Einheitliches Handy-Ladegerät EU verspricht Schluss mit dem Stecker-Chaos

Ein Ladegerät für das Diensthandy, eines für das private und vielleicht noch ein anderes für das des Partners, damit soll bald Schluss sein. Viele große Handy-Hersteller haben sich jetzt zu einem einheitlichen Ladekabel-Standard verpflichtet - endlich.


Ein scheinbar endloses Ärgernis für Handy-Nutzer wird bald ein Ende finden: Noch in diesem Jahr sollen einheitliche Ladegeräte für die meisten neuen Handys in den Handel kommen. Insgesamt 14 Hersteller haben sich gegenüber der EU zu diesem Schritt verpflichtet, wie die Europäische Kommission am Dienstag in Brüssel erklärte. Die Universal-Ladegerät sollen künftig mit allen neuen Handys (und vielen alten) funktionieren, die sich mit einem Computer verbinden lassen. Dazu gehören nicht nur Smartphones, sondern auch viele klassische Handymodelle. Ausgeschlossen sind damit aber unter Umständen viele Einfachtelefone.

Das Universal-Ladegerät wird einen Micro-USB-Stecker haben. Diesen Standard nutzen bereits jetzt viele Hersteller, etwa HTC und Motorola. Der neuen Allianz haben sich nun aber auch Branchenriesen wie Nokia, Sony Ericsson und Apple angeschlossen.

Künftig werden Konsumenten, wenn sie ein neues Handy kaufen, dann kein Ladegerät mehr im Karton vorfinden. Die EU-Kommission geht davon aus, dass dadurch die Preise sinken werden. Ob diese Hoffnung wirklich erfüllt wird, ist allerdings fraglich. Die Hersteller könnten auf diese Weise auch einfach ihre Gewinnmarge erhöhen und die Kosten für das Ladegerät auf den Kunden abwälzen, der dann allerdings auch nur einmal ein solches Gerät kaufen müsste.

Außerdem könne durch die Vereinheitlichung Elektroschrott eingespart werden, erklärte die Kommission. Davon fielen in der EU durch die Ladegeräte bei geschätzten 500 Millionen Mobiltelefonen und einem Handywechsel alle zwei Jahre mehr als 50.000 Tonnen jährlich an. Allerdings hat es sich in den letzten Jahren gezeigt, dass viele Gebrauchthandys nicht etwa entsorgt, sondern zuhause gelagert werden - für den Notfall und inklusive des passenden Ladegeräts.

Die jetzt gefundene Lösung gilt zudem nicht für alle mobilen Kommunikationsgeräte wie zum Beispiel Laptops. Trotzdem erhofft die EU sich eine Signalwirkung von der Handy-Norm. Brüssel hatte gegenüber der Branche auf Harmonisierung gedrungen und dafür auf gesetzliche Regelungen verzichtet. Industriekommissar Antonio Tajani appellierte vor diesem Hintergrund am Dienstag an die Branche, die Markteinführung der Geräte zu beschleunigen. Grundsätzlich sei es möglich, dass die ersten Geräte schon "in den ersten Monaten" des Jahres verfügbar seien.

mak/AFP

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