Lieferungen aus der Luft In China fliegt der Drohnen-Express

In der südchinesischen Metropole Guangzhou gibt es eine erste innerstädtische Drohnen-Lieferroute. Die Fluggeräte transportieren bis zu fünf Kilogramm schwere Kisten mit Dokumenten.
Lieferdrohne von EHang und DHL-Sinotrans

Lieferdrohne von EHang und DHL-Sinotrans

Foto: Courtesy of DHL-Sinotrans & EHang/DPA

Wofür ein Auto 40 Minuten braucht, schafft eine Drohne in acht: Die erste innerstädtische Drohnen-Lieferroute in China ist am Donnerstag in der südchinesischen Metropole Guangzhou in Betrieb genommen worden.

Zwischen zwei Landestationen transportieren die unbemannten Fluggeräte vollautomatisch jeweils bis zu fünf Kilogramm schwere Kisten mit Express-Sendungen über eine acht Kilometer lange Strecke.

Kooperationspartner sind das Logistik-Joint-Venture DHL-Sinotrans und der chinesische Drohnenhersteller EHang. Es ist das erste Mal, dass ein internationales Logistikunternehmen eine solche Drohnenstrecke in China betreibt. "Die Dynamik des sich rasant entwickelnden chinesischen Marktes macht ihn zum idealen Platz für die Route", sagte Jack O'Neill, Vizepräsident von DHL Express in China.

Die Verbindung wurde speziell für einen nicht näher genannten Unternehmenskunden im Bezirk Songshanhu in Guangzhou eingerichtet. Er lässt seine Dokumentenumschläge jetzt zweimal am Tag - bei Bedarf auch öfter - per Drohne abholen und zum DHL-Servicezentrum bringen.

Probleme bei der ersten Vorführung

Die Drohne landet auf einer gelben Station, die beim Anflug automatisch das Dach für den Landeplatz öffnet. Die Ladung in Form der Kiste wird selbsttätig ab- und aufgeladen. Der Kunde kann - nach Identifizierung über Personalausweis und Gesichtserkennung - eine Klappe öffnen, um seine Sendung abzugeben oder herauszuholen.

DHL ist zwar das erste Unternehmen mit einer innerstädtischen Route in China, aber nicht das erste, das mit Drohnen seine Sendungen transportiert. Der große chinesische Onlinehändler JD.com beliefert seit November in entlegene, ländliche Regionen an bestimmte Landeplätze, von wo aus die Lieferungen aber auch immer noch per Boten zum jeweiligen Adressaten gebracht werden.

In mehr als zwei Dutzend Ländern wird mit Lieferdiensten experimentiert - oder es werden bereits bestimmte Sendungen oder auch eilige medizinische Güter wie Laborproben per Drohne transportiert.

Der Markt in China ist riesig. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 50 Milliarden Auslieferungen an Kunden - mehr als in den USA, Japan und Europa zusammen. "Wir wollen zusätzliche Kunden auskundschaften", sagte DHL-Express-Vizepräsident O'Neill. Es hänge aber vom Bedarf und den notwendigen Genehmigungen ab. "Das ist nicht so schnell zu bekommen." So sprach Chinas Luftverkehrsbehörde CAAC bei der DHL-Lieferstrecke auch nur von einem Pilotprojekt, "um die betreffenden Standards und Systeme für Drohnenlogistik durch Praxis zu verbessern".

Ohnehin wird der Luftraum in China vom Militär kontrolliert, was auch im zivilen Flugverkehr häufig zu Problemen und Verspätungen führt. Wie schwierig das Drohnengeschäft in China sein kann, zeigte sich schon bei der Feier zur Eröffnung der Lieferroute am Firmensitz von EHang, für die eigens ein vollautomatisierter Landeplatz aufgebaut worden war, um den geladenen Gästen die Lieferung mit dem unbemannten Fluggerät vorzuführen. Kurzfristig war aber ein Flugverbot für das Gebiet erlassen worden, so dass die Vorführung ausfallen musste. "Es gab ein paar Probleme", sagte O'Neill.

pbe/dpa
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