Missglücktes Frauenporträt Das geht besser

Diesem Porträt fehle es an so ziemlich allem, urteilt die Bildkritikerin. Sie rät dem Fotografen zu einer drastischen Maßnahme.
Von Sofie Dittmann
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Bildkritiken auf Fokussiert.com Bei der fokussiert.com-Bildkritik  werden Fotos besprochen, die von Hobbyfotografen eingeschickt wurden. Die Besprechungen liefern Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung.

Sie wollen, dass Ihr Foto besprochen wird? Dann reichen Sie es hier ein. 

Foto: fokussiert.com

Christian Fehse aus Bramsche schreibt zu diesem Bild:

Das Foto ist aus Juni 2016. Ich würde es mal in der Kategorie "Beauty" verorten - allerdings versehen mit einem relativ rauen Look. Diese Art von Bildern kann man mögen oder nicht, aber darum geht es mir hier nicht. Fotografiert wurde dieses Porträt draußen bei natürlichem, leichtem Gegenlicht und mit langer Brennweite, um einen weichen Eindruck zu erreichen. Das Negativ ist leicht unterbelichtet und für meinen Geschmack zu grün geworden (wahrscheinlich dem 1998 abgelaufenen Film geschuldet). Mein Problem ist jetzt: Irgendwas fehlt und ich weiß nicht was. Deswegen reiche ich es ein, dass es mal so richtig auseinandergenommen wird.“

Die "fokussiert"-Bildkritik:

Wir sind bei "fokussiert" grundsätzlich bemüht, alle Fotos positiv zu besprechen, denn nur durch konstruktive Kritik kann der Fotograf diese annehmen und etwas von dem Geschriebenen für sich verwenden. Hier ist mir das, kurz gesagt, leider etwas schwer gefallen; doch schreibst Du, es solle richtig auseinandergenommen werden, und das werde ich denn auch tun.

Es geht nicht so sehr darum, dass ich Beauty nicht selbst fotografiere, und ob mir der Stil gefällt. Egal, ob man das Foto so einstuft, oder als "normales" Porträt, es hat für mich erhebliche Mängel, und ich würde das Shooting wiederholen. Das Ergebnis hier wird weder Dir als Fotograf (ich kenne Deine anderen Arbeiten  und bin ein Fan) noch dem Modell gerecht.

Erst einmal zum technischen Aspekt: Du fotografierst mit Film, was ich super finde, und der "Grunge", den Du Deinen Fotos verleihst, ist deine persönliche Note. Der von Dir erwähnte Grünstich kam auf meinem Bildschirm nicht so zum Tragen. Was aber sofort auffällt, ist die merkwürdige Schärfentiefe, die das Foto hat. Gesicht und rechte Hand scheinen im Bild zu schweben, während der Rest in extremer Unschärfe verschwimmt:

Foto: fokussiert.com

Das Einzige, was wirklich scharf ist, ist ihr linkes Auge. Das kann man als Stilmittel sehen - für mich ist es eher das Ergebnis des Zusammenspiels von gewählter Blende und Brennweite. 250 Millimeter ist einfach bei der offenen Blende zu extrem, um eine Nahaufnahme anders hinzubekommen, insbesondere bei diesem Bildausschnitt.

Der Kopf der Frau befindet sich horizontal in der Bildmitte (hellblau), die Nase fast im Goldenen Schnitt (rosa), das rechte Auge im linken Drittel (grün). Fast könnte man meinen, da ist ja alles so platziert, wie es sein sollte.

Foto: fokussiert.com

Leider ist dem nicht so. Der Bildausschnitt ist so knapp gewählt, dass Du ihr praktisch überall etwas abgeschnitten hast, und sie insbesondere am linken Rand amputiert wirkt.

Hand und Gesicht könnten auch von jemand anderem in diese Aufnahme nachträglich digital hineinkopiert worden sein, man würde es kaum merken.

Das schwarze Top, zusammen mit der Brustfalte, mutet unten an wie eine Art extra Hand, die sich nach oben ausstreckt:

Foto: fokussiert.com

Ihre Pose war wahrscheinlich lasziv gemeint, doch durch die Positionierung der Kamera wird ihr Kopf kleiner, konkurriert visuell mit der Hand, und verzerrt dadurch den Eindruck von sexy, der wohl angestrebt war.

Bottom line: was auch immer Du mit diesem Foto bezweckt hast, ich würde es mit einem anderen Objektiv, anderen Einstellungen, einer anderen Pose etc. wiederholen. Das vorliegende Ergebnis ist, wie eingangs erwähnt, nicht nur für Dein Modell nicht schmeichelhaft, es wird auch dir nicht gerecht. Selbst als experimentelles Porträt genommen würde ich zu keinem anderen Schluss kommen.

Fehlen tut so gesehen also nichts - oder alles.

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