Ausleuchtung von Porträtfotos Schöne Schatten

Für gutes Porträtlicht reicht schon eine einzige Leuchte. Um damit weiche Schatten zu erzeugen, braucht man einen großen Blitzschirm. Und der muss nicht mal teuer sein.
Von "Docma"-Chefredakteur Christoph Künne
Das Originalfoto: Winzig klein ist in der Iris ein Spiegelbild des Fotografen zu erkennen

Das Originalfoto: Winzig klein ist in der Iris ein Spiegelbild des Fotografen zu erkennen

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DOCMA 95
Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung
Ausgabe 4/2020

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Das Licht-Setup

Fangen wir mit dem Studio an, denn hier gibt es die ersten Besonderheiten: Eine Grundfläche von vier mal vier Metern reicht in der Regel für dieses Setting aus. Bei unserem Beispiel brauchen wir jedoch eine Raumhöhe von 360 Zentimetern, damit die Lampe wie benötigt positioniert werden kann.

Zum Einsatz kommt hier ein Studioblitz mit 500 Wattsekunden. Er wird auf Stufe 7/10 eingestellt und ist 120 Zentimeter vom Model entfernt. Die Vollformatkamera mit 35-Millimeter-Objektiv dagegen nur rund 60 Zentimeter. Wenn mehr Licht auf den Hintergrund fallen darf, könnte man rund einen Meter Raumtiefe einsparen. So steht das Model 170 Zentimeter vom schwarzen Rollkarton entfernt.

Hauptlicht: 500 Ws-Studioblitz Leistung: 7/10 mit 180cm-Reflektorschirm in 120 cm Entfernung zum Model Kamera: Vollformat mit 35-Millimeter-Objektiv bei Blende f/7.1 und 60cm Entfernung zum Model

Hauptlicht: 500 Ws-Studioblitz Leistung: 7/10 mit 180cm-Reflektorschirm in 120 cm Entfernung zum Model

Kamera: Vollformat mit 35-Millimeter-Objektiv bei Blende f/7.1 und 60cm Entfernung zum Model

Foto: DOCMA

Augenlichter

Zweck der so hoch platzierten Lampe ist die „Catchlight“ genannte Reflexion in den Augen. Im Originalfoto, oben in diesem Artikel, erkennen wir in der Irisspiegelung den Fotografen. In der folgenden Simulation ist er nicht zu sehen, weil hier die Lampe weiter oben positioniert ist.

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Die Gefahr, die entsteht, wenn man die Lampe zu weit unten oder direkt hinter dem Fotografen aufstellt, sehen Sie in der Abbildung unten. Hier ist nicht nur die ganze Studioszenerie zu sehen, sondern die Augen sind auch stark aufgehellt. Das allein kann beim gleichen Gesicht zu einem leicht manischen Ausdruck führen. Aus diesem Grund gilt: Catchlights gehören an den oberen Rand des Auges. Am neutralsten wirken sie auf Positionen zwischen 10 und 2 Uhr.

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Variationen

Machen Sie jetzt bitte nicht den Fehler, zu denken: So ein Licht geht nur mit einem 180-Zentimeter-Schirm. Er ist lediglich eine einfache Möglichkeit, dieses Licht zu erzeugen. Wenn Sie die Leuchte ganz nah am Model platzieren und die Leistung entsprechend weit absenken, bekommen Sie mit einem kleineren Schirm ähnlich weiche Schattenverläufe. Was zählt, ist also nicht die absolute Schirmgröße, sondern das Flächenverhältnis von Model und Leuchtfläche.

Im Bild links haben wir in einer 3D-Software bei gleicher Entfernung einen weißen 105-Zentimeter-Schirm simuliert. Der Unterschied ist gut erkennbar: Die viel kräftigeren Schatten modulieren das Bild plastischer als bei der rechts zu sehenden Variante mit 180-Zentimeter-Schirm den oberen Rand des Auges. Am neutralsten wirken sie auf Positionen zwischen 10 und 2 Uhr.

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