Recycling Deutsche befürworten Handy-Pfand

Schätzungsweise 200 Millionen Mobiltelefone liegen ungenutzt in deutschen Schubladen. Die enthaltenen Rohstoffe werden dringend gebraucht – und für ein Pfandsystem gäbe es offenbar eine breite Mehrheit.
Handyschrott auf dem Weg zur Zweitverwertung: Könnte ein Pfand die Recyclingquote steigern?

Handyschrott auf dem Weg zur Zweitverwertung: Könnte ein Pfand die Recyclingquote steigern?

Foto: STEPHANE DE SAKUTIN/ AFP

Wer ein neues Smartphone kauft, hat oft keine Verwendung mehr für das Vorgängergerät. Wenn auch die Kinder mit dem Handy nichts mehr anfangen können, landet es allzu oft vergessen in einer Schublade. Um solche Ressourcenverschwendung zu vermeiden, kann sich eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger einer Forsa-Umfrage zufolge ein Pfand auf Handys vorstellen, teilte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit.

Der Digitalverband Bitkom schätzt , dass hierzulande mehr als 200 Millionen Mobiltelefone ungenutzt herumliegen. Sie enthalten wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt und Tantal sowie Silber, Gold und Nickel oder Seltene Erden. Laut der repräsentativen Umfrage im Auftrag der DBU halten insgesamt 87 Prozent der Befragten ein Handy-Pfand deshalb für »sehr gut« oder »gut«.

»Elektroschrott wird deutschland- und weltweit zu einem massiven Problem«, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Der Wunsch der Bürger sei auch als »Weckruf an die Gesetzgeber« zu verstehen. Um den Raubbau der Ressourcen zu stoppen, brauche es Anreize für die Wieder- und Weiterverwendung von Rohstoffen. Es gelte wegzukommen von einer »Ex- und Hopp-Mentalität«.

Reparatur lohnt oft nicht

91 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Reparaturen von Produkten wie Haushaltsgeräten, Handys und Fernsehern finanziell oft nicht lohnen, weil sie teuer sind. Eine große Mehrheit (84 Prozent) vertrat die Ansicht, die Hersteller planten die Produkte so, dass sie nur wenig länger als die gesetzliche Garantiezeit halten. Drei Viertel der Befragten gaben an, es sei zu aufwendig, einen geeigneten Anbieter für die Reparatur zu finden.

Bonde sprach von einer dramatischen Lage beim Elektroschrott. Fast 54 Millionen Tonnen seien 2019 weltweit angefallen – von Monitoren über Handys bis zu Kühlschränken. Pro Kopf und Jahr seien das global etwa 7,3 Kilogramm, in Deutschland rund 10,3 Kilogramm. Dabei seien etwa bei Handys rund 80 Prozent der Bestandteile wiederverwertbar.

Die Bundesregierung versucht bereits, die Recyclingquote und die Lebensdauer von Geräten wie Smartphones zu erhöhen. Ab kommendem Jahr muss der Handel solche Geräte kostenfrei zurücknehmen. Onlinehändler müssen dabei sogar die Versandkosten tragen. Schon heute nehmen Mobilfunkprovider alte Handys oft kostenlos entgegen. Zudem hat der Bundestag gerade ein Gesetz verabschiedet, das Hersteller verpflichtet, Softwareupdates für ihre Geräte bereitzustellen.

tmk/dpa
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