Sicherheitskonferenz Forscher laden Schadsoftware per Netzteil aufs iPhone

Ladekabel rein, Malware drauf: Auf einer Sicherheitskonferenz haben US-Forscher demonstriert, wie sich Malware auf Apple-Handys schleusen lässt. Ihr Trick ist vergleichsweise leicht nachzumachen - so lange die genutzte Sicherheitslücke noch offensteht.

iPhone-Netzteilstecker: Potentielles Einfallstor für Hackerangriffe
Matthias Kremp

iPhone-Netzteilstecker: Potentielles Einfallstor für Hackerangriffe

Aus Las Vegas berichtet


Das iPhone erwacht zum Leben, gibt selbst den Code ein, um den Bildschirm zu entsperren. Dann wählt es eine Telefonnummer. Als das angerufene Telefon klingelt, gibt es viel Applaus: Das iPhone ist gehackt. Drei Sicherheitsforscher haben auf der IT-Konferenz Black Hat in Las Vegas gezeigt, wie sie selbstgeschriebene Programme auf ein iPhone einschleusen können - unbemerkt vom Nutzer, mit einem Ladekabel, an dessen anderem Ende ein kleiner Computer hängt.

Mactans nennen Billy Lau, Yeongjin Jang und Chengyu Song den Angriff, den sie bereits im Juni angekündigt hatten. Die einzige Voraussetzung für den Trick: Das Handy muss entsperrt sein. Das aber, so sagen die Forscher, würde der Anwender sowieso regelmäßig tun, etwa, um die Uhrzeit abzulesen, den Wetterbericht einzusehen oder nach neuen Nachrichten zu schauen.

Diesen Augenblick nutzen die Forscher, um mit einem Mini-Computer, den sie in das Netzteil eingebaut haben, eine Verbindung zum iPhone herzustellen. Für das iPhone ist das ein normales Verhalten: Sobald es an seinem Verbindungskabel einen Computer entdeckt, macht es sich verbindungsbereit. Nur würde man in einem Netzteil normalerweise keinen Computer erwarten.

Der Computer muss kleiner werden

Ist die Verbindung hergestellt, lesen die Angreifer die eindeutige Kennung des Telefons, die sogenannte UDID (Unique Device Identifier), aus. Als registrierte Apple-Entwickler können sie das Handy mit diesem Code als Entwicklermaschine registrieren und es so präparieren, dass darauf Apps ohne vorherige Prüfung und ohne Umweg über den Apple Store installiert werden können. Zudem kann eine auf diese Weise eingeschleuste App so programmiert werden, dass sie auf interne Funktionen des iOS-Betriebssystems zugreifen kann, was Apple sonst nicht durchgehen lassen würde.

Der gesamte Vorgang ist automatisiert und wird von dem Linux-PC im Netzteil in weniger als einer Minute abgearbeitet. Für ihre Präsentation nutzen die Forscher einen BeagleBoard-PC, einen etwa handflächengroßen Linuxrechner, den man auf keinen Fall in einem Handy-Netzteil unterbringen könnte. Die Technik ließe sich aber mit ein wenig Aufwand weiter verkleinern, im Prinzip soll sie auf einen Fingernagel passen.

Nein sagen, wenn das Netzteil kommunizieren will

Lau und seine Kollegen erklärten außerdem, wie man Apps bauen könnte, die nicht wie im iOS üblich nach zehn Minuten im Hintergrund vom Betriebssystem geschlossen werden, sondern immer aktiv bleiben. So konnten sie nach eigenen Angaben aus einer App, die im Hintergrund läuft, Screenshots machen. Das sei praktisch, weil bei der Passworteingabe unter iOS das zuletzt eingetippte Zeichen kurz im Klartext sichtbar sei, so die Forscher des Georgia Institute of Technology. Mit einer Reihe von Screenshots könnte man also Passwörter ausspähen.

In einem Video zeigten sie, wie sie auf einem iPhone die Facebook-App durch ihre eigene ersetzen. Der Nutzer merkt davon so gut wie nichts: Startet Facebook, öffnet sich zunächst eine leere Seite, dann erst Facebook - auch hier jubelt das Publikum. Apple hat Entwicklern eine Hintertür in das ansonsten streng bewachte iOS-Reich offengelassen.

Einen Sicherheitstipp der Forscher hat Apple bereits befolgt: Mit der kommenden iOS-Version 7, die im Herbst erscheinen soll, fragt das Telefon, bevor es eine Verbindung zu einem neuen Gerät herstellt. Wenn also ein manipuliertes Netzteil Zugriff zu dem Gerät verlangt, kann man den Verbindungsaufbau unterbinden. Ob auch für die aktuelle iOS-Version 6 ein Update geplant ist, hat Apple bisher nicht bekanntgegeben.

Mehr zum Thema


insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kitu 02.08.2013
1. Oh mein Gott
Zitat von sysopMatthias Kremp Ladekabel rein, Malware drauf: Auf einer Sicherheitskonferenz haben US-Forscher demonstriert, wie sich Malware auf Apple-Handys schleusen lässt. Ihr Trick ist vergleichsweise leicht nachzumachen - so lange die genutzte Sicherheitslücke noch offensteht. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/forscher-laden-schadsoftware-per-netzteil-aufs-iphone-a-914444.html
"unbemerkt vom Nutzer, mit einem Ladekabel, an dessen anderem Ende ein kleiner Computer hängt" Ist ja kinderleicht. Wie sollte ich es auch merken, wenn jemand fremdes ein Ladekabel an mein Telefon stöpselt. Noch dazu mit einem fremden Computer dran. Faszinierend. Und so erschreckend plausibel, einfach und wirklichkeitsnah. Es gibt sie also noch. Die echten Nerds, welche nur zufällig die gleiche Luft atmen wie ich, ansonsten aber wohl ganz alleine sind in ihrer eigenen Welt. Ganz alleine!
Steve111 02.08.2013
2. Einspruch !
Man muss das iPhone nicht entsperren, um die Uhrzeit abzulesen. Außerdem ist es doch ziemlich realitätsfern,allen Ernstes anzunehmen, dass ein iPhone User nichts sagt, wenn jemand Fremdes mit einem Ladekabel daherkommt, und am Gerät rumfummelt....
Anathos 02.08.2013
3.
Zitat von sysopMatthias Kremp Ladekabel rein, Malware drauf: Auf einer Sicherheitskonferenz haben US-Forscher demonstriert, wie sich Malware auf Apple-Handys schleusen lässt. Ihr Trick ist vergleichsweise leicht nachzumachen - so lange die genutzte Sicherheitslücke noch offensteht. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/forscher-laden-schadsoftware-per-netzteil-aufs-iphone-a-914444.html
Da wäre es mal interessant zu wissen, wieviel % der iOS Nutzer ihre Geräte an Fremden Netzteilen aufladen, nur um mal die tatsächliche Gefährdung einschätzen zu können. Ich denke die reale Gefahr ist hier nahe Null da die meisten zu Hause oder zumindest mit den eigenen Netzteilen aufladen und es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass jemand einbricht um das Netzteil zu tauschen. Ist vllt eine nette Spielerei für eine Fachmesse wie die Black Hat aber in der Realität wohl kaum eine echte Gefährdung...
swnf 02.08.2013
4. Unbemerkt
Naja, das "unbemerkt" bezieht sich hier wohl eher weniger auf irgendwelche Fremden, die ein manipuliertes Ladegerät an das Telefon stöpseln müssten ...also eher gesagt einen Computer mit dem (in diesem Fall) Datenkabel, da das Kabel ja (wie bei USB) nicht nur zum Laden da ist..., sondern auf so Fälle, wie z.B. öffentliche Ladestationen, wo man nur das Kabel sieht, aber nicht das Netzteil, wie sie z.B. in Flughäfen (Dubai usw.) vorkommen - da sollte man jetzt vorsichtig sein und nicht gleichzeitig Laden und Surfen oder Mails checken oder ähnliches...
olaf_olafson 02.08.2013
5. Erstens das
Zitat von Steve111Man muss das iPhone nicht entsperren, um die Uhrzeit abzulesen. Außerdem ist es doch ziemlich realitätsfern,allen Ernstes anzunehmen, dass ein iPhone User nichts sagt, wenn jemand Fremdes mit einem Ladekabel daherkommt, und am Gerät rumfummelt....
Zweitens ist es bei Original-Netzteilen ausgeschlossen, und nur solche nutze ich und auch meine Bekannten. Man bekommt ja auch bei jedem Gerät eines dazu. Und drittens ist die Lücke in der aktuellen iOS 7 Beta schon geschlossen, also schon bald für über 90% der iPhone-Nutzer. Ca. 95% nutzen zur Zeit iOS 6 und alle diese Leute können auch kostenlos nächsten Monat auf iOS 7 updaten. Viel Lärm um nichts.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.