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Fairphone 2 im Test: Das Selbermachen-Smartphone

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Fairphone 2 im Test Dieses Handy können auch Sie reparieren

Viele Smartphones werden nach kurzer Zeit durch neue ersetzt. Nicht so das Fairphone 2, verspricht der Hersteller. Reparaturen soll man selbst durchführen können. Kann das klappen?

Jeder Handyhersteller will, dass seine Kunden mit dem Kauf seiner Produkte etwas aus ihrer Sicht Gutes bewirken. Meist ist damit eine Steigerung des eigenen Umsatzes gemeint. Beim niederländischen Start-up Fairphone klingt das anders. Seine Geräte seien "für Menschen gedacht, die mit ihrem Kauf etwas Positives bewirken wollen", heißt es vollmundig von der Firma.

Nachdem die kleine Firma 2013 ihr erstes Produkt, das Fairphone, auf den Markt gebracht hat, folgt jetzt das Fairphone 2, das ich für einige Wochen testen konnte. Genau wie das erste Modell soll es möglichst fair produziert werden, aus Rohstoffen, die konfliktfrei und beispielsweise ohne Kinderarbeit gewonnen werden.

Konkret bedeutet das, dass Fairphone beispielsweise mit TAOS, einer chinesischen Organisation, die sich um soziale Standards und Arbeitssicherheit kümmert, vor Produktionsbeginn die Arbeitsbedingungen im Herstellerwerk in China überprüft hat.

Derzeit arbeitet man mit der Wolfram Bergbau und Hütten AG daran, Wolfram auf sozial verträgliche Weise in Ruanda zu fördern. Das seltene Metall gilt als Finanzierungsquelle bewaffneter Gruppen in der Demokratischen Republik Kongo, wird deshalb von den USA als Konfliktmineral bezeichnet.

Noch lange nicht fair

Auch mit dem zweiten Modell stehe man also noch ganz am Anfang, gibt das Unternehmen unumwunden zu. Das Fairphone sei noch weit davon entfernt, wirklich fair produziert zu werden. Aber es sei ein Beginn und "mit Sicherheit fairer" als vergleichbare Produkte.

Für den Anwender bedeutet das nicht nur ein besseres Gewissen, sondern auch ein leichteres Portemonnaie. 520 Euro plus Versandkosten kostet ein Fairphone 2, ist damit teurer als ein vergleichbar ausgestattetes Galaxy S6 von Samsung.

Gut geschützt - und ein bisschen dick

Nach dem Auspacken staune ich erst mal über das gelungene, recht schlanke Design. Die Begeisterung hält allerdings nur wenige Sekunden an, bis ich bemerke, dass im Karton nur der Rumpf des Handys liegt. Der dicke Rückendeckel wird separat geliefert, umschließt Rückseite und Seiten so, dass er den Bildschirm um einen Hauch überragt.

Das hat Vorteile: Der Bildschirm wird so zusätzlich bei Stürzen geschützt, das ganze Gerät wirkt sehr robust. Man könnte aber auch sagen: klobig. Elegant jedenfalls ist das nicht. Auch weil die Farben der derzeit lieferbaren Rückendeckel eher billig wirken.

Selbst machen

Was das Fairphone 2 für den Anwender zu etwas ganz Besonderem macht, entdecke ich, als ich den klobigen Deckel wieder abnehme. Indem ich zwei kleine Verriegelungen an der Unterseite nach außen schiebe und dann das Display ein wenig nach oben drücke, trenne ich die Bildschirmeinheit vom Rest des Handys (siehe Bilderstrecke).

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Das ist clever. Kein Bauteil geht bei Smartphones so häufig kaputt wie der Bildschirm. Bei Apple kostet der Austausch des Displays aktueller iPhones zwischen 127 und 167 Euro. Bei Samsungs Galaxy S6 Edge sollen gar 225 Euro fällig werden. Beim Fairphone 2 kann man den Bildschirm einfach selbst austauschen, ganz ohne Werkzeug. Das Ersatzteil kostet 85 Euro plus Versandkosten.

Mit einem kleinen Schraubendreher bewaffnet, lassen sich auch andere Module des Handys, beispielsweise die Kamera, schnell und leicht ersetzen. Nur das Grundmodul, in dem Prozessor und Speicher stecken, gibt es nicht als Ersatzteil. Schade, sonst könnte man womöglich auf leistungsfähigere Hardware aufrüsten.

Etwas schwach auf der Brust

Dabei könnte sich gerade das beim Fairphone 2 lohnen. Denn leistungsmäßig bietet das Handy gerade mal Mittelmaß. Messprogramme attestieren ihm etwa halb so viel Performance wie aktuellen High-End-Modellen. Damit liegt es etwa gleich auf mit dem HTC One M8, das Ende 2014 eingeführt wurde. Dazu passt, dass es noch mit dem mittlerweile veralteten Android 5.1 ausgeliefert wird und die Hauptkamera nur eine 8-Megapixel-Auflösung hat.

Auf der Habenseite kann das Gerät für sich verbuchen, dass es mit LTE und Gigabit-WLAN schnelle Netzwerktechnologien beherrscht. Für manchen Käufer mag auch wichtig sein, dass man zwei Sim-Karten einschieben kann. Also etwa eine private und eine geschäftliche oder eine fürs Inland und eine für Auslandsreisen.

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Fazit

Das Fairphone 2 ist ein tolles Projekt. Es zeigt, was möglich ist, sowohl hinsichtlich fairer Produktion und Rohstoffförderung als auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit technischer Produkte. Trotzdem wird es ein Liebhaberprodukt bleiben. Zu sehr hinkt die Leistung aktuellen High-End-Geräten hinterher, zu hoch ist der Aufpreis. Da werden viele Käufer doch lieber zu den billigeren Modellen der Konzerne greifen.

Dennoch ist das Fairphone 2 wichtig und richtig und könnte Firmen wie Samsung, Apple und Huawei als Vorbild dienen. Wenigstens, was die ökologischen und ethischen Aspekte angeht.

Technische Daten

Hersteller Fairphone
Modell Fairphone 2
Maße (mm) 143 x 73 x 11
Gewicht (g) 148
Sprechzeit k.A.
Standby k.A.
Bildschirmgröße 5 Zoll
Bildschirmauflösung 1920 x 1080
Prozessor 2,26 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 2 GB
Massenspeicher 32 GB
Speichererweiterung microSD
Kamera (hinten/vorne) 8 Mpx/2 Mpx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 b/g/n/ac
Bluetooth 4.0
Betriebssystem Android 5.1
Besonderheiten Modulare Bauweise
Preis 520 Euro
Alle Daten sind Herstellerangaben
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