Ratgeber Sieben Tipps gegen typische Fotofallen

Langweilige Bildausschnitte, kippender Horizont, unruhiger Hintergrund: Wie man diese typischen Fotofallen vermeidet, verrät der Ratgeber "Der große Fotokurs". Hier sieben Tipps, die man sofort vor Ort umsetzen kann.
Von Jacqueline Esen
Gelbe Blüten, blauer Himmel: Zwei dominierende Farbtöne genügen

Gelbe Blüten, blauer Himmel: Zwei dominierende Farbtöne genügen

Foto: Jacqueline Esen

Regel 1: Aufs Wesentliche konzentrieren

Reduzieren Sie die Menge an Informationen, verringern Sie die Komplexität, auch wenn es schwerfällt. Mehr als zwei bis drei wichtige Bildelemente sollten es nicht sein. Was ist an diesem Motiv, in diesem Bildausschnitt am wichtigsten? Betonen Sie diesen Aspekt, indem Sie ihn innerhalb des Bildrahmens möglichst groß erscheinen lassen, und stellen Sie auf diesen Bereich scharf.

Obwohl dieses Foto eigentlich schon sehr konzentriert ist und nicht sehr viele Details enthält, ist der Bildausschnitt für die gewünschte Aussage nicht eng genug. Es ist immer noch zu viel drauf.

Nicht ganz perfekt: Der Ausschnitt ist zu groß, die Blesshühner kommen nicht zur Geltung

Nicht ganz perfekt: Der Ausschnitt ist zu groß, die Blesshühner kommen nicht zur Geltung

Foto: Jacqueline Esen

Der "Dialog" zwischen den beiden Blesshühnern kommt im enger beschnittenen Hochformat viel besser zum Ausdruck, ohne dass die Wasserbarriere an Wirkung verliert. Wenn die Brennweite nicht ausreicht, um das Bild vor Ort mit dem gewünschten Ausschnitt zu fotografieren, hilft zur Not die spätere Ausschnittvergrößerung. Je mehr Pixel (Auflösung) die Kamera in so einem Fall liefert, desto besser.

Besser: Mit diesem Ausschnitt hat das Bild eine klare Aussage

Besser: Mit diesem Ausschnitt hat das Bild eine klare Aussage

Foto: Jacqueline Esen

Regel 2: Störende Bildelemente ausblenden

Was befindet sich alles innerhalb des Bildrahmens? Achten Sie nicht nur auf Ihr Hauptmotiv, sondern auch auf alles, was sich dahinter und daneben abspielt. Personen, die durch eine Szene laufen, können genauso stören wie ein Lichtschalter an der Wand oder eine Flasche auf dem Tisch. Warten Sie, bis Passanten verschwunden oder verdeckt sind, entfernen Sie störende Objekte, oder wechseln Sie die Perspektive. Oft genügt schon ein halber Schritt, und das Problem ist beseitigt. Versuchen Sie, Ihr Motiv vor einem möglichst ruhigen Hintergrund zu fotografieren.

Unruhiges Motiv, unruhiger Hintergrund, störende Bildelemente. Achten Sie beim Fotografieren nicht nur auf das Hauptmotiv, sondern auch auf den Hintergrund!

Zu unruhig: Der Hintergrund stört, das eigentliche Motiv geht so unter

Zu unruhig: Der Hintergrund stört, das eigentliche Motiv geht so unter

Foto: Jacqueline Esen

50 mm (Cropfaktor 1,5) | 1/160 sek | f/8 | ISO 100

Aus einem spitzen Winkel fotografiert, bekommt das Motiv mehr Prägnanz. Die Telebrennweite verengt den Bildwinkel, Abblenden auf f/11 sorgt für mehr Schärfentiefe.

Prägnant: Die Telebrennweite verengt den Bildwinkel, so wird das Motiv prägnanter

Prägnant: Die Telebrennweite verengt den Bildwinkel, so wird das Motiv prägnanter

Foto: Jacqueline Esen

135 mm (Cropfaktor 1,5) | 1/125 sek | f/11 | ISO 400

Regel 3: Horizontlinie beachten

Jedes Motiv hat markante gerade Linien, auch wenn Sie gerade keine Wasseroberfläche oder Landschaft fotografieren. Vermeiden Sie leicht kippende Linien, und achten Sie darauf, dass der Horizont gerade durch das Bild verläuft. Legen Sie die dominanteste Linie des Motivs nicht exakt durch die Bildmitte. Verschieben Sie sie in das obere oder untere Drittel. Das Gleiche gilt für die Anordnung des Hauptmotivs. Eine dezentrale Bildaufteilung lässt Ihre Bilder harmonischer aussehen. Je näher Sie wichtige Elemente an den Bildrand rücken, desto mehr Dramatik kann entstehen.

Für den Laien kaum der Rede Wert, im Auge des fortgeschrittenen Fotografen aber doch ein Ärgernis: ein leicht nach rechts kippender Horizont.

Kippender Horizont: Die dominierende horizontale Linie läuft auf diesem Foto nach rechts

Kippender Horizont: Die dominierende horizontale Linie läuft auf diesem Foto nach rechts

Foto: Jacqueline Esen

300 mm (Cropfaktor 1,5) | 1/400 sek | f/9 | ISO 100

Was Sie bei der Aufnahme oft nicht sehen, können Sie nachträglich geraderücken. Orientieren Sie sich an eingeblendeten Hilfslinien, falls Ihre Kamera diese Funktion anbietet.

Begradigt: So sieht die nachträglich begradigte Aufnahme aus

Begradigt: So sieht die nachträglich begradigte Aufnahme aus

Foto: Jacqueline Esen

Regel 4: Auf den richtigen Punkt scharf stellen

Benutzen Sie die passenden Autofokusfelder für eine genauere Entfernungsmessung - vor allem wenn das Hauptmotiv nicht in der Mitte ist. Bei unbewegten Motiven können Sie von Hand fokussieren, bei bewegten Motiven ist der Nachführ-Autofokus das Mittel der Wahl.

In der Abbildung unten hat der Autofokus auf die Klammern scharf gestellt, die sich weiter entfernt vom Betrachter befinden. Die größte und zur Kamera nächstgelegene Klammer bleibt unscharf. Diese Aufteilung empfinden wir als störend und fehlerhaft.

Unscharf: Die große Klammer im Vordergrund ist nicht scharf abgebildet

Unscharf: Die große Klammer im Vordergrund ist nicht scharf abgebildet

Foto: Jacqueline Esen

Anders ist das in der Abbildung unten: Obwohl hier nur eine winzige Änderung eingestellt wurde (linkes AF-Feld aktiv, Rest aus), ändern sich die Schärfeverhältnisse im Bild. Auch der Hintergrund ist jetzt bei vorgewählter Blende von f/8 weicher, das Hauptmotiv wird stärker betont. Das funktioniert natürlich nicht nur mit Wäscheklammern, sondern mit jedem Motiv, das Sie fotografieren!

Andere Schärfeverhältnisse: Die Klammer im Vordergrund ist scharf

Andere Schärfeverhältnisse: Die Klammer im Vordergrund ist scharf

Foto: Jacqueline Esen

20 mm | 1/160 sek | f/8 | ISO 100 | Blendenvorwahl;

Regel 5: Mit Farben gestalten

Bunt oder farbig? Ein Foto mit vielen Farben ist nicht immer besser. Reduzieren Sie die Informationsmenge. Drei oder vier Farben sind angenehmer als sieben oder acht. Achten Sie auf Motive, bei denen Farbharmonien ("Ton in Ton") oder Farbkontraste eine Rolle spielen. Wenn Sie ein Motiv fotografieren, bei dem sich viele verschiedene Farben nicht harmonisch kombinieren lassen, behalten Sie Schwarzweiß als Option im Hinterkopf.

Zu bunt: Rot, leuchtendes Grün, Rostbraun - hier dominieren viele Farben

Zu bunt: Rot, leuchtendes Grün, Rostbraun - hier dominieren viele Farben

Foto: Jacqueline Esen

Unten ist das gleiche Motiv in einem ganz anderen Bild. Den erfahrenen Fotografen erkennt man unter anderem daran, dass er die Auswahl von Farbkombinationen nicht dem Zufall überlässt.

Gelbe Blüte, blauer Himmel: Diese Farbkombination wirkt besser

Gelbe Blüte, blauer Himmel: Diese Farbkombination wirkt besser

Foto: Jacqueline Esen

Regel 6: Perspektive verändern

Gegenlicht: Die Blätter sind extrem hell, zum Teil ist keine Struktur mehr zu sehen

Gegenlicht: Die Blätter sind extrem hell, zum Teil ist keine Struktur mehr zu sehen

Foto: Jacqueline Esen

Fotografieren Sie immer aus Augenhöhe? Dann ändern Sie diese Angewohnheit. Die meisten Dinge sehen interessanter aus, wenn Sie sie aus einer etwas tieferen Perspektive fotografieren oder auch einmal weiter von oben. Ist die Ansicht von links oder von rechts interessanter? Je nachdem, von wo das Licht auf das Motiv fällt, ergeben sich völlig unterschiedliche Bildwirkungen.

Sucherbild: Für ein Froschporträt reicht die Brennweite nicht

Sucherbild: Für ein Froschporträt reicht die Brennweite nicht

Foto: Jacqueline Esen

Die Brennweite reicht nicht aus für ein großformatiges Froschporträt. Was aus dieser Perspektive eher noch wie ein Suchbild wirkt, ist von der anderen Seite aus besser zugänglich. Das Licht modelliert den Frosch besser heraus, die Platzierung im Goldenen Schnitt lässt Raum in Blick- beziehungsweise Sprungrichtung.

Froschporträt: Von der anderen Seite des Tümpels aus gelingt diese Aufnahme

Froschporträt: Von der anderen Seite des Tümpels aus gelingt diese Aufnahme

Foto: Jacqueline Esen

Regel 7: Brennweite nutzen

Das Zoomobjektiv wurde nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit konstruiert. Jede Brennweite hat andere Abbildungseigenschaften. Sie sehen mehr oder weniger vom Umfeld, der Schärfeeindruck verändert sich. Machen Sie von Ihrem Motiv mehrere Aufnahmen, verändern Sie immer wieder die Zoomstellung, und ändern Sie auch den Abstand zum Motiv.

Weitwinkel: Hier dient die Blumendeko als Blickfang (für Komplettansicht klicken)

Weitwinkel: Hier dient die Blumendeko als Blickfang (für Komplettansicht klicken)

Foto: Jacqueline Esen

Aus einer erhöhten Perspektive mit dem Weitwinkel nach unten fotografiert. Der Tisch mit Blumendekoration dient als Blickfang und ist in die weitgehend scharf wirkende Umgebung integriert.

6,8 mm (Cropfaktor 4,6) | 1/1000 sek | f/2,8 | ISO 80 | -2/3

Leichte Telestellung: Aus Brusthöhe fotografiert, verändert sich die Perspektive

Leichte Telestellung: Aus Brusthöhe fotografiert, verändert sich die Perspektive

Foto: Jacqueline Esen

Leichte Telestellung aus Brusthöhe fotografiert. Der Tisch ist immer noch Blickfang, aber die Perspektive bringt nun auch den Tempel in den Fokus der Aufmerksamkeit.

18,1 mm (Cropfaktor 4,6) | 1/1250 sek | f/4 | ISO 80 | -1 LW

Telestellung: Zoomt man so nah heran, verschwimmt der Hintergrund

Telestellung: Zoomt man so nah heran, verschwimmt der Hintergrund

Foto: Jacqueline Esen

Maximale Telestellung aus einer eher tiefen Perspektive. Der Fokus auf die Blume ermöglicht es nun, auch mit einer Kompaktkamera einen interessanten Unschärfeeffekt auf dem entfernten Gebäude im Hintergrund zu bekommen.

30,5mm (Cropfaktor 4,5) | 1/400 sek | f/4,5 | ISO 80 | -2/3 LW

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "Der große Fotokurs " von Jacqueline Esen.

Fotostrecke

fokussiert.com: Profi-Tipps für bessere Fotos

Foto: David Prinz
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.