Echo Show 10 im Test Das kann Amazons Dreh-Ding

Das neue Smart-Display von Amazon schaut einem ständig hinterher – wenn man es lässt und diese Funktion nicht eher gruselig findet. Was das Gerät sonst noch kann, klärt der Test.
Keinen Moment Ruhe: Auch wenn man gerade nichts von ihm will, macht der Echo Show Vorschläge, was man tun könnte

Keinen Moment Ruhe: Auch wenn man gerade nichts von ihm will, macht der Echo Show Vorschläge, was man tun könnte

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ein Computer analysiert Ihre Bewegungen, folgt Ihnen und richtet sich nach Ihnen aus: Wenn diese Vorstellung Sie verstört, irritiert oder verängstigt, können Sie hier gleich aufhören zu lesen. Denn genau das Beschriebene macht den Echo Show 10 besonders. Mithilfe seiner Kombination aus Kamera und Mikrofonen versucht das Amazon-Gerät zu verstehen, wer wo im Raum ist, und sich darauf auszurichten, zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Denn ein Roboter ist das Gerät nicht. Es hat keine Beine oder Räder, um sich zu bewegen, sondern bleibt da, wo man es hinstellt. Nur der Bildschirm, der aus dem beeindruckend wuchtigen Lautsprechergehäuse ragt, kann sich fast rundherum drehen, wenn man ihn lässt. Auf Wunsch lässt sich die Drehfunktion aber auch abschalten und wem das nicht reicht, dem steht die Möglichkeit offen, die integrierte Klappe vor die Kamera zu ziehen. Dann ist der Echo Show 10 blind und die Verfolgungsfunktion deaktiviert.

Besser als ein einfacher Schalter: Die Kameraklappe des Echo Show 10
Besser als ein einfacher Schalter: Die Kameraklappe des Echo Show 10

Besser als ein einfacher Schalter: Die Kameraklappe des Echo Show 10

Im Übrigen, beruhigt Amazon, wird das Kamerabild für die Funktion in eine abstrakte Darstellung von Ecken, Kanten und Farben umgewandelt und mit künstlicher Intelligenz auf dem Gerät selbst analysiert. Dabei würden weder Daten in die Cloud geladen noch Originalbilder gespeichert.

Ein Bildschirm, der sich immer zu seinem Nutzer ausrichtet, könnte im Alltag nützlich sei, beispielsweise, wenn man sich in der Küche bewegt und im Blick behalten will, was auf dem Display passiert. Und das kann eine Menge sein. Um beim Beispiel Küche zu bleiben, könnte man sich Kochrezepte wie die von Chefkoch.de und Kitchen Stories anzeigen und vorlesen lassen. Oder man könnte beim Kochen noch eine Folge »Scrubs« auf Prime Video anschauen. Netflix, YouTube oder Arte lassen sich über den Echo Show 10 auch ansteuern, wenn man die Verbindung von Fernsehen und Kochen denn überhaupt mag.

Manchmal eckt er an

Amazon sieht auch die Möglichkeit, sich beim Videochat vor dem Gerät frei zu bewegen und trotzdem immer im Bild bleiben zu können, als großen Pluspunkt. Dafür muss man sich dann allerdings ganz auf Amazon-Geräte und -Apps verlassen, denn beliebte Videochat-Apps wie Zoom und WhatsApp lassen sich nicht nutzen. Skype sollte theoretisch funktionieren, versagte auf meinem Testgerät aber ebenso wie das Adressbuch, das bei jedem Versuch, es aufzurufen, ohne Fehlermeldung abstürzte.

Wirkt ein bisschen wie ein Schnittbogen: Die Aufstellhilfe des Echo Show 10

Wirkt ein bisschen wie ein Schnittbogen: Die Aufstellhilfe des Echo Show 10

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ohnehin will der Einsatz des Drehmechanismus gut geplant sein. Im Karton liegt sogar eine Schablone, mit der man den Radius abstecken kann, den der Echo Show 10 für eine volle Drehung braucht. In meiner leider viel zu kleinen Küche war dafür nicht genug Platz, der Echo musste auf einem Regal Platz nehmen – und eckte sofort an. Für solche Fälle kann man seinen Bewegungsradius glücklicherweise einschränken.

Bewegungseinstellung: Bis hierhin und nicht weiter

Bewegungseinstellung: Bis hierhin und nicht weiter

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Als besonders nützlich habe ich das automatische Mitschwenken des Bildschirms ohnehin nicht empfunden. Das mag anders sein, wenn man ihn auf einem Tisch oder einer Anrichte mitten im Raum platziert und ihn mal aus der einen, mal aus der anderen Richtung benutzt. Dann muss man sich nur noch damit abfinden, dass der Echo Show 10 sein Display zwar geräuschlos, aber auch etwas langsam dreht. Für Hektiker ist das nichts.

Es ist eben ein Echo

Abgesehen vom Drehbildschirm ist der Echo Show 10 eben ein typisches Echo-Gerät, über das man Amazons künstliche Intelligenz Alexa ansprechen kann, wenn man wissen will, wie weit der Mond entfernt ist oder wie viel Gramm ein Kilogramm hat. Solche Aufgaben erledigt auch der neue Echo auf die gewohnt gute und ebenso schlechte Weise. Er kann enorm viel, versteht aber nicht, was man meint, wenn man nach einem Rezept für Kokkinisto fragt.

Rezepte kann man selbst lesen – man kann sie sich aber auch vorlesen lassen

Rezepte kann man selbst lesen – man kann sie sich aber auch vorlesen lassen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Smarthome-Geräte lassen sich mit dem Echo Show 10 per Sprachbefehl steuern, ebenso kann das Gerät Bilder elektronischer Türklingeln und Überwachungskameras anzeigen. Immer vorausgesetzt, dass die Geräte Alexa-kompatibel sind. Auch ein kleiner Zigbee-Hub ist integriert, über den sich Geräte wie etwa Philips-Hue-Lampen vernetzen lassen.

Der 10,1 Zoll große Bildschirm zeigt kräftige Farben und ist für Anwendungen in Innenräumen hell genug. Das Lautsprechersystem aus einem Tieftöner und zwei Hochtönern klingt angenehm transparent und kann sehr laut werden. Bemerkenswert ist hier, dass die beiden Hochtöner immer mit dem Display mitbewegt werden, sich also auf den Nutzer ausrichten. Wie es bei Smartspeakern mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich ist, wird der Klang automatisch an den jeweiligen Raum angepasst. Neben Amazon Music lassen sich zum Musikhören Spotify, Apple Music und weitere Anbieter nutzen.

Fazit

Die Drehfunktion des Echo Show 10 ist vor allem eine schöne Spielerei. Entscheidender ist, dass der Sound des Geräts gut ist, was ihn zu einem sehr guten Küchenradio macht, das auch noch Kochrezepte vorlesen und die Wettervorhersage raussuchen kann.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.