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27. November 2012, 09:28 Uhr

Fujifilm XF1

Kunstleder-Kamera versenkt das Objektiv

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Zoomring, Lederoptik, aber kein Sucher: Die Kompaktkamera Fujifilm XF1 hat eine ausgefallene Gestaltung. Wie gut Objektiv und Bildsensor zusammenarbeiten, verrät unser Test.

Ein Kameragehäuse, überzogen mit rotem oder beigefarbenem Kunstleder - derzeit experimentiert kein Kamerahersteller so sehr wie Fujifilm bei der Gestaltung neuer Fotoapparate.

Von der Farbpalette des Gehäuses abgesehen (es gibt auch einen konservativen Schwarzton) hat die XF1 einige technische Neuerungen: Der Bildsensor (baugleich mit dem der Fujifilm X10) ist mit 0,58 Quadratzentimetern vergleichsweise groß für eine Kompaktkamera. Das Vierfach-Zoomobjektiv lässt sich fast vollständig im Gehäuse versenken. Zum Fotografieren zieht und dreht man es heraus, schaltet damit die Kamera ein - einen Einschaltknopf gibt es nicht.

Objektiv-Versenkung, 2/3-Zoll-Sensor, große Blendenöffnung - was bietet die X10?

Das gefällt: Bedienung, Bildqualität, Objektiv

Handhabung: Trotz eigenwilliger Gestaltungselemente ist die XF1 im Grunde eine traditionell gestaltete Kompaktkamera - im besten Sinne. Schalter und Drehräder rufen viele Kamerafunktionen direkt auf. So ist die Kamera (mit etwas Übung) schneller einzustellen als per Menüwechsel. Über ein Moduswahlrad wechselt man zwischen Motivprogrammen, Voll- und Teilautomatik. Mit einem für den rechten Daumen gut zu erreichendem Drehrad an der Rückseite des Gehäuses stellt man je nach Programm Parameter wie Blendenöffnung oder Verschlusszeit ein. Ein Vier-Wege-Schalter führt zu Makromodus, Blitzautomatik und so weiter. Die Bedienung ist übersichtlich und logisch gestaltet - überraschend bei der Fülle an Funktionen. Es geht auch sehr gut ohne Touchscreen.

Der Verzicht auf einen Einschaltknopf erleichtert die Bedienung nicht. Die nötige Bewegung des Objektivs (leicht drehen, dann ziehen, dann weiter drehen) ist schnell erlernt. Allerdings muss man die XF1 immer mit zwei Händen halten, um sie einzuschalten. So ist das auch beim Zoomen. Man verändert die Brennweite der XF1 durch das Drehen des Zoomrings, wie bei Objektiven an Spiegelreflexkameras - so kann man schneller zoomen.

Bildqualität: Der Bildsensor der XF1 ist mit 0,58 Quadratzentimetern Oberfläche etwas größer als bei den meisten Kompaktkameras. Die Bildqualität der XF1 ist für eine Kompaktkamera überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich zu Modellen wie der Samsung EX1 ist bei ISO-Empfindlichkeiten über 400 (also der typischen Einstellung bei Nachtaufnahmen aus der Hand) auf den Aufnahmen der XF1 deutlich weniger Rauschen zu sehen. Es bleiben dennoch mehr Details erhalten. Im Vergleich zu Spitzenmodellen im Kompaktbereich wie der Canon S95 ist der Abstand allerdings nicht ganz so groß.

Objektiv: Der größere Sensor und die sehr weite Blendenöffnung (f/1,8 im Weitwinkel) des Objektivs ermöglichen es, bei Aufnahmen mit der XF1 ein Motiv im Vordergrund gezielt scharf zu stellen und alles dahinter in Unschärfe verschwimmen zu lassen. Der Kontrast von Schärfe und Unschärfe ist nicht so hoch wie bei Kameras mit größeren Bildsensoren wie der Sony RX100 oder Sony Nex-5N, aber durchaus sichtbar. Das Objektiv der XF1 ist universell einsetzbar: Man kommt sehr nah (drei Zentimeter) an Motive heran, kann im Weitwinkelbereich Landschaften fotografieren und mit dem Fünffach-Zoom im Zoo experimentieren.

Nicht so gut

Nachttauglichkeit: Trotz des etwas größeren Bildsensors ist die XF1 eine Tageslichtkamera. Man kann auch bei Nacht fotografieren, die Aufnahmen sind gut zu gebrauchen, solange man sie nicht in voller Größe betrachtet zeigt und mit Weitwinkel-Brennweite aufnimmt. Denn im Zoombereich schrumpft die größtmögliche Blendenöffnung der XF1 stark, auf letztlich nur f/4,9 bei 100 mm. Da sind andere Kompaktkameras besser, bei der Panasonic LX7 zum Beispiel fällt auch im Zoombereich (90 mm) durch die weit geöffnete Blende (f/2,3) viel Licht auf den Sensor.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Die XF1 ist nicht gerade preiswert. Die etwas ältere Kompaktkamera Canon S95 kostet im Handel fast 150 Euro weniger, sie bietet eine geringfügig niedrigere Bildqualität und einen ähnlichen Brennweitenbereich. Am oberen Ende liegt die Sony RX100, die Kompaktkamera mit der derzeit besten Bildqualität - sie kostet derzeit 120 Euro mehr als die XF1 und ist eher als Universalkamera geeignet.

Vorteile, Nachteile, Fazit

Fazit: Die XF1 ist eine überdurchschnittlich gute Kompaktkamera: Der im Vergleich zu anderen Kompakten etwas größere Bildsensor bringt allerdings keinen immensen Qualitätsvorsprung, perfekte Nachtaufnahmen schafft die XF1 nicht. Es gibt einige etwas ältere, etwas günstigere Kompaktkameras mit ähnlichem Funktionsumfang, zum Beispiel die Canon S95. Das Alleinstellungsmerkmal der XF1 ist die außergewöhnliche Gestaltung. Letztlich muss man sich entscheiden, ob das versenkbare Objektiv, das Metallgehäuse und die Kunstlederoberfläche den Aufpreis wert sind.

Das sagen die anderen: Dxomark hat den Sensor der Fujifilm X10 getestet (baugleich mit dem der XF1). Ein Vergleich mit den Werten der Canon S95 und der Sony RX100 zeigt, dass die XF1 näher an der Bildqualität einer sehr guten Kompaktkamera ist als an der von Modellen mit größerem Bildsensor. Photographyblog.com lobt die Bildqualität, bemängelt das unnötig komplizierte Einschalten der Kamera per Objektivdrehung. Cnet Asia preist das Design und kritisiert die durchschnittliche Bildqualität bei erhöhter ISO-Empfindlichkeit.

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