DSL-Modem, DECT-Basis, Ersatzrouter Diese alte Fritzbox ist ein echter Allrounder

Die sechs Jahre alte Fritzbox 7412 gibt es im Internet schon für fünf bis 20 Euro. Damit ist sie ein echtes Schnäppchen, das sich mit ein paar Tricks noch immer vielfältig einsetzen lässt.
Von "c't"-Redakteur Andrijan Möcker
Nicht mehr aktuell, aber noch brauchbar: Fritz!Box 7412

Nicht mehr aktuell, aber noch brauchbar: Fritz!Box 7412

Foto: c't

Der deutsche Internetanbieter 1&1 verzichtet als einer von wenigen Providern auf eine eigene Routermarke und setzt stattdessen auf Fritzboxen von AVM. Alle paar Jahre entsteht dabei ein mehr oder minder abgespecktes Derivat der aktuellen AVM-Modelle, wie beispielsweise die 7112, die 7240, die 7412 oder zuletzt die 7520. Die Preise der älteren 1&1-Modelle fallen zur Einführung des Nachfolgers schnell. Aktuell erhält man die schon sechs Jahre alte Fritzbox 7412 für 5 bis 20 Euro.

Wer angesichts des Preises an eine lahme Möhre denkt, hat weit gefehlt: Die 7412 hat einen 500-MHz-Dual-Core-Prozessor, 128 MByte RAM und ein Vectoring-fähiges VDSL-2-Modem – gute Werte für einen einfachen DSL-Router. Damit taugt das Modell mindestens als günstiger Schrankhüter, der nach dem nächsten Blitzschlag das zerstörte Gerät würdig vertritt, bis Ersatz eintrifft. Selbst wer schon Supervectoring gebucht hat, kann die 7412 notfalls einsetzen: Telekom-DSLAMs und somit auch deren Reseller-Anschlüsse sperren sich nicht gegen die Nutzung der vorherigen VDSL2-Version mit klassischem Vectoring. Im Zweifelsfall erteilt der Anbieter Auskunft.

PPPoE-Trickserei

Die Fritzbox 7412 kann auch als reines DSL-Modem zum Einsatz kommen, beispielsweise in Kombination mit einer Firewall Appliance oder einem nachgeschalteten OpenWrt-Router. Voraussetzung ist das sogenannte PPPoE-Passthrough: Es leitet das bei DSL verwendete Einwahlprotokoll PPP durch, sodass die 7412 nur noch ein Medienkonverter (VDSL2/Fast-Ethernet) für den nachgeschalteten Router ist. Dieser baut die PPP-Sitzung dann selber auf, erhält die öffentlichen IP-Adressen und kann diese direkt verwalten. Lästige doppelte Netzwerkadressübersetzungen (NAT) und Portfreigaben entfallen.

Da viele Anbieter nur eine PPP-Sitzung pro Anschluss zulassen, muss man bei der Konfiguration etwas tricksen: Statt der Fritzbox korrekte Zugangsdaten mitzugeben, wählt man in der Konfiguration (Internet/Zugangsdaten) die Auswahl "Weiterer Internetanbieter" und "Anderer Internetanbieter". "Werden Zugangsdaten benötigt" ändert man auf "Nein", anschließend bearbeitet man die Verbindungseinstellungen. Hier muss die VLAN-ID auf die Anbietervorgabe geändert werden, beispielsweise "7" für die Telekom- und deren Reseller-Anschlüsse. Auch Virtual-Path-Identifier (VPI) und Virtual-Channel-Identifier (VCI) variieren von Anbieter zu Anbieter. Die korrekten Werte finden sich aber meist nach kurzer Websuche. Zuletzt erlaubt man anderen Netzwerkgeräten, eine eigene Internetverbindung aufzubauen und deaktiviert die Zugangsprüfung nach Übernahme der Einstellungen (Haken ganz unten).

Danach können Sie die 7412 mit einem DSL-Anschluss und der WAN-Buchse des nachgeschalteten Routers verbinden. Letzterer stellt dann per PPPoE die Internetverbindung selbst her. Die erforderlichen Zugangsdaten schicken Provider meist separat per Post. Bei neueren BNG-Anschlüssen der Telekom klappt es auch ohne. Verlangt der nachgeschaltete Router trotzdem Daten, tippen Sie einfach wahllos eine Buchstabenfolge ein – die Terminierungsstelle der Telekom akzeptiert alle Authentifizierungsversuche.

DECT-Basis

Festnetztelefonierer werden Empfangslücken im heimischen DECT-Netz genauso ärgern wie solche im WLAN. Zwar kann die 7412 nicht als DECT-Repeater dienen, aber als per VoIP verbundene DECT-Basis zum Sparpreis. Das lohnt dann, wenn man ein DECT-Telefon beispielsweise ein oder zwei Stockwerke über dem Hauptrouter stationiert hat und es auch nur dort genutzt wird.

Damit das funktioniert, muss man die 7412 zunächst über die WLAN-Einstellungen in den Repeater- oder alternativ in den Access-Point-Modus versetzen, indem sie sich über ihren LAN-Anschluss eine Adresse aus dem Heimnetz besorgt: Im Menü „Zugangsdaten“ setzen Sie dazu "Internetanbieter" auf "Weitere Internetanbieter" und "Anderer Internetanbieter". "Anschluss" und "Betriebsart" stellen Sie auf "Anschluss an externes Modem oder Router" und "Vorhandene Internetverbindung mitbenutzen (IP-Client-Modus)". Tragen Sie Ihre Anschlussbandbreite sowie einen individuellen Namen ein (Verbindungseinstellungen) und bestätigen Sie mit "Übernehmen". Anschließend verbinden Sie die 7412 per Kabel mit Ihrem Heimnetz. Die neue IP-Adresse der Box finden Sie entweder über die Weboberfläche Ihres Routers oder mit einer Netzwerkscanner-App wie Fing.

Wenn Ihr Hauptrouter eine Fritzbox ist, legen Sie dort für die 7412 ein neues LAN/WLAN-Telefoniegerät mit Benutzername und Kennwort an. In der 7412 fügen Sie das Konto unter "Eigene Rufnummern" mit der Voreinstellung "anderer Anbieter" hinzu, wobei Sie die Felder für die interne und die Anmelderufnummer frei belegen können, beispielsweise mit der Festnetznummer. Tragen Sie anschließend die zuvor von Ihnen vergebenen Zugangsdaten ein, sowie "fritz.box" als Registrar. Nach erfolgreicher Prüfung verbinden Sie Ihr DECT-Telefon über das Telefoniegerätemenü mit der Fritzbox.

Viele andere Router haben keinen eigenen SIP-Server in Ihrer Telefonanlage. Die Lösung ist meist, die 7412 mit den VoIP-Zugangsdaten Ihres Anbieters zu versorgen und zu hoffen, dass dessen Server mehrere gleichzeitige SIP-Sitzungen zulässt. Um das zu prüfen, tragen Sie die VoIP-Zugangsdaten ein und verbinden ein DECT-Telefon mit der Fritzbox. Anschließend rufen Sie mit Ihrem Handy die Festnetzrufnummer an – klingeln die Telefone an beiden Routern, funktioniert die Konfiguration. Im Zweifelsfall erteilt der Provider Auskunft.

WLAN-Lückenfüller

Die 7412 ist in Bezug auf WLAN überholt: Sie funkt nur auf 2,4 GHz nach Wi-Fi 4 mit zwei MIMO-Streams. Als Repeater möchte man sie damit nicht einsetzen, insbesondere bei stark frequentierter 2,4-GHz-Nachbarschaft. Aber mit einer Kabelanbindung kann die 7412 als Accesspoint ein sinnvoller Lückenfüller sein, der für einfaches Surfen und Videostreaming am Smartphone genug Bandbreite liefert – das klappt auch gleichzeitig zum DECT-Basis-Betrieb. Hierzu setzt man WLAN-Namen und -Netzwerkschlüssel auf die gleichen Werte wie im Hauptrouter. Bekannte WLAN-Geräte verbinden sich anschließend automatisch.

OpenWrt

Wer Funktionen benötigt, die FritzOS nicht hat, installiert OpenWrt auf der 7412 und erhält damit deutlich größere Auswahl. DECT und Analogtelefonie unterstützt das System jedoch nicht, weshalb die 7412 als "broken" gilt. Die Installation klappt dennoch und mit einigen Befehlen auf der Kommandozeile kann man das Webinterface LuCI installieren. Die Box kann dann beispielsweise komfortabel für Wireguard oder OpenVPN eingesetzt werden oder als TFTP-Server VoIP-Telefonen und anderen Geräten Konfigurationsdateien bereitstellen. Da die 7412 satte 128 MByte NAND-Flash besitzt, ist Platz für viel Extra-Software. Wie Sie OpenWrt auf der Fritzbox 7412 installieren, lesen Sie auf Englisch im OpenWrt-Wiki und demnächst in "c't".