Neues iOS Apple-Nutzer erbost über Mängel in Maps-Funktion

Im neuen iOS gibt es erstmals eine Apple-eigene Kartenanwendung. Sie basiert auf eingekauftem Kartenmaterial. Die neuen Apple Maps strotzen offenbar vor Fehlern. Städte sind verschwunden, Häuser als Flughäfen ausgezeichnet - und die Freiheitsstatue ist weg.
iOS 6 Maps: Brandenburger Tor in "Schöneiche bei Berlin"?

iOS 6 Maps: Brandenburger Tor in "Schöneiche bei Berlin"?

Foto: SPIEGEL ONLINE

Hamburg - Die Tech-Fachpresse spart nicht mit Hohn. "Apples 3D-Karten sind eine apokalyptische Horrorshow" titelt etwa das US-Blog "Gizmodo".  "Forbes"  formulierte schlicht "Der Google-Maps-Krieg mit Apple ist vorüber - Google hat gewonnen". Apple hatte sich in seiner neuen Betriebssystem-Version iOS6 von der Google-Maps-Anwendung verabschiedet und stattdessen die eigene, höchst umstrittene Anwendung fest installiert.

Die "Irish Times" freut sich , dass Apple Dublin einen neuen Flugplatz ("Airfield") verschafft hat. Das Problem: Es gibt im irischen Dundrum zwar einen Platz namens "Airfield", aber der ist kein Flugplatz. Trotzdem erscheint auf Apples iOS-Karte an dieser Stelle ein Flughafensymbol, ein kleines Flugzeug-Piktogramm. Irlands Justizminister Alan Shatter ätzte laut "Irish Times", im Zusammenhang mit Airfield sei eine ganze Reihe von alternativen Bildern denkbar, "etwa eine Kuh, eine Ziege, ein Schaf, eine Blume oder einfach irgendeine Pflanze, da es in Airfield eine Gärtnerei gibt". Einzig "ein Flugzeug ist ein absolut unangemessener Gedankenflug", so Shatter.

Auch in Deutschland findet man in Apples Kartendienst interessante Änderungen. Das Brandenburger Tor in Berlin ist zwar als Sehenswürdigkeit markiert, ruft man jedoch die zusätzlichen Informationen in der Kartenansicht auf, steht da als Adresse: "Unter den Linden, 10117 Schöneiche bei Berlin".

Einige Nutzer sind zudem unzufrieden, weil Apples Kartenprogramm bei bestimmten Zoomstufen sehr wichtige Sehenswürdigkeiten nicht mehr anzeigt. So wird zum Beispiel in Köln bei einem hohen Maßstab den Dom nicht mehr als Sehenswürdigkeit dargestellt, zoomt man heran, erscheint das Wahrzeichen aber auch auf den Apple-Karten. Einige Nutzer des neuen Dienstes hatten zwischenzeitlich erbost vermerkt, Apple habe den Dom ganz zum Verschwinden gebracht.

Manchester United oder Kinder ab fünf Jahren?

Viele Nutzer beschweren sich auch darüber, dass sie die Navigationsfunktion des Kartendienstes massiv in die Irre geführt habe. "Es wollte mich zehn Meilen in die falsche Richtung schicken", twitterte  ein Nutzer. Selbst eigentlich glühende Apple-Fans meckern über die Kartenfunktion. Und der Gadget-Guru des "Wall Street Journal", Walt Mossberg, nannte die neuen Maps "den größten Nachteil" von iOS6.

Der BBC zufolge  sind auch in Großbritannien gravierende Fehler zu verzeichnen. Uckfield in East Sussex sei am falschen Ort eingezeichnet, eine Suche nach dem Fußballclub Manchester United führe den Nutzer stattdessen zu einem Gemeinde-Verein mit einer Mannschaft für Kinder ab fünf.

Verschwunden ist in dem Kartendienst auf den ersten Blick auch die Freiheitsstatue in New York. Ihren Schatten sieht man in der 3-D-Ansicht zwar, die Statue selbst ist aber eben doch nur in 2D dargestellt - sie ist deshalb nur als grünlicher Fleck am Boden zu erkennen.

Mittlerweile gibt es auch schon ein Tumblr-Blog , das Fehler und kuriose Ansichten aus Apples Kartendienst sammelt. Unter anderem im Angebot: Sucht man nach Stratford-upon-Avon, zeigt Apples Kartendienst den Stadtteil Shottery, der am Westrand der Stadt liegt.

Ein Sprecher von TomTom, dem Unternehmen, von dem ein großer Teil von Apples Kartenmaterial stammt, gab sich gegenüber der BBC schmallippig. Die eigenen Karten bildeten nur "die Grundlage" des Dienstes, "die Nutzererfahrung hängt völlig davon ab, welche Entscheidungen die Hersteller treffen". Man sei von den eigenen Karten weiterhin überzeugt.

Nutzen Sie schon iOS 6? Haben Sie auch schon Erfahrungen mit der neuen Kartenanwendung gemacht? Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Erfahrungen schildern oder, noch besser, einen Screenshot schicken (mit dem Vermerk, dass wir ihn für die Berichterstattung einmalig honorarfrei verwenden dürfen). An diese Adresse: spon_netzwelt_upload@spiegel.de 

cis/lis