Reparaturportal iFixit Samsung lässt Artikel über Falt-Smartphone entfernen

Nach dem Desaster mit Testgeräten reagiert Samsung dünnhäutig auf Kritik am Galaxy Fold. Einen Bericht des Portals iFixit ließ der Konzern jetzt aus dem Netz nehmen - und dürfte damit sich selbst schaden.
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Statt zum erhofften Kassenschlager zu werden, wächst sich das Falt-Handy Galaxy Fold für Samsung zum Dauerproblem aus. Auf Druck des koreanischen Herstellers hat das auf Reparaturanleitungen spezialisierte Portal iFixit jetzt einen Bericht über den inneren Aufbau des 2000 Euro teuren Smartphones von seiner Seite entfernt.

Die Experten von iFixit waren mit dem Gerät hart ins Gericht gegangen. So wie sie es bei jedem wichtigen neuen Gadget tun, hatten sie auch das Galaxy Fold mit Hilfe von Spezialwerkzeugen zerlegt und den Vorgang Schritt für Schritt auf ihrer Webseite mit Fotos dokumentiert.

Die große Frage, die das Portal dabei nicht beantwortete: Woher kam das Samsung-Smartphone? Schließlich kann man das Galaxy Fold noch nicht kaufen. Samsung ist es nun offensichtlich gelungen, das Rätsel zu lösen, wer der mysteriöse Lieferant des noch unveröffentlichten Gadgets war.

Die Bauteile des Galaxy Fold, nachdem iFixit es zerlegt hatte.

Die Bauteile des Galaxy Fold, nachdem iFixit es zerlegt hatte.

Foto: iFixit

Mit der Weitergabe des Geräts an iFixit war der Unbekannte ein Risiko eingegangen, das ihm sicher bewusst war und weshalb er darum gebeten hatte, nicht als Lieferant genannt zu werden. Es ist in der Branche üblich, die Vergabe von Testgeräten und Vorproduktions-Samples an Verträge zu binden, die beispielsweise die Veröffentlichung von Informationen vor einem bestimmten Zeitpunkt oder - das dürfte hier zutreffen - die Weitergabe an Dritte verbieten.

iFixit erklärt dazu, man habe das Gerät von einem vertrauenswürdigen Partner bekommen. "Über diesen Partner hat Samsung darum gebeten, dass iFixit seinen Teardown entfernt", heißt es in einer Stellungnahme des Portals . "Wir sind weder rechtlich noch sonst wie dazu verpflichtet, unsere Analyse zu entfernen", heißt es darin weiter. "Aber aus Respekt vor unserem Partner, den wir als Verbündeten im Kampf für leichter reparierbare Geräte ansehen, haben wir uns entschlossen, unseren Bericht zurückzuziehen, bis wir ein Galaxy Fold in einem Laden kaufen können."

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Faltbares Smartphone: Das ist Samsungs Galaxy Fold

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Sogenannte Teardowns, wie der des Galaxy Fold, gehören zu den Kernkompetenzen von iFixit. Regelmäßig zerlegen die Bastelprofis beispielsweise auch Apples iPhone. Aus ihren Erkenntnissen erstellen sie Reparaturanleitungen, die Anwendern helfen sollen, kaputte Gadgets selber wieder fit zu machen. Geld verdient iFixit mit dem Verkauf der dazu nötigen Spezialwerkzeuge und Ersatzteile.

Die Firma und ihr Chef Kyle Wiens setzen sich weltweit für ein "Recht auf Reparatur " ein, das sicherstellen soll, dass Unternehmen den Nutzern ihrer Geräte beispielsweise Reparaturanleitungen und Ersatzteile bereitstellen. Geräte, die sie zerlegt haben, werden von iFixit nach einem Reparierbarkeitsindex von 1 bis 10 eingestuft, wobei eine 10 ein perfekt zu reparierendes Gerät auszeichnen würde.

Dem Galaxy Fold attestierten die Experten lediglich 2 Punkte auf ihrer Reparierbarkeitsskala und beurteilten das Gerät als "fragil". Sie kritisierten vor allem, dass es viel zu viele Öffnungen gebe, durch die Partikel in den Innenraum eindringen und etwa den empfindlichen, weil aus Kunststoff hergestellten Bildschirm beschädigen könnten.

Genau das scheint etwa bei einem Testgerät geschehen zu sein, das dem US-Techportal "The Verge" zur Verfügung gestellt worden war. Auf einem Foto des Geräts ist zu sehen, wie sich oberhalb des Scharniers eine Beule im Bildschirm abzeichnet.

Andere Tester hatten von kompletten oder teilweisen Ausfällen des Displays berichtet, die teils auftraten, nachdem die Tester eine Schutzfolien vom Display abgezogen hatten. Samsung hatte den für Ende April geplanten Verkaufsstart daraufhin auf einen bisher nicht definierten späteren Zeitpunkt verschoben.

Indem der Konzern jetzt gegen kritische Stimmen im Netz vorgeht, dürfte er genau das Gegenteil von dem erreichen, was er zu erreichen hofft. Statt das Problem zu kaschieren, wird dadurch nur noch mehr Interesse daran erzeugt. Und es wird die Frage aufgeworfen, weshalb das Unternehmen so vehement versucht, das Thema aus dem Netz zu tilgen. Ein Phänomen, das längst als Streisand-Effekt  bekannt ist.

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