Neues Betriebssystem für iPad und iPhone Apple befreit iOS vom Filz

Neue Macbook-Air-Modelle, röhrenförmiger Hochleistungsrechner, sparsames Mac OS: Apple-Chef Tim Cook hatte viel im Gepäck bei der Entwicklerkonferenz WWDC. Für den meisten Wirbel sorgte aber das entschlackte iPhone-Betriebssystem.
Neues Betriebssystem für iPad und iPhone: Apple befreit iOS vom Filz

Neues Betriebssystem für iPad und iPhone: Apple befreit iOS vom Filz

Foto: STEPHEN LAM/ REUTERS

San Francisco - Es gab tatsächlich tosenden Applaus - für eine Betriebssystem-Version. Das ist selbst bei Apple nicht immer so, aber das neue iOS 7 scheint die anwesenden Softwareentwickler bei Apples Konferenz WWDC doch nachhaltig überzeugt zu haben. Chefdesigner Jonathan Ive persönlich hat Hand angelegt und dabei offenbar etwas abgeschafft, was viele Apple-Fans schon lange bemängelt hatten: den sogenannten Skeuomorphismus, das Nachahmen natürlicher Materialien und Oberflächen in der Betriebssystem-Grafik. Die Zeit der Bücherregale aus Pixelholz und Spieltische aus Pixelfilz ist mit dem neuen iOS wohl tatsächlich vorüber, wenn es im Herbst für Normalnutzer zur Verfügung gestellt wird. Von Dienstag an können Entwickler bereits eine Betaversion testen.

Im neuen iOS sind Parallax-3-D-Effekte eingebaut - wenn man das Handy bewegt, scheint es, als würden die Icons über den Hintergrund schweben. Ordner können nun mehrere Seiten haben, ein neues Control-Center lässt sich von unten auf den Bildschirm ziehen, um häufig genutzte Funktionen aufzurufen. Multitasking sollen iPhone und iPad unter dem neuen iOS besser können, ohne allzu viel Strom zu verbrauchen. Eine der für viele Nutzer wohl wichtigsten Neuerungen: App-Updates finden künftig automatisch statt, müssen nicht mehr manuell initiiert werden.

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Apple-Event WWDC: Röhrenrechner und Schnellfunker

Foto: AP/dpa

Im Auto soll iOS künftig eine wichtigere Rolle spielen: Tim Cook kündigte Kooperationen mit zwölf Herstellern an, die iOS in ihre Fahrzeuge integrieren wollen. Der Sprachassistent Siri, Apple Maps und anderes sollen sich dann über den Bildschirm im Auto nutzen lassen. Siri kann nun auf Wunsch auch mit männlicher Stimme zum Nutzer sprechen und soll mehr Befehle verstehen lernen ("Spiele die letzte Voicemail ab", "Erhöhe die Helligkeit").

Mit dem ebenfalls vorgestellten neuen Mac OS namens Mavericks teilt sich iOS 7 eine Funktion: Die sogenannte iCloud Keychain soll sichere Passwörter auf Wunsch generieren und sie auch speichern - und zwar über Betriebssytemgrenzen hinweg, solange man in der Apple-Welt bleibt. Das klingt praktisch - nie wieder ein Passwort merken müssen. Es sorgte aber auch unmittelbar nach der Ankündigung für viele boshafte Twitter-Witze mit Bezug auf den "Prism"-Skandal: "Hervorragend, dann kann die NSA jetzt auch auf Accounts zugreifen, die nicht in den USA liegen."

Weitere Ankündigungen im Überblick:

  • Neue Macbook-Air-Modelle basieren auf Intels neuen Haswell-Prozessoren. Die Akkulaufzeiten sollen 11 Stunden beim 11-Zoll-Modell und 12 Stunden beim 13-Zoll-Modell betragen.

  • Das Mac OS namens Mavericks soll bis zu 72 Prozent stromsparender arbeiten, indem es Prozesse optimiert und Ruhezeiten verlängert.

  • Der Browser Safari wird optisch überarbeitet, soll schneller werden und bekommt eine Funktion namens "Shared Links", die Seiten zeigt, die andere auf Twitter gepostet haben, denen man dort folgt.

  • Die Lese-App iBooks kommt auf den Mac, für Apple Maps gibt es dort nun eine App.

  • Die Bürosoftware iWork bekommt eine neue Version, die komplett im Browser läuft, funktional aber kaum von Desktop-Software zu unterscheiden ist. Apples Antwort auf Googles Chrome OS? iWork for iCloud heißt der Dienst, der auch auf Windows-Rechnern laufen soll.

  • Im Herbst soll ein neuer Hochleistungsrechner kommen, der Nachfolger des Mac Pro. Er sieht aus wie eine zu groß geratene Coladose in schwarz. Unter anderem kann er drei 4k-Displays zugleich ansteuern - das erfordert eine Menge Rechenleistung.

  • Der neue Musikdienst iTunes Radio wurde vorgestellt, was keine Überraschung war. Überraschend ärgerlich für deutsche Nutzer: Vorerst ist der Dienst, der mit Werbung versehen kostenlos nutzbar ist, nur für US-Nutzer freigeschaltet.

cis
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