Galaxy Note 10 Was es kann, was es kostet - und was fehlt

Am Mittwochabend hat Samsung in New York seine neues Smartphone-Topmodell vorgestellt. Das Galaxy Note 10 gibt es in drei Versionen. Die sind zugleich größer und kleiner geworden, leistungsfähiger sowieso - aber nicht teurer.

Matthias Kremp/SPIEGEL ONLINE

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Man könnte meinen, Samsung würde sich beim neuen Galaxy Note 10 in Bescheidenheit üben. Verglichen mit dem Vorgängermodell ist das neue Top-Smartphone der Koreaner kleiner geworden. Zwar nur um 0,1 Zoll, von 6,4 auf 6,3 Zoll Bildschirmdiagonale, aber eben kleiner. Das erscheint heutzutage ungewöhnlich.

Allerdings nur so lange, bis man das Galaxy Note 10+ sieht.

Denn das ist technisch zwar in weiten Teilen mit der kleineren Variante identisch, stößt mit seinem 6,8 Zoll Bildschirm aber in eine Größendimension vor, die selbst Samsung bisher Tablets vorbehalten hat. Aktuell etwa bietet der Konzern immer noch das 2016er-Modell des Galaxy Tab A für 129 Euro an, mit 7-Zoll-Bildschirm, acht Gigabyte Speicher und WLAN-Modul. Das extragroße Note 10+ ist nur 0,2 Zoll kleiner, dafür aber 970 Euro teurer - in der günstigsten Version. Mit mehr Speicher oder 5G-Netzanbindung kommen noch 100 Euro drauf.

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Samsung Galaxy Note 10: Mit Zauberstift und Vierfach-Kamera

Das Kernelement aller drei Versionen ist, für die Note-Serie, der S-Pen genannte Zeichenstift. Genau wie der Stift des Note 9 ist er per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, kann deshalb auch als Fernsteuerung für einige Funktionen dienen. So kann man ihn beispielsweise bei Selfies als Fernauslöser für die Kamera nutzen oder eine Powerpoint-Präsentation aus der Ferne dirigieren. Neu sind die sogenannten "Air Gestures", Gesten also, die man mit dem Stift in die Luft zeichnet, um Dinge auf dem Note 10 auszulösen.

Natürlich beherrscht der neue S-Pen auch Grundfunktionen wie Zeichnen, Malen und Schreiben, kann handschriftliche Notizen in digitalen Text umwandeln. Neu ist, dass man mit ihm auch in kurze Videos hineinmalen kann.

Dreieinhalb Kameras

Bei den Kameras der drei Modelle gibt es feine, aber wichtige Unterschiede. Alle drei haben für Selfies eine sogenannte Punch-Hole-Kamera mit 10 Megapixeln, die auf der Vorderseite in den Bildschirm eingelassen ist.

Im Rücken steckt eine Mischung aus Neuem und Altem. So verfügt die 12-Megapixel-Hauptkamera, wie beim Note 9, über eine variable Blende, die mechanisch zwischen f/1.5 und f/2.4 umgeschaltet werden kann. Ebenso kennt man auch die 12-Megapixel-Linse aus dem Vorgänger. Neu ist das 16-Megapixel-Weitwinkelobjektiv. Das Plus- und das 5G-Modell haben zudem einen Sensor, den Samsung "VGA-3D-Tiefenkamera" nennt. Letzterer misst sozusagen, wie weit die Objekte im Sucher vom Handy entfernt sind, und ermöglicht so eine feinere Steuerung künstlicher Unschärfen, zum Beispiel bei Porträts.

Mikrofone mit Zoom

Ohnehin gibt es Unschärfen bei den drei Note 10 nur auf Wunsch. Die Bildschirme basieren auf Samsungs Amoled-Technik, machen auf den ersten Blick den Eindruck, Farben realistisch und kontraststark wiederzugeben. Bei den Plus-Modellen zeigen sie 3040 x 1440 Pixel an, bei normalen Note 10 sind es 2280 x 1080 Pixel.

Die maximale Helligkeit gibt Samsung mit 1200 Nits an, was für ein Smartphone ein extrem hoher Wert ist. Ob das auch reicht, um gegen die Sonne anzukommen, lässt sich noch nicht beurteilen; mit den Testgeräten, die ich ausprobieren konnte, durfte ich den dafür angemieteten Raum nicht verlassen.

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Galaxy Note 9: Das Vorgängermodell im Test

Eine ungewöhnliche Neuheit sind die Mikrofone, für die Samsung so etwas wie einen Audio-Zoom verspricht. Konkret soll das so funktionieren, dass die drei Mikrofone beim Filmen genau die Geräusche aufzeichnen, die von den Objekten erzeugt werden, die auch im Bild sind. Was darum herum passiert, wird ausgeblendet. Damit nicht genug sollen die Mikrofone sozusagen ihren Fokus schärfen können, wenn man in ein Bild hineinzoomt, sodass sie auch dann nur den im jeweiligen Bildausschnitt produzierten Sound aufnehmen.

Viel Watt hilft viel

Die Ausdauer der beiden Note-10-Smartphones hat ein Samsung-Sprecher nur schwammig mit "einen Tag lang" angegeben. Die Akkus der drei Geräte sind allerdings so groß - 3500 Milliamperestunden (mAh beim Note 10, 4300 mAh beim Note 10+ und dem 5G-Modell), dass sie eine gute Ausdauer ermöglichen sollten.

Zudem soll das Aufladen dank einer "Super Schnellladen" genannten Ladetechnik besonders fix gehen. Samsung liefert ein Netzteil mit 25 Watt Leistung mit, das den Energiespeicher tatsächlich zügig befüllen dürfte. Beim Galaxy Note 10+ und dem 5G-Modell lässt sich der Vorgang noch beschleunigen, wenn man ein Drittanbieter-Netzteil mit bis zu 45 Watt verwendet.

Was sie haben, was fehlt und was sie kosten

Darüber hinaus sind alle Galaxy Note 10 mit der neuen Wifi-6-Technologie ausgerüstet und beherrschen den Bluetooth-5.0-Standard. Was die Note 10 nicht haben - und das wird einige Nutzer ärgern - ist eine Kopfhörerbuchse. Stattdessen legt Samsung einen USB-C-Headset und einen USB-C-auf-Audio-Adapter bei. Das mag nicht jedem gefallen, aber es ist zeitgemäß.

Hier die drei neuen Modelle im schnellen Überblick:

Galaxy Note 10

  • 6,3 Zoll Bildschirm
  • 8 GB Arbeitsspeicher
  • 256 GB Speicherplatz
  • Dreifach-Kamera
  • Preis: 949 Euro
Galaxy Note 10+
  • 6,8 Zoll Bildschirm
  • 12 GB Arbeitsspeicher
  • 256 / 512 GB Speicherplatz
  • Per microSD um 1 Terabyte erweiterbar
  • Vierfach-Kamera
  • 1099 / 1199 Euro
Galaxy Note 10+ 5G
  • 6,8 Zoll
  • 12 GB Arbeitsspeicher
  • 512 GB Speicherplatz
  • Per microSD um 1 Terabyte erweiterbar
  • Vierfach-Kamera
  • 5G-Modem
  • 1199 Euro

Alle Modelle sind laut Samsung ab dem 23. August verfügbar.

So hat der Vorgänger im Test abgeschnitten


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marcuslynch 07.08.2019
1. Inkremental
Samsung macht hier vieles richtig und wird seine Abnehmer finden. Allerdings sind die inkrementellen Verbesserungen auch in diesem Konzern angekommen. Sprich, die meisten User haben schon lange genug Rechenleistung (flüssige Bedienung) und eine Kamera, die für ordentliche Schnappschüsse reicht. Da lockt man auch mit einem Pen keine Katze hinterm Ofen vor. Das Smartphone ist zu einem Alltagsgegenstand geworden. Etwas, das man jeden Tag ganz selbstverständlich nutzt. Und nicht mehr der potentielle Mittelpunkt eines Smalltalks. Ich bin gespannt, was "the next big thing" wird.
bytebuster 07.08.2019
2. Akku wieder mal nicht wechselbar, toll!
Alle reden über den Klimaschutz, aber die Smartphone Hersteller möchten weiterhin, dass das Handy alle zwei bis drei Jahre durch einen gealterten Akku defekt geht. Da der Akku mal wieder nicht wechselbar ist, ist das teure Schätzchen in wenigen Jahren Sondermüll, obwohl die gebotene Leistung und technische Ausstattung locker für sechs bis sieben Jahre ausreichen würde. Die EU regelt die Größe von Kartoffeln und die Biegung von Bananen, aber den Herstellern einen wechselbaren Akku vorzuschreiben, scheint am Lobbyismus zu scheitern. Lächerlich!
riosolar 07.08.2019
3. Photos besser als Note 9 oder Galaxy S 10?
Überholt die Kamera alle bisherigen Samsungmodelle und die des Huawei P 30 Pro?
subduction 08.08.2019
4. Zeitgemäss? - Blödsinn
Das weglassen einer 3.5mm Kopfhörerbuchse ist mit nichten "zeitgemäss" Wie kommt der Autor zu so einer unsinnigen Aussage. Fakt ist jetzt wird das Signal digital an der USB Buchse ausgegeben, muss im unhandlichen Adapter zu analog gewandelt werden um dann zum Kopfhörer zu gelangen. Das ist zu viel Konvertiererei und ausserdem zu viele unnütze Kabelschnittstellen. Also der verzicht auf einen analogen Kopfhörerausgang ist Unsinn und ein Rückschritt!
frankfurtbeat 08.08.2019
5. nun ...
nun wer´s braucht ... was macht man mit einem mobile tatsächlich? Die Umgebung beim Telefonieren grillen, selfies, telefonieren, messaging, Notizen, schnell mal Taschenlampe oder Rechner, 583 mails checken ... permanent mit sich herumtragen da man ja etwas verpassen könnte und aufpassen das es nicht gestohlen wird oder gar herunter fällt ... sorry aber mein inzwischen 2,5 Jahre altes smartphone funktioniert noch immer und ja ich habe bis dato überlebt.
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