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Fairphone: Das freundliche Android-Handy

Foto: Kirsten Rulf

Fairphone An diesem Smartphone soll man schrauben

Bisher wurde über das erste weitgehend fair hergestellte Smartphone nur geredet, jetzt konnte man es erstmals anfassen. Bei der Fairphone-Präsentation in London war Mitmachen angesagt. Die nötigen Schraubenzieher brachte der Hersteller mit.
Von Kirsten Rulf

Die Selbstdarstellung könnte unterschiedlicher nicht sein: Vor gut zwei Wochen präsentierte Apple seine neuen iPhone-Modelle. Wie immer gab es im Vorfeld viel Geheimniskrämerei, viele Gerüchte - und nach der Veranstaltung den üblichen Medienrummel. Beim Fairphone war alles ganz anders. Statt Journalisten in ein schickes Auditorium zu laden, baten die Fairphone-Macher um den Holländer Bas van Abel ihre künftigen Kunden in einen mit Tapeziertischen möblierten Pop-Up-Store in Londons Vergnügungsviertel Soho.

Dort, zwischen einem Lack- und Ledershop und einem Zeitungskiosk, sollten jene, die Interesse an dem fair produzierten Handy haben, schon mal einen Blick darauf werfen können. Denn kaufen kann man das Fairphone noch nicht, nur vorbestellen. Erst im Dezember sollen fertige Geräte ausgeliefert werden.

Ungewöhnlich war auch, wie die Mitarbeiter des Projekts ihr Smartphone zeigten, nämlich nicht von einer Bühne herab. Sondern sie setzten sich mit ihren Kunden an einen Tisch, servierten ihnen stilles Wasser und Schraubenzieher.

Ein Smartphone für Schrauber

Denn Offenheit ist beim Fairphone Programm, auch was die Innereien des Geräts angeht. Viele Details über das erste Smartphone, das aus fair gehandelten Rohstoffen von fair bezahlten Arbeitern in China hergestellt werden soll, waren längst bekannt. Doch die Gäste in London durften eben auch selbst daran herumschrauben.

Mit dem bereitgestellten Werkzeug sollten sie das Smartphone komplett zerlegen und wieder zusammenbauen. Die Bastelstunde sollte zeigen, dass das Handy im Notfall keine teure Werkstatt braucht, sondern vom Anwender am eigenen Küchentisch und zum Preis des jeweiligen Ersatzteils in Eigenregie repariert werden kann.

Kabel werden nicht mitgeliefert

Trotzdem sieht das Handy nicht nach einem Bastelprojekt aus. Mit seiner metallisch glänzenden Rückwand und den abgerundeten Kanten wirkt es eher wie eine Mischung aus einem Galaxy S3 und einem iPhone 5. Mit etwas Abstand kann man das Fairphone auf den ersten Blick durchaus mit dem Apple-Handy verwechseln.

Das mit 4,3 Zoll nicht besonders große Display zeigt 960 x 540 Pixel an, kommt damit auf eine Pixeldichte von 256 Punkten pro Zoll. Nach außen öffnete sich der in London gezeigte Prototyp mit einer Headset-Buchse und einem USB-Anschluss. Natürlich sind GPS, Bluetooth und ein W-Lan-Modul an Bord, aber unterwegs muss man sich mit HSPA begnügen. Der schnelle LTE-Datenfunk fehlt ebenso wie NFC. Weder ein Headset noch ein Ladekabel werden mitgeliefert. Die Macher gehen davon aus, dass die Nutzer solches Zubehör meist schon besitzen und sie - im Sinne der Nachhaltigkeit - recyclen.

Ruhe auf Knopfdruck

Als Betriebssystem dient dem Fairphone Googles Android 4.2. Später sollen sich Nutzer alternative Betriebssysteme wie Firefox OS oder Ubuntu aufspielen können. Doch schon jetzt haben die Fairphone-Programmierer Android um ein paar Funktionen erweitert. So wird der Bildschirm automatisch dunkler, wenn der Akku schwächer wird. Außerdem gibt es die sogenannte "At peace with your phone"-Funktion: Per Knopfdruck kann man SMS oder Push-Nachrichten von Apps vorübergehend blockieren, um nicht gestört zu werden.

Außerdem bietet das Fairphone Platz für zwei Sim-Karten. In Europa werden solche Handys gerade erst populär, in Asien sind sie längst üblich. Dort wird häufig ein Slot für eine private, der andere für die geschäftlich genutzte Sim-Karte verwendet. Selbst wenn es in Europa nur mit einer Sim genutzt wird, so der Gedanke, könnte es nach seiner normalen Lebensdauer noch als Dual-Sim-fähiges Recycling-Handy in den Entwicklungsländern Südostasiens und Afrikas genutzt werden.

Den Leuten die Hoheit über ihr Smartphone zurückgeben

325 Euro kostet ein Fairphone. "Ich hätte nicht gedacht, dass man ein Handy mit diesen Funktionen, mit fair produzierten Bauteilen und fairen Löhnen zu diesem Preis bauen kann", sagt Kunde Matt Dexter, der für die Präsentation extra mehrere Stunden aus Sheffield angereist ist. Dass die Technik nicht Oberklasse ist, stört ihn nicht: "Vielleicht ist die Kamera nicht die beste auf dem Markt, aber das Handy sieht nicht nach Öko aus, sondern ist edel und schnell und bietet mir dank Android viele Freiheiten."

Man wolle ja auch gar nicht mit der Oberklasse mithalten oder technisch Neues bieten, betont Fairphone-Chef Bas van Abel. Seine Kundschaft sieht er nicht in den Early-Adopters, die immer das Neueste haben wollen, sondern in denen, die pragmatisch nach einem Handy suchen, das beispielsweise durch offene Software noch verbessert werden kann. Die beim Fairphone immer wieder beschworene Offenheit gehört dazu den Kernkompetenzen: "Wir wollen den Leuten die Hoheit über ihr Smartphone wieder zurückgeben."