Foto-Tipps Erkunden geht nur im Hellen

Manche Fotos erzählen spannende Geschichten. Frustrierend ist es aber, wenn zu dunkle Flächen den Betrachter ablenken. Etwas Nachbearbeitung kann helfen.

Von "fokussiert"-Autor


Farmacia Ruiz Lopez in Cordoba: Nikon D80 , 1/125s bei Blende f/5.6 mit 38mm Brennweite und ISO 160
Frank Braad/ fokussiert.com

Farmacia Ruiz Lopez in Cordoba: Nikon D80 , 1/125s bei Blende f/5.6 mit 38mm Brennweite und ISO 160

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Bei der fokussiert.com-Bildkritik werden Fotos besprochen, die von Hobbyfotografen eingeschickt wurden. Die Besprechungen liefern Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung.

Sie wollen, dass Ihr Foto besprochen wird? Dann reichen Sie es hier ein.

Frank Braad aus Aalten (Niederlande) schreibt zu diesem Bild: "Die geometrischen Formen dieser Apothekenfassade bekommen durch die beobachtende Figur einen zusätzlichen Akzent."

Die "fokussiert"-Bildkritik:

Ich mag Fotografien, die Geschichten erzählen. Und seien sie noch so kurz. In dieser Farbfotografie sehen wir einen Teil der Fassade eines Gebäudes mit einem Wandmosaik oder Gemälde und einer offen stehenden Türe. Rechts davon steht eine Person vor einem Informationskasten an der Hauswand und dreht den Kopf leicht nach links, sodass sie in den Raum hineinschaut.

Das Wandgemälde und die Verzierung über der Türe, wie auch die Beschriftung des Informationskastens zeigen, dass es sich um eine Botica - eine Apotheke - handelt. Das Wandgemälde lässt noch dazu starke maurische Einflüsse erkennen.

Was die Fototechnik betrifft, ist an dem Bild zunächst alles in Ordnung. Obwohl das sehr dunkle Innere hinter der offenen Türe irritiert. Das Bild scheint zur besten Zeit am frühen Abend nach Sonnenuntergang aufgenommen worden zu sein, es fehlen harsche Schatten und Kontraste.

Was ist im dunklen Inneren der Apotheke?

Die Blickführung ist eindeutig: Zumindest in westlicher Kultur aufgewachsene Menschen werden sich zuerst mit dem Wandbild links beschäftigen, dann nach rechts über die beiden weiteren Schriftzüge über der Türe und im Infokasten nach Anhaltspunkten suchen und erst dann dem Blick der Person vor der Türe folgen - ins Innere des Raums.

Genau hier gerate ich ins Stocken: Der Fotograf hat die Türe leicht nach rechts versetzt ins Zentrum der Fotografie genommen, sie also sehr wichtig gemacht im Motiv. Dazu sehe ich aber zu wenig, was im Raum vorgeht. Und erst jetzt erkenne ich, dass gar nicht die Türe ins Bild komponiert, sondern das Wandbild in die linke obere Ecke des Bildausschnitts eingepasst worden ist. Das wirft Fragen auf.

Blickführung im Bild
Frank Braad/ fokussiert.com

Blickführung im Bild

Die Blickführung folgt in einem Trichter von groß nach klein von links nach rechts - das funktioniert ganz gut. Allerdings werde ich, nachdem ich mich von den reinen Flächen im Bild habe leiten lassen, beim Anschauen in die Details gehen. Dabei will ich relativ schnell wissen, was sich hinter der offenen Türe im Raum noch verbirgt: Was ist das für eine Apotheke? Wieso sieht der Eingang mehr wie ein Kiosk aus? Jetzt aber behindert mich der geringe Ausleuchtungsgrad des Innenraums.

Neben dieser technischen Hürde stört mich an der Komposition just das Einpassen in das linke obere Eck des Bildausschnitts. Ich habe deshalb zu diesem Bild, das mir sehr gefällt und mich lange beschäftigt, zwei Vorschläge.

HDR macht Dunkles wieder hell

Erstens hätte ich hier versucht, eine HDR-Aufnahme mit zwei Belichtungsebenen zu machen: Eine für die Außenwelt und eine für den Innenraum der Apotheke. Ich bin kein Freund der übermäßigen Anwendung von High Dynamic Range (HDR), und es wird meiner Ansicht nach vor allem häufig am völlig falschen Objekt eingesetzt. Hier aber wäre eine moderate Angleichung der Kontraste innen und außen sinnvoll. Diese beiden Bilder hätte ich in Photoshop zusammengesetzt.

Eine einfachere, allerdings nicht sehr starke Variante, ist der Einsatz von Active-D-Lighting bei Nikon. Das ist eine Art interner Ausgleich von zu großen Kontrasten (wirkt aber nur auf JPG, nicht auf RAW) oder das nachträgliche D-Lighting, ebenfalls in der Kamera auf Bilder anwendbar.

Neuere Kompaktkameras haben teilweise schon eine eingebaute HDR-funktion. Meine kleine Sony RX-100 3 beispielsweise schießt im HDR-Modus drei Bilder mit verschiedenen Belichtungsdaten und rechnet sie ineinander. Das klappt nicht immer gleich gut, aber es bringt schon ganz respektable Resultate.

Fotografie mit aufgehelltem Innenraum der Apotheke

Mein zweiter Tipp wäre, die Komposition nicht an den Rändern des Bildausschnitts anzulehnen. Natürlich ergibt es Sinn, Linien in der Architektur für die Ausrichtung der Kamera zu nutzen und Verkippungen zu vermeiden. Sie sollten aber in der endgültigen Komposition nicht aufdringlich entlang der Ausschnittsränder verlaufen und vor allem nicht dermaßen geometrisch ums Eck wie hier oben links - das wirkt nicht natürlich, und es entsteht ein Gefühl der Einengung, wie in einem Setzkasten.



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
jierdan 11.09.2016
1.
ich kann die Einschätzung des Autors nicht nachvollziehen. Durch das aufhellen des Eingangs wird das Bild banal. Es verliert die Aufforderung, diesen Ort zu suchen und persönlich zu erkunden.
sotraluz 11.09.2016
2. Weniger wäre mehr gewesen.
Mich stört an dem Bild eher, dass sowohl das Fliesenmotiv links angeschnitten ist, als auch die Tür und die Beine. Die HDR Bearbeitung im Harry-Potter-Style finde ich übertrieben und unnatürlich, sie zerstört die Stimmung völlig. Eine dezente Aufhellung der dunklen Partien des Innenraums hätte völlig gereicht.
sporthorst 12.09.2016
3. Bild bitte richtig ansehen
mal draufklicken und ganz ansehen. Da ist nix abgeschnitten. Richtig ist aber das die Aufhellung drinnen viel zu stark ist. generell gefällt mir das Bild auch gar nicht.
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