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VR-Brille auf der Achterbahn Künstliche Welt, echtes Rütteln

Für Virtual-Reality-Brillen gibt es allerlei Apps, die Achterbahnfahrten simulieren. Der Europa-Park Rust geht nun einen Schritt weiter: Er peppt eine ältere Attraktion mit Datenbrillen auf. Eine Idee mit großer Zukunft.

Der Europa-Park in Rust, einer der größten Freizeitparks Europas, hat eine neue, alte Attraktion. Beim "Alpenexpress VR-Ride" handelt es sich um eine Achterbahnfahrt, bei der man eine VR-Brille trägt. Die Besucher sind in der ältesten Bahn des Europa-Parks unterwegs, erleben dabei aber per Datenbrille fantastische Welten. Mithilfe der Virtual-Reality-Technik (VR) werden eine Lorenfahrt und ein Ritt auf einem Drachen simuliert.

Der "VR-Ride"  wurde am Wochenende zum ersten Mal der Presse vorgeführt - und konnte zumindest die Kollegen von dem Magazin "c't" überzeugen: Man könne dort Dinge erleben, die in der Realität unmöglich wären, schreibt Autor Jan-Keno Janssen , "zum Beispiel auf einem Drachen zu reiten - und zwar so, dass sich das Ganze wirklich echt anfühlt, inklusive Fahrtwind und Beschleunigungskräften." Drehen die Besucher ihren Kopf, ändert sich auch der Blick auf die künstliche Welt.

Der Trick ist, dass die echte Fahrt mit der berechneten Fantasiewelt synchronisiert wird, erklärt einer der Entwickler SPIEGEL ONLINE. Der interaktive 3D-Film wird dabei durch Sensordaten an die Bewegung und Position der Achterbahn gekoppelt. Sensoren im Fahrwerk registrieren, wie sich die Bahn bewegt und steuern so die Grafikberechnung. Dabei kommt es auf Präzision an: Stimmen echte und berechnete Position nicht überein - bewegt sich die Achterbahn also anders, als es die 3D-Welt suggeriert - führt das zu Übelkeit bei den Fahrgästen.

VR-Brillen des Europa-Parks: Alte Attraktion aufgepeppt. VR-fähig sind aktuell die ersten fünf von zehn Sitzreihen

VR-Brillen des Europa-Parks: Alte Attraktion aufgepeppt. VR-fähig sind aktuell die ersten fünf von zehn Sitzreihen

Foto: Europa-Park

Die zugrunde liegende Technik ist erstaunlich einfach, sie basiert auf Samsungs bereits erhältlichem VR-Headset Samsung Gear VR: Es gibt keinen zentralen Grafikcomputer, stattdessen wird die Berechnung komplett von Smartphones vorgenommen. Die Sensordaten aus dem Fahrwerk werden dabei über Funk an die Handys übermittelt; die Beschleunigungssensoren der Geräte wiederum steuern den virtuellen Blick. Mehr technische Details bietet der Artikel der Kollegen von "c't" .

VR für die Zukunft

Das in Rust getestete Konzept hat Zukunft, glaubt Thomas Wagner, der das neue Fahrgeschäft mit seiner Firma VR Coaster  maßgeblich mitentwickelt hat. Gerade alte Freizeitpark-Attraktionen könnten durch neue, virtuelle Themen "extrem aufgewertet" werden. Dank der VR-Technik können aufwendige Welten am Computer erstellt und - wie Computerspiele - an die Publikumswünsche angepasst werden. Kinder könnten im Fahrgeschäft dank anderer Software durch eine harmlose Märchenwelt rauschen, Erwachsene auf derselben Attraktion dramatischere Szenarios erleben.

Dass solche VR-Angebote gerade jetzt entstehen, ist kein Zufall: In den letzten Monaten sind Geräte mit VR-Technik nicht nur erschwinglich geworden. Mit Blick auf die Nutzbarkeit haben die Entwickler auch große Fortschritte gemacht.

Ähnliche Systeme wie die aktuellen VR-Brillen und -Headsets gibt es schon seit 20 Jahren, die alten Geräte überzeugten jedoch kaum jemanden. Zu ihren Problemen zählten eine schlechte Grafikqualität, verzögerte und ungenaue Bewegungen und und nicht zuletzt eine Kombination aus Helm und Recheneinheit, die viel zu schwer und unbequem für längere Spielrunden war.

Eine Fahrt dauert zwei Minuten

Zumindest um letztere Schwierigkeit muss sich der Europa-Park erst einmal keine Sorgen machen: Eine Fahrt im Alpenexpress dauert nur knapp zwei Minuten. Zudem fährt die Bahn mit - im Vergleich zu anderen Achterbahnen - gemächlichen 45 Stundenkilometern. Das ist schnell genug für eine künstlich aufgewertete Durchrüttelung und langsam genug, damit die Sensoren - und der Fahrgast - mit der Verwertung der Eindrücke hinterherkommen.

VR-Experte Thomas Wagner sagt, in Zukunft werde man weitere Inhalte auch für andere Achterbahnen entwickeln - und die Technik samt angepasster Inhalte an internationale Vergnügungsparks verkaufen. Er sieht neue Chancen für die Branche: "Der Vorteil von VR ist, dass damit erstmalig ganz neue Gefühle simuliert werden können, wie zum Beispiel Schwerelosigkeit. Das kann kein Simulator."

Überhaupt klingt die Kombination aus VR und Freizeitparks faszinierend. Für viel Aufsehen sorgte in den letzten Wochen das Konzept von "The Void" : Mit VR-Brillen und Schutzhelmen ausgerüstete Besucher laufen hier durch einen kargen Hindernis-Parcours. Das Ganze erleben sie aber in Form einer actiongeladenen Spielwelt aus dem Computer. Sie manipulieren realweltliche Gegenstände wie eine Plastiktafel, die sie durch ihre Datenbrille als Touch-Bildschirm mit interaktiver Grafik wahrnehmen.

Augmented Reality als zweite Zukunftstechnik

Ähnliche Angebote, die oft an Lasertag-Hallen erinnern, sind weltweit in der Entwicklung. So arbeitet etwa das australische Start-up "Zero Latency"  an einem sogenanntem "Multiplayer Virtual Reality Gaming" - gemeint sind Gruppenkämpfe mit Plastikattrappen, die durch die VR-Brille als futuristische Waffen erscheinen.

Und das alles ist nur der Anfang: Sobald Systeme für die sogenannte Augmented Reality erhältlich sind - hierzu zählt etwa Microsofts Brille HoloLens -, dürften die physische und die berechnete Realität verschmelzen: Man sieht dann die echte Welt, diese ist aber um berechnete Inhalte angereichert.

Wer also glaubt, dass Vergnügungsparks durch Computerspiele und die VR-Technik überflüssig werden, könnte irren: Gerade dort könnten sich die spannendsten Experimente finden lassen.


Hinweis: Den "Alpenexpress VR" können derzeit nur Inhaber einer Jahreskarte oder einer "Emotions Plus"-Kundenkarte und Besucher des Europa-Park-Hotels benutzen. Die Fahrt ist bis zum 17. Oktober kostenlos, danach werden pro Person vier Euro erhoben.

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