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Photokina: Neue Spiegelreflexkameras von Nikon, Pentax und Olympus

Fotoneuheiten Neue Spiegelreflexkameras protzen mit Luxusausstattung

Klobigen Kameras droht die Nischenexistenz: Nun bietet auch Samsung als vierter Hersteller eine kompakte Systemkamera mit Wechselobjektiven und großem Bildsensor. Die neuen Spiegelreflexkameras bieten nur mehr vom Alten: schnellerer Autofokus, höhere Videoauflösung. Eine Vorschau zur Photokina.

Die Konkurrenz für die klassische Spiegelreflexkamera wird noch stärker: Nun hat kurz vor der Photokina noch ein Hersteller eine kompakte Systemkamera vorgestellt. Die Samsung NX100 passt - wenn ein Objektiv mit Normal-Festbrennweite angesetzt ist - in jede Jackentasche. Obwohl die NX100 die Maße einer pummeligen Kompaktkamera hat, zeichnet sie Aufnahmen mit einem Bildsensor im APS-C-Format auf - 3,65 Quadratzentimeter Oberfläche, das ist mehr als bei mancher Spiegelreflex für Einsteiger.

Der große Sensor ermöglicht bei Dämmerlicht eine bessere Bildqualität, als man sie von herkömmlichen Kompaktkameras mit kleinen Bildsensoren kennt - das Bildrauschen ist nicht so groß, die Rauschfilter können vorsichtiger arbeiten, es bleiben mehr Details erhalten. Außerdem erlaubt der große Bildsensor es, bei Aufnahmen die Schärfe sehr selektiv auf bestimmte Bildbereiche zu legen. So lassen sich zum Beispiel bei Porträts die Gesichter betonen und vom unscharfen Hintergrund lösen. Die Gestaltungsmöglichkeiten bei klassischen Kompaktkameras mit ihrer durchgehenden Schärfe sind bei weitem nicht so groß.

Zusammen mit der NX100 stellt Samsung auch zwei neue Objektive (eine Festbrennweite mit etwa 30,8 mm Kleinbild-äquivalenter Brennweite und ein Standard-Zoom mit 30,8 - 77 mm) vor, die eine interessante Lösung für das Bedienproblem der kompakten Systemkameras bieten. Eine Spiegelreflexkamera ist groß genug, um am Gehäuse mehrere Einstellrädchen unterzubringen, mit denen Fotografen Details wie Blende, Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit manuell einstellen können.

Bei kompakten Systemkameras fehlt am Gehäuse dagegen der Platz, um für jeden Parameter ein eigenes Einstellrädchen unterzubringen. Die Samsung-Ingenieure nutzen einfach das Objektiv: Hier sitzt an der Vorderseite um das Objektiv herum ein großes Drehrad, ähnlich wie der Blendeneinstellring an Objektiven, das sich als Einstellwerkzeug für alle möglichen Funktionen nutzen lässt - Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Blendenwert. Man aktiviert diese Funktionen mit einem kleinen Zusatzknopf am Objektiv. Die Idee ist nicht neu, die Canon S90 hatte eine ähnliche Bedienung, aber sie funktioniert gut.

649 Euro soll die NX100 mit der 30,8 mm-Festbrennweite kosten, in Online-Shops liegt der Preis derzeit schon bei 600 Euro. Vielen ambitionierten Freizeitfotografen, die ab und an gerne mit manuellen Einstellungen experimentieren, dürfte die NX100 zumindest als Reisekamera genügen. Die Objektivauswahl für das NX-System ist allerdings noch nicht so groß wie für den von Panasonic und Olympus seit Jahren vorangetriebenen Standard Micro Four Thirds.

Wie die Hersteller ihre klassischen Spiegelreflexkameras von dieser neuen Konkurrenz abheben, zeigen die neuen, nun zur Photokina vorgestellten Modelle: Mehr Ausstattung, bessere Autofokussysteme, neue Bildsensoren, robustere Gehäuse. Kurz: Neue Konzepte gibt es nicht, dafür verbesserte Versionen vertrauter Ausstattungsdetails. Die neuen Spiegelreflexkameras im Überblick:

Nikon D7000: Mikrofonanschluss und Video-Autofokus

Preis und Ausstattungsdetails (unverbindliche Empfehlung 1189 Euro für das Gehäuse) liegen zwischen der D90 und der D300s. Nikon stellt als wesentliche Vorzüge den neuen Bildsensor (eine Eigenentwicklung, 16,2 Megapixel, 3,68 Quadratzentimeter) und den 39-Punkt-Autofokus heraus. Einige Details dürften die Kamera für den einen oder anderen Freizeitfotografen interessant machen - das Gehäuse hat einen besseren Wetterschutz als die D90, der optische Sucher zeigt das Motiv vollständig (100% Bildfeld).

Interessant sind die Neuerungen für Videofilmer: Der Kontrast-Autofokus soll erheblich schneller arbeiten, die Kamera soll auch beim Filmen nachfokussieren. Filmsequenzen nimmt die D7000 in Full-HD-Auflösung (1080p) auf, es gibt einen Videoauslöser und einen Anschluss für externe Stereomikrofone. Das dürfte für Videofilmer erheblich wichtiger sein als das rudimentäre Schnittprogramm, das die D7000-Firmware integriert hat.

Olympus E-5: Teure Profikamera mit wenig Neuerungen

Wesentliche Unterschiede der neuen Olympus E-5 zur Nikon D7000: Die Kamera ist teurer (empfohlener Verkaufspreis: 1700 Euro), der Bildsensor kleiner (2,24 Zentimeter), der Bildschirm auf der Rückseite dreh- und schwenkbar, die Videoauflösung geringer (HD, 720p). Das ist alles nicht besonders überraschend und aufregend. Wenn die Kamera nicht wider Erwarten überragende Bildqualität im Vergleich zur D7000 oder einer anderen Spiegelreflex mit APS-C-Sensor liefert, gibt es kaum einen Grund, sich für sie zu entscheiden. Außer man hat schon für eins der Vorgängermodelle eine Menge Four-Thirds-Objektive gekauft.

Eine neue Mittelformatkamera für Analogfreunde

Das gibt es noch: Fujifilm kündigt zur Photokina eine neue Analogkamera für Mittelformatfilme an. Die auf der US-Seite als Fujifilm GF670W Professional geführte Kamera ist eine Weiterentwicklung der 2008 gezeigten GF670. Der Unterschied: Statt eines Objektivs mit normaler Brennweite (40 mm Kleinbild-äquivalent beim Vorgänger) ist nun eine Weitwinkel-Festbrennweite fest verbaut (22,5 mm Kleinbild-äquivalent) - ideal für Landschaftsfotografen. Wie viel die Kamera kosten soll, ist noch nicht klar.

Wie der Vorgänger wird auch die neue Weitwinkel-Mittelformatkamera vom Hersteller Cosina gefertigt und in Deutschland wohl unter dem Markenname Voigtländer erhältlich sein. Das Vorgänger-Modell Voigtländer Bessa III 667 kostete knapp 2000 Euro.

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