Handynutzung im Ausland Roaminggebühren abgeschafft - das müssen Sie wissen

Das Roaming im EU-Ausland soll ab sofort keine Extrakosten mehr verursachen. Doch es gibt Fallen - der Überblick.
Smartphone-Display mit Hinweis auf Datenroaming

Smartphone-Display mit Hinweis auf Datenroaming

Foto: Arno Burgi/ dpa

Keine Roaminggebühren innerhalb der EU: Das legt eine neue Verordnung fest, die ab heute gilt. Ein Telefonat mit dem Handy im Spanienurlaub soll nun nicht mehr als in Deutschland kosten.

Ebenso kann man sein für Smartphone oder Tablet gebuchtes monatliches Datenvolumen innerhalb der EU zum Surfen, für E-Mails, Chats, Filme und Musik nutzen, SMS ohne Zusatzkosten verschicken und empfangen. Das Ziel der Verordnung ist also, einfach gesagt: Grundsätzlich sollen alle Bestandteile eines Mobilfunkvertrags überall in der EU gleich gelten. Teils horrende Aufpreise für die Nutzung des Handys im Ausland sollen damit wegfallen.

Doch ganz so einfach, wie es sich anhört, ist es leider nicht. Immer noch lauern Gebührenfallen, immer noch gibt es Unklarheiten. Zwar haben Bundesnetzagentur  und Mobilfunkanbieter Infoseiten zum Thema ins Netz gestellt, aber die sind mal kompliziert, mal zu stark von den Interessen des jeweiligen Unternehmens eingefärbt.

Im Folgenden haben wir deshalb die zehn wichtigsten Antworten auf Fragen rund um die Roaming-Verordnung der EU zusammengetragen:

  • Was ist eigentlich Roaming?
    Mit Roaming wird die Möglichkeit bezeichnet, sich mit einem Mobilgerät beziehungsweise einer Sim-Karte in ein ausländisches Mobilfunknetz einzubuchen.
  • Wo gilt die neue Roaming-Regelung?
    In allen 28 Staaten der Europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen, die zum Europäischen Wirtschaftsraum zählen. Ausdrücklich ausgenommen sind Andorra, San Marino, Monaco und die Schweiz, weil sie keine EU-Mitglieder sind. In den drei kleinen dieser vier Staaten hat man aber zumindest die Chance, sich in das Mobilfunknetz eines benachbarten EU-Staates einzubuchen, um die EU-Konditionen zu nutzen.
  • Für welche Mobilfunkverträge gelten die neuen Regeln?
    Die Roaming-Verordnung der EU gilt für alle Verträge, unabhängig davon, wann sie abgeschlossen wurden und ob sie Prepaid oder Postpaid abgerechnet werden.
  • Was muss ich jetzt an meinem Handy oder Smartphone einstellen?
    Im besten Fall gar nichts. Kontrollieren Sie aber vorsichtshalber, ob bei Ihrem Endgerät die nötigen Einstellungen schon vorgenommen worden sind. Auf iPhones und iPads finden Sie die entsprechende Option in den Einstellungen unter Mobiles Netz/Datenoptionen. Auf Android-Geräten ebenfalls in den Einstellungen, meist unter Drahtlos & Netzwerke/Mehr/Mobilfunknetze. Dies kann aber je nach Gerät variieren. Kontaktieren Sie im Zweifel den Hersteller.
  • Was gilt für Telefonate von einem EU-Ausland in ein anderes?
    Genau wie Anrufe zu Hause fallen auch Gespräche von einem EU-Staat in einen anderen unter die neuen Regeln - solange man sie nicht von seinem Heimatland aus tätigt.
  • Was gilt für Telefonate von Deutschland ins EU-Ausland?
    Die Roaming-Verordnung gilt nur, wenn man sich im EU-Ausland befindet. Wer jedoch von Deutschland aus eine ausländische Telefonnummer anruft, muss dafür die entsprechenden Gebühren für internationale Gespräche nach der Preisliste seines Mobilfunkanbieters zahlen, auch wenn sich der Angerufene im EU-Ausland befindet.
  • Was kosten künftig im EU-Ausland eingehende Anrufe?
    Auch die bisher für ankommende Gespräche fälligen Gebühren entfallen mit der neuen Verordnung.
  • Gibt es Ausnahmen?
    Auf Schiffen und in Flugzeugen kann man das EU-Roaming in der Regel nicht nutzen, weil diese eine Verbindung per Satellit herstellen. Die Verordnung gilt jedoch nur für Verbindungen in terrestrischen Netzen. Auf Flughäfen, in Seehäfen oder nahe der Küste können Sie an Bord von Flugzeugen und Schiffen also versuchen, das normale Mobilfunknetz zu nutzen. Sobald sich ihr Handy aber mit einem Netz verbindet, das vom Betreiber des jeweiligen Verkehrsmittels bereitgestellt wird, kann es teuer werden.
  • Kann ich mir jetzt eine günstige ausländische Sim-Karte besorgen?
    Die Verfasser der Verordnung haben vorhergesehen, dass es für Bürger in Staaten mit hohen Mobilfunkpreisen reizvoll sein könnte, sich billige Mobilverträge aus anderen EU-Staaten zu besorgen und dank Roaming-Verordnung in ihrem Heimatland zu nutzen. Eine sogenannte Fair-Use-Policy gibt Mobilfunkanbietern Möglichkeiten, solchen Missbrauch zu verhindern. Sie legt beispielsweise fest, dass ein Anbieter Roamingaufschläge verlangen darf, wenn ein Kunde seine Sim-Karte überwiegend im Ausland nutzt. Hierzu muss das Nutzungsverhalten des Anwenders vier Monate lang beobachtet werden.
  • Ich habe eine EU-Flatrate gebucht. Was geschieht damit?
    Seit einigen Jahren bieten einige Provider EU-Flatrates an. Gegen eine Gebühr von einigen Euro pro Monat konnte man der EU-Verordnung vorgreifen und seinen Vertrag ohne Roaminggebühren in der EU nutzen. Solche Optionen werden jetzt obsolet. Trotzdem werden sie von einigen Anbietern nicht gelöscht. Laut dem Portal aboalarm.de wollen beispielsweise O2, Base und 1&1 solche Optionen weiterlaufen lassen.
    Die Telekom argumentiert gar, man könne mit dem dort "All inclusive" genannten Extra "Roaming sogar in der Schweiz" nutzen. Das nützt freilich nur dem, der dort regelmäßig unterwegs ist. Wer also beispielsweise einen alten MagentaMobil-Vertrag der Telekom mit dieser Option hat und in Zukunft unnütze Kosten vermeiden will, sollte die Option also bei seinem Anbieter kündigen. Bei einem Test von SPIEGEL ONLINE funktionierte das bei der Telekom allerdings nur über die Hotline, auf dem Kundenportal ergab der Versuch nur eine Fehlermeldung.
mak
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