längst auch andere Firmen diese Technologie nachahmen. Nun lag ein neuer Karton der Firma auf meinem Schreibtisch, und sein Inhalt ließ vorbeieilende Kollegen stoppen. Selbst wer das Bild auf dem Karton nur aus dem Augenwinkel gesehen hatte, blieb stehen, schaute, schaute noch mal und fragte schließlich: "Was ist das?" Nur etwa jeder Fünfte kam auf die Lösung: "Ein Föhn!"

"Föhn" ist genau genommen die falsche Antwort, die Marke Foen ist auf die Electrolux Rothenburg GmbH Factory and Development eingetragen. Eigentlich haben wir es also mit einem Haartrockner zu tun, der aussieht wie ein Mikrofon, mit einem runden hohlen Aufsatz am oberen Ende. Kein Propeller ist zu sehen, der die Luft herauswirbeln könnte. Und doch: Sobald man ihn einschaltet, bläst er heiße Luft hinaus - und das nicht zu knapp.

64 Millionen Euro und vier Jahre Arbeit sind in die Entwicklung des Supersonic geflossen, mehr als hundert Ingenieure waren mit dem Projekt beschäftigt. Firmengründer James Dyson hat es seinen Mitarbeitern zur Aufgabe gemacht, "eine Technologie zu entwickeln, die das Problem heißer und unhandlicher Haartrockner löst". Wenn möglich, bitteschön, mit Technologien, die Dyson sowieso schon erfunden hat. Also haben sich die Tüftler an die Arbeit gemacht.

Dyson hat beim Supersonic den Motor und den Propeller in den Griff statt in den Kopf des Geräts eingebaut. Die Luft wird durch einen Filter am unteren Griffende angesaugt, vom Propeller beschleunigt und kurz bevor sie oben wieder austritt erhitzt. Und weil das Hightech ist, sitzt vorn ein winziger Temperatursensor, der die 20 Mal pro Sekunde ermittelten Messwerte an einen Mikrochip weitergibt, der das Heizelement steuert.

Dyson verspricht, der starke Luftstrom und die exakt geregelte Temperatur sorgten dafür, dass das Haar besonders schonend getrocknet werde. Das wiederum habe besonders glänzendes Haar zur Folge.

Neben dem zentralen Loch hat der Supersonic alles, was andere Haartrockner auch haben: eine Kaltlufttaste und ein paar - recht ungewöhnliche - Regler für Temperatur und Luftgeschwindigkeit (siehe Bilderstrecke). Auch zwei unterschiedliche Düsen und ein Diffusor für Locken liegen bei. So weit, so unaufregend.

Aber selbst die Düsen sind beim Dyson etwas Besonderes. 16 Patente habe man für die in den Aufsätzen steckenden Technologien angemeldet, sagt Dyson. Was da alles patentiert werden soll, führt das Unternehmen nicht weiter aus, aber die Handhabung der Düsen ist hier besonders einfach. Zum einen, weil sie magnetisch gehalten werden, zum anderen, weil sie beim Föhnen durch umlaufende Luftschlitze kühle Luft ansaugen und deshalb nicht heiß werden.

Egal ob sie ihn nur gesehen oder auch ausprobiert haben, langhaarige Frauen waren sich einig, dass die ungewöhnliche Konstruktion des Supersonic einen Vorteil hat: Bei herkömmlichen Haartrocknern, die Luft mit einem großen Propeller von hinten ansaugen, werden lange Haare manchmal mit angesaugt. Beim Dyson passiert das nicht.

Den Luftfilter, der hier unten am Griff angebracht wurde, sollte man trotzdem gelegentlich kontrollieren und reinigen, Hausstaub dürfte sich auch dort verfangen.

Grundsätzlich sollte man vom Supersonic ohnehin keine Wunder erwarten. Alle, die ihn ausprobiert haben, bescheinigten ihm eine gute Funktionalität. Er trocknet Haare, egal ob kurz oder lang, zuverlässig und schnell. Und einfach zu bedienen ist er auch, zumindest dann, wenn man mal einen Blick in die Bedienungsanleitung geworfen hat. Dass sich Temperatur und Luftstrom über die beiden in den oberen Ring eingelassenen Tasten regulieren lassen, war nicht allen sofort klar.

Dyson wirbt für den Supersonic mit der Angabe, er sei besonders leise: Auf der Webseite heißt es, der Motor drehe sich auf einer unhörbaren Frequenz. Letzteres mag sein, spürbar leiser als etwa Haartrockner von Philips oder Valera ist er nicht. Er hört sich nur anders an, erzeugt ein recht hohes Rauschen. Und er verhält sich beim An- und Abschalten ganz anders: Er ist sofort an beziehungsweise sofort aus, während andere Modelle immer noch kurz an- und nachlaufen.

Fazit

Der Supersonic ist ein Föhn. Innen voller moderner Technik, außen superschick. Gut in der Hand liegt er auch. Doch eine Revolution ist er trotzdem nicht, dafür ist er zu teuer: 399 Euro soll er kosten, wenn er im September in den Handel kommt.

Wer so viel Geld für einen Haartrockner ausgibt, muss seine Haare entweder sehr lieben oder Friseur sein.

Vorteile und Nachteile

Gelungenes technisches Konzept

Schönes Design

Einfache Bedienung

Gute Funktion

Sehr teuer

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
ctwalt 03.07.2016
1. Schön
aber nicht für € 400,-!
Ronnie68 03.07.2016
2. für Produktplacement auch noch bezahlen?
Wenn man beim Spiegel als Konsequenz aus der Rede von Susanne Amann jetzt für werbliche Artikel auch noch bezahlen soll, dann denke ich nicht, dass mit der Herausforderung des Strukturwandels richtig umgeht. Schlimm genug, dass man bei dem Artikel über Metallica und deren Neuauflagen den Pressetext des Labels fast wortgetreu über übernommen hat. Sollen jetzt auch solche Inhalte noch als Paid-Conent vermarktet werden? Quo Vadis, Spiegel? Es gab Zeiten, da stand die Marke Spiegel für andere Qualitäten als Clickfishing und Productplacement.
Here Fido 03.07.2016
3. SPON schlimmer als Junker
SPON hat ja noch weniger begriffen als Junker. Nicht zu fassen - jetzt soll man für einen von Herrn Kremps Reklameartikeln bezahlen? Ihr habt den Schuss wirklich nicht gehört. Im übrign: nie werde ich auch nur einen einzigen Cent für SPON Inhalte zahlen. Für eindn Kremp Artikel schon gar nicht.
taglöhner 03.07.2016
4. Langweilig
Nach der Headline dachte ich zuerst an ein Ölscheich-Cabrio.
holminger 03.07.2016
5. Ich kann ja verstehen, dass man für recherchierte Inhalte
Geld haben möchte, aber dies ist Werbung und dafür soll der Leser auch noch zahlen? Das hat doch Dyson sicher schon getan.
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