Fotomontage per Photoshop In fünf Minuten zur Gottes-Schaukel

Haare und Details freistellen, eingefügte Bildelemente in komplizierte Hintergründe überblenden: Das klingt nach viel Zeit und Arbeit. Doch mit dem richtigen Ausgangsmaterial klappt es schnell. Ein Beispiel.

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Von "DOCMA"-Autor Olaf Giermann


Fünf Minuten - das war unser Zeitlimit für das hier gezeigte Composing-Projekt mit Photoshop. Natürlich sind diese fünf Minuten kein Maßstab für den gesamten kreativen Prozess inklusive Ideenfindung und Bildrecherche. Auch das Experimentieren mit verschiedenen Varianten dauert freilich länger, genau wie das Verwerfen halb fertiggestellter Ideen.

Unsere fünf Minuten beziehen sich daher auf die technische Umsetzung, wenn man weiß, was am Ende herauskommen soll und alle Bildbausteine beisammen hat.

Das Ausgangsmaterial

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Eindrucksvolle Weltraum-Szenen finden Sie bei Stockfotoagenturen oder für kreative Zwecke auch frei verfügbar auf der Webseite der Nasa. Charakteristisch ist ein weitgehend dunkler Hintergrund mit vereinzelten Highlights (Sterne, Galaxien und so weiter). Für ein Quickcomposing wie dieses benötigen Sie jedoch einen größeren hellen Bereich für das Model, der hier durch den Lichtsaum der Sonne gebildet wird.

Wichtig ist, dass das Model dunkel vor einem hellen Hintergrund abgebildet ist, da Sie die Ebene über den Weltraum-Hintergrund "multiplizieren". Das hier verwendete Foto ist da nicht perfekt, da das Motiv den Horizont mit seinen dunklen Hügeln überschneidet. An diesen Stellen muss dann eine etwas genauere Maske erzeugt werden.

1. Ebenen platzieren

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Öffnen Sie die Weltraum-Datei und konvertieren Sie die Hintergrundebene in ein Smartobjekt. Platzieren Sie darüber die Ebene mit dem schaukelnden Model - ebenfalls als Smartobjekt. Dadurch können Sie bei Bedarf die Ebenen mehrmals ohne Qualitätsverlust transformieren und zudem Filter anwenden, deren Parameter sich nachträglich ändern lassen. Ändern Sie die Füllmethode der Model-Ebene in "Ineinanderkopieren". Das Ergebnis ist noch wenig glaubhaft, denn es zeigt noch zu viele helle Bereiche der Model-Ebene.

2. Helligkeit anpassen

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Durch das Reduzieren des Tonwertumfangs blenden Sie ohne aufwendiges Maskieren die zu hellen Bildbereiche der Model-Ebene aus, da Sie dadurch diese Pixel in Richtung Grau verschieben, was die neutrale Farbe für diese Füllmethode ist. In der aktuellen Photoshop-CC-Version können Sie hierzu einfach mit "Strg/Cmd-L" die "Tonwertkorrektur" als Smartfilter anwenden und dort den Weißregler unter "Tonwertumfang" nach links ziehen.

Tipp: In früheren Photoshop-Versionen schaffen Sie das Gleiche mit einer neuen Einstellungsebene vom Typ "Tonwertkorrektur", bei der Sie die Schnittmaske aktivieren, so dass sich diese ausschließlich auf das Smartobjekt darunter auswirkt.

3. Störende Stellen maskieren

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Fügen Sie zur Model-Ebene eine Ebenenmaske hinzu. Dort malen Sie mit dem "Pinsel"-Werkzeug mit schwarzer Farbe und einer großen, weichen Pinselspitze schnell über all die äußeren, noch störenden (dunklen) Überlagerungen, um diese zu entfernen.

Nur an wenigen Stellen benötigen Sie etwas mehr Präzision: Im Bereich der Schaukelsitzfläche (a) nutzen Sie eine kleinere, härtere Pinselspitze, um etwaige störende Hintergrund-Bereiche auszublenden. Solche Masken wirken in der nachträglichen Betrachtung ("Alt"-Klick auf das Masken-Icon) oft merkwürdig und ziemlich ungenau - doch genau das ist der Trick: Niemanden interessiert später die Maske. Es zählt nur das Bildergebnis.

4. Seile verlängern

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Die Seile der Schaukel reichen noch nicht bis zum Bildrand. Prinzipiell könnten Sie das Smartobjekt öffnen, die Arbeitsfläche dort erweitern und die Seile mit dem "Stempel" verlängern. Falls Sie jedoch die Model-Ebene ausgehend von einem JPEG als Smartobjekt platziert haben, stoßen Sie auf den nervigen, langjährigen Bug, das Smartobjekt nicht mehr speichern zu können.

Schnell und schmutzig gehen Sie so vor: Rastern Sie das Smartobjekt und verlängern Sie die Seile mit dem "Stempel". Achten Sie darauf, dass der Aufnahmebereich des Werkzeugs auf "Aktuelle Ebene" eingestellt ist, damit Sie nicht den durchscheinenden Hintergrund mitkopieren.

5. Sterne ausblenden

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Durch den Einsatz der Füllmethode "Ineinanderkopieren" wird jedes noch so kleine Detail der Haare bewahrt und das Model erhält die Farbigkeit des Hintergrunds. Auch die Farben passen durch das Verrechnen sehr gut. Nur leider scheinen die Sterne des Hintergrunds noch durch das Model hindurch.

Das beheben Sie sehr schnell, indem Sie das Hintergrund-Smartobjekt aktivieren und dann zum Beispiel den "Gaußschen Weichzeichner" mit einem so hohen Radius anwenden, dass er die Details des Hintergrunds (hier: die Sterne) verschwimmen lässt.

Kehren Sie die Smartfilter-Maske mit "Strg/Cmd-I" um, damit die Sterne wieder sichtbar werden und malen Sie mit einem weißen, weichen Pinsel über die Stellen des Models, an denen die durchscheinenden Sterne stören.

6. Überstrahlung hinzufügen

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Um Hintergrund und Model noch stärker zu verbinden, fassen Sie alle bisherigen Ebenen mit "Strg/Cmd-Shift-Alt-E" zu einer neuen Ebene zusammen und wenden auf diese den Renderfilter "Blendenflecke" mit "Objektivart: 105 mm" an.

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Platzieren Sie den Mittelpunkt der Lichtbrechung im Zentrum der Sonne im Hintergrund. Senken Sie anschließend bei Bedarf die Deckkraft der Ebene und blenden Sie per Maske unerwünschte Teile des Filterergebnisses aus.

7. Finish

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Das Ergebnis aus Schritt sechs erscheint zwar schon stimmig, fokussiert aber das zentrale Motiv vielleicht noch nicht genug.

Fotos: janez volmajer und upslim - Fotolia/ Montage: Olaf Giermann

Ich nutzte deshalb hier das "Radial-Filter"-Werkzeug des "Camera Raw"-Filters auf einer neu zusammengefassten Ebene, mit dem ich den Bereich um das Model in den Parametern "Sättigung" und "Klarheit" verstärkt habe. Zusätzlich habe ich mit einer Einstellungsebene "Farbbalance" im Modus "Weiches Licht" die Cyan-Töne und den Kontrast des gesamten Bildes verstärkt.

Mehr zum Thema und mehr Fünf-Minuten-Beispiele finden Sie in DOCMA 74.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
kai-ser210 15.01.2017
1. Danke
Ich werde solche Tutorials zwar vermutlich (mangels totalem Enthusiasmus) nie selber nachbauen, aber ich finde es trotzdem interessant zu lesen, wie ein Photoshop Experte solche Bilder erstellt und welche Werzeuge er dafür benutzt. Auch wenn vermutlich wieder einige Foristen aus irgendwelchen Gründen an diesem Artikel rummeckern werden (Schleichwerbung, Das geht anders besser, etc), bin ich doch froh, hin und wieder solche Themen bei SPON zu finden.
erational99 15.01.2017
2. EasyZoom für die Bilder?
Ich lade solche Bilder, gerade wenn Sie groß sind und gute Qualität haben, auf EasyZoom (www.easyzoom.com) hoch, weil man hier Pixel für Pixel sehen kann. Wo ladet Ihr Eure photogeshoppten Sachen hoch?
go2dive 15.01.2017
3. Elements
Ich denke mal, dass die Besitzer der professionellen Version von Photoshop wissen wie das geht. Es den Amateuren mit Photoshop Elements zu erklären würde sicher mehr Interesse und Dankbarkeit hervorrufen.
chrome_koran 16.01.2017
4.
Zitat von go2diveIch denke mal, dass die Besitzer der professionellen Version von Photoshop wissen wie das geht. Es den Amateuren mit Photoshop Elements zu erklären würde sicher mehr Interesse und Dankbarkeit hervorrufen.
Sie täuschen sich. Es gibt in Photoshop niemals "den einen" Weg; das sagt Ihnen jeder alter Photoshop-Hase, das kann ich auch mit meinen 24 Photoshop-Jahren jederzeit schriftlich bestätigen. Fragen Sie drei Photoshopper nach einer Lösung und Sie bekommen mindestens sieben Antworten. Außerdem wird jede Software ja weiterentwickelt. Photoshop ist da keine Ausnahme. Alle neuen Features kennenzulernen ist da ein Ding der Unmöglichkeit. Da ist der ständige Erfahrungsaustausch nur hilfreich. Deswegen lese ich auch gern solche Anleitungen. Bei Photoshop Elements wäre übrigens die Thematik ganz schnell erschöpft, denn dieses Programm ist unkompliziert, auf Amateure zugeschnitten und lässt sich mit dem PDF-Handbuch ohne weiteres nutzen. Noch eines: Photoshop ist mit ca. 12 Euro pro Monat (einschließlich Lightroom, Bridge und laufender Updates) so günstig wie nie zuvor. Am Preis kann es also nicht scheitern.
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