Virtual Reality Facebook stoppt Verkauf von Oculus-Brillen in Deutschland

VR-Brillen von Oculus werden in Deutschland vorerst nicht mehr vertrieben, teilte Mutterkonzern Facebook mit. Grund dafür könnten Datenschutzprobleme sein.
Hugo Barra, VR-Manager bei Facebook, mit einer Oculus Go auf der Facebook-Konferenz F8 (2018)

Hugo Barra, VR-Manager bei Facebook, mit einer Oculus Go auf der Facebook-Konferenz F8 (2018)

Foto: JOSH EDELSON/ AFP

Facebook hat den Verkauf von VR-Brillen seiner Firma Oculus in Deutschland bis auf Weiteres gestoppt. Es stünden Gespräche mit Regulierern an, teilte das Onlinenetzwerk am Mittwoch mit. Nach Informationen der "Welt"  war der Auslöser die jüngste Ankündigung des Unternehmens, Oculus-Profile schrittweise mit Facebook-Accounts zu verknüpfen.

Facebook selbst machte keine Angaben zu den Gründen des Verkaufsstopps. Für bisherige Besitzer von Oculus-Brillen ändere sich nichts, betonte das Unternehmen.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte der Zeitung, die anstehende Koppelung der Accounts sei "äußerst problematisch" und verwies dabei auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). In Hamburg hat die deutsche Facebook-Tochter ihren Sitz, das Geschäft in Europa insgesamt wird von Irland aus geführt - und damit sind auch die dortigen Datenschützer letztlich zuständig. Caspar wolle die Angelegenheit nun zur weiteren Prüfung an sie weiterleiten, schrieb die "Welt". Sie müssten dann einen Entscheidungsentwurf vorlegen.

Caspar erwarte keine schnelle Reaktion: "Da in den letzten beiden Jahren zur Thematik der Weitergabe der Daten zwischen WhatsApp und Facebook kein solcher Entscheidungsvorschlag vorgelegt wurde, habe ich wenig Zuversicht, dass es hier zu einer zügigen Lösung kommt."

Restbestände können bei Händlern verfügbar sein

Oculus ist ein führender Anbieter von Brillen für sogenannte virtuelle Realität (VR). Das Unternehmen hatte die Änderungen vor gut zwei Wochen angekündigt . Bisher mussten die Oculus-Profile nicht mit Facebook-Accounts verknüpft werden. Nun soll sich von Oktober an jeder, der zum ersten Mal ein Oculus-Gerät nutzt, mit einem Facebook-Account anmelden müssen. Bestandsnutzer haben dagegen bis zum 1. Januar 2023 Zeit, ihre Oculus- und Facebook-Konten zusammenzuführen, wie das Unternehmen ankündigte. Kaufen sie in dieser Zeit aber ein neues Oculus-Gerät, wird das dann nur nach der Anmeldung via Facebook funktionieren.

Der Schritt solle helfen, beliebte Facebook-Funktionen auch in die VR-Brillen zu integrieren, hatte Facebook zur Begründung für die Zusammenführung erklärt. Die Mehrheit der Nutzer logge sich bereits jetzt mit einem Facebook-Account bei Oculus ein, um Funktionen wie Chats und Events nutzen zu können, hieß es.

Auf der Oculus-Website wurden am Dienstag keine Geräte mehr verkauft. Aktuell könnten Restbestände der Oculus-Brillen noch bei anderen Händlern verfügbar sein, man werde aber keine nach Deutschland nachliefern, erklärte Facebook. Das Oculus-Geschäft mit Unternehmen sei nicht betroffen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte beim Kauf von Oculus für mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr 2014 groß auf den schnellen Vormarsch virtueller Realität (VR) gewettet, es blieb bisher aber ein Nischengeschäft.

juh/dpa
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