E-Reader und Shops Was die neuen E-Book-Angebote taugen

Konrad Lischka

5. Teil: Thalias Oyo - durchdachte Bedienung, mittelmäßige Darstellung


Thalias E-Reader Oyo hebt sich deutlich vom Vorbild Kindle ab: Das 140 Euro teure Lesegerät hat einen berührungsempfindlichen Bildschirm - man tippt auf einer eingeblendeten Tastatur Buchtitel ein, wählt mit einer Berührung E-Books aus und kann mit einem Fingerwischen vorblättern. Das Gerät hat nur vier Schalter - zum Einschalten, zum Vor- und Zurückblättern und einen zum Aufrufen des Hauptmenüs.

Die Bedienung per Touchscreen funktioniert ganz gut, beim Eintippen von Titeln ist die Darstellung der eingegebenen Buchstaben gerade noch schnell genug, dass man nicht das Gefühl bekommt, der Reader würde nicht auf Eingaben reagieren. Beim Vorblättern reagiert das Gerät etwas zu langsam auf die Berührungen, da ist die Reaktion beim Tastendruck schneller.

Der Vorteil dieser Bedienung ist, dass das Gehäuse ohne Tastatur angenehm klein ausfällt. Der Oyo sieht schöner aus als der Lumiread von Thalia. Allerdings wiegt dieser Vorteil das Manko des Touchscreens kaum auf: Weil die Folie zum Registrieren der Berührungen über dem Display liegt, stellt der Oyo die Schrift nicht so kontrastreich dar wie Libris Lumiread und schon gar nicht so gestochen scharf wie Amazons Kindle. Die Darstellung reicht zum Lesen aus - aber das Oyo-Schwarz ist eben nur ein dunkles Grau auf hellerem Beige, Texte sind auf kontrastreicheren Bildschirmen besser zu erkennen.

Abgesehen davon wirkt die Integration von Shop, Soft- und Hardware bei Thalias Oyo ausgefeilter als bei der deutschen Konkurrenz. Die Tasten zum Blättern sind groß genug und richtig positioniert, selbst als Linkshänder kann man dank des Touchscreens mit einer Hand lesen und vorblättern.

Die Anbindung an Thalias E-Buchladen ist gut umgesetzt - man kann auf einen Computer völlig verzichten und die E-Books direkt über den Oyo bei Thalia einkaufen (wenn man ein W-Lan nutzt). Einige - zum Glück nicht wesentliche - Details der Hardware funktionieren nicht ganz so gut. Ein Lagesensor soll zum Beispiel erkennen, wie man den Oyo hält und das Bild vom Hoch- ins Querformat kippen, wenn man den Reader dreht. Das klappt leider nicht immer und manchmal mit solcher Verzögerung, dass man glaubt, das Gerät habe die Veränderung nicht bemerkt und weitergedreht. Zum Glück ist dieses unausgereifte Detail nur Firlefanz.

Abgesehen vom mittelmäßigen Display spricht gegen den Oyo nur Thalias E-Book-Angebot. Das ist - zumindest bei unseren Stichproben - zwar ähnlich vielfältig wie das von Weltbild und Libri, aber das bedeutet eben auch, dass viele Klassiker und Nicht-Bestseller fehlen und man Originalausgaben gar nicht erhält. Wen dieses Angebot anspricht, für den ist der Oyo derzeit nicht der günstigste, aber sicher der preiswerteste E-Reader für deutschsprachige Digitalausgaben.



insgesamt 89 Beiträge
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WissInter 25.10.2010
1. Das geschieht mit Zukunftstechnologien in Deutschland...
Der Kindle hätte längst auf dem deutschen Markt verfügbar sein können. Aber die deutschen Mobilfunknetzbetreiber waren einfach zu gierig. http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/amazon-lesegeraet-kindle-vorerst-nicht-auf-deutschen-markt-401167/
Osis, 25.10.2010
2.
Ahhh, Der Re-Re-Re-Re-Relaunch... Es launcht schon wieder. Ich hab immernoch niemanden gesehen der so ein Ding nutzt und ich kenne in meinem belesenen Freundeskeis auch Niemanden der es vorhat... Akkulaufzeiten wären in der Übersicht noch nett gewesen. Egal. Ich brauch keinen, egal was das Marketing sagt. Wenn Apple einen vorstellt, gibts dann wieder umfangreiche Etxraartikel?
Saïph 25.10.2010
3. Zahlenwust..
Kindle 3, Kindle 4, man hätte sich im Artikel & Video vielleicht einmal darauf einigen sollen, welcher denn nun der "Neue" ist.
Starclimber, 25.10.2010
4. Dt. Verlager
Was die Deutschen Verleger so treiben ist eigentlich nur noch mit Unfähigkeit zu beschreiben. Kein Shop hat alle Bücher (im Buchladen bekommt man eigentlich alles) geschweige denn älter Bücher (wenige Jahre) Die Preise an sich sind darüber hinaus eine Frechheit. Der Kunde soll in (Produktions)vorlage gehen...er kauft das "Papier, den Druck, etc" ohne das einem Verlag kosten entstehen und dann soll er den gleichen oder sogar höheren Preis als für eine Printausgabe bezahlen? Mich würde es nicht wundern wenn irgendwann all denen die Einnahmen wegbrechen und es dann mal wieder die "bösen" Raubkopierer gewesen sein sollen. Ich war, früher zumindest, eifriger Leser und würde das mit anständigen E-Büchern auch wieder werden, aber so.... .... kaufe ich lieber ein paar Bücher weniger und dann wandert das Geld meist übern Teich. Da bekomme ich (fast) alles auch als E-Buch und bessere dabei mein Englisch auf.
wincel 25.10.2010
5. Na endlich ...
... tut sich in Deutschland was. Wir leben in den USA und ich habe seit ein paar Monaten als Vielleser den Schritt zum grossen Kindle gemacht, also dem neuen Kindle DX. Nicht grade billig aber dafuer sehen eben auch meine ganzen pdf files, die ich beruflich staendig lesen muss, gut drauf aus. Der Artikel ist leider nicht sauber recherchiert ... mal wieder ... zwar stimmt es, dass Kindle das ursprungsformat epub von Libri nicht darstellt, aber es gibt Konverter wie Calibre oder Sigil, mit denen man sie sehr leicht umwandeln kann in ein Kindle-freundliches Format. Es lassen sich verblueffenderweise sogar DRM geschuetzte PDF books (DIE stellt Kindle bisher nicht da, egal ob man die Lizenz hat oder nicht, normale PDF sind natuerlich kein Problem) ins mobi Format umwandeln und dann normal lesen. Was mich interessieren wuerde ist, ob das 3G Network nun damit auch in Deutschland aktiv ist? In den USA ist es ja kostenlos, ist zwar langsam und frisst ganzschoen Batterie (ca. 1h surfen = Haelfte der Batterie ist leer), aber ueberall Zugang zu den Emails haben auf einem grossen Screen mit richtiger Tastatur - das finde ich schon sehr angenehm. Bisher war das Kindle ausserhalb von den USA ja sofort tot, weil Amazon verstaendlicherweise keine Roaminggebuehren bezahlen wollte.
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