Samsung Galaxy Tab S Achtung, Apple, hier wird's gefährlich

Mit großem Tamtam hat Samsung in New York seine neuen Tablet-Topmodelle vorgestellt. Sie sind dünner und leichter als Apples iPads. Sind sie auch besser? Wir haben es ausprobiert.

Matthias Kremp

Aus New York berichtet


Samsung hat es gerne groß. Reichte dem Konzern 2013 noch die Radio City Music Hall in New York, um das Highend-Handy Galaxy S5 vorzustellen, wurde für die Vorstellung der beiden neuen Tablet-Rechner vom Typ Galaxy Tab S gleich der Madison Square Garden angemietet. Am Vorabend hatten dort noch die New York Rangers vor Tausenden Zuschauern gegen die Mannschaft aus Los Angeles Eishockey gespielt. Das opulente Umfeld soll offensichtlich signalisieren: "Was wir euch hier heute zeigen, ist uns wichtig. Sehr wichtig."

Besonders überraschend war es dann nicht, was die Koreaner auf der riesigen Bühne präsentierten: Längst waren fast alle technischen Daten durchgesickert, Blogger hatten Fotos des Geräts zugespielt bekommen und verbreitet. Doch Daten und Bilder vermitteln eben nicht, was so ein Gerät wirklich ausmacht, also wie es sich anfühlt, wie es reagiert und ob es Spaß macht, damit umzugehen. Ich hatte am Rande der Veranstaltung in New York eine erste Gelegenheit, genau das in Erfahrung zu bringen.

Dabei fielen mir als erstes die Bildschirme auf: Ein Effekt, der von Samsung gewollt ist und den die Mitarbeiter zu verstärken versuchten, indem sie mehrere der neuen Geräte so aufgebaut hatten, dass die Unterschiede zu herkömmlichen LCD-Bildschirmen besonders deutlich auffielen. Immerhin, das muss man positiv vermerken, wurden stets nur andere Samsung-Tablets zum Vergleich aufgebaut und nicht etwa Konkurrenzprodukte (siehe Bildergalerie).

Der Fünf-Kreditkarten-Bildschirm

Bei diesen Vergleichen wurde deutlich, was die neuen Bildschirme ausmacht, die trotz unterschiedlicher Größe - 8,4 oder 10,5 Zoll - dieselbe hohe Auflösung von 2560 mal 1600 Bildpunkten anzeigen:

  • Sie weisen extrem hohe Kontraste auf, zeigen sehr tiefes Schwarz und helles Weiß an.
  • Farben wirken sehr stark. Laut Samsung ist der Farbumfang der verwendeten LED-Technik größer als bei LCD-Bildschirmen. Vor allem die in Landschaftsaufnahmen häufig vorkommenden Farbtöne Rot, Blau und Grün profitieren davon.
  • Der seitliche Blickwinkel ist sehr groß. Selbst wenn man fast horizontal darauf schaut, bleiben Farben stabil und die Schrift scharf.
  • Mithilfe eines Lichtsensors werden Farbumfang, Sättigung und Schärfe in Abhängigkeit vom Umgebungslicht geregelt. Bei Kerzenlicht zeigt der Bildschirm Bilder also anders an als im Sonnenschein. Die Ergebnisse sind beeindruckend (siehe Bildergalerie).

Auch für die Konstruktion ist die von Samsung entwickelte Super-Amoled-Technik wichtig. Eine Designerin erklärte, nur damit sei es möglich, die Geräte so schlank zu bauen, wie sie sind: 6,6 Millimeter sind die beiden Modelle dick, also noch mal einen Hauch dünner als Apples iPad Air. Samsung protzt, dass sei so dünn wie fünf Kreditkarten. Ich musste allerdings sieben solcher Karten stapeln, um auf dieselbe Höhe zu kommen (siehe Bildergalerie). Zugegeben, so viele Kreditkarten besitze ich gar nicht, weshalb ich auch ein paar Kundenkarten stapelte.

Ein bisschen dünner, ein bisschen leichter

Trotzdem sind beide Tablet-Versionen sehr schlank, fühlen sich deshalb aber nicht empfindlich an. Wer dem dünnen Schein nicht trauen mag, kann sich eine der von Samsung als Zubehör angebotenen Hüllen zulegen, die Schutz bieten sollen. Dafür haben sich die Designer ein neues Klicksystem ausgedacht, das Hülle und Gerät anders als bei den iPads nicht mit Magneten, sondern mechanisch stabil miteinander verbindet.

Neben dem schlanken Auftritt beeindruckt das geringe Gewicht der beiden Galaxy Tab S: Das 10,5-Zoll-Modell wiegt nur 465 Gramm, die 8,4-Zoll-Variante 294 Gramm. Damit sind sie leichter als die Gegenstücke vom Hauptkonkurrenten Apple, das iPad Air und das iPad mini mit Retina Display. Mit bloßer Hand spürbar ist der Unterschied nicht.

Mit Kampfpreisen gegen Apple

Die Markteinführung der beiden superdünnen Tablets soll im Juli erfolgen. Die Preise liegen dann bei 399 Euro für das Galaxy Tab S 8.4 und bei 499 Euro für das Galaxy Tab S 10.5, jeweils in der Version mit W-Lan und 16 GB eingebautem Speicher. Für ein integriertes LTE-Modul werden 100 Euro Aufpreis fällig, Varianten mit mehr Speicher soll es nicht geben, doch lassen sich die Geräte leicht per microSD-Karte um bis zu 128 GB erweitern.

Technische Daten

Hersteller Samsung Samsung
Modell Galaxy Tab S 8.4 Galaxy Tab S 10.5
Maße (mm) 126 x 213 x 6,6 247 x 177 x 6,6
Gewicht (g) 294 465
Bildschirmgröße 8,4 Zoll 10,5 Zoll
Bildschirmauflösung 2560 x 1600 2560 x 1600
Prozessor Octacore (4 x 1,9 GHz, 4 x 1,3 GHz) oder Dualcore* Octacore (4 x 1,9 GHz, 4 x 1,3 GHz) oder Dualcore*
Arbeitsspeicher 3 GB 3 GB
Massenspeicher 16 GB 16 GB
Speichererweiterung microSD (bis zu 128 GB) microSD (bis zu 128 GB)
Kamera (hinten/vorne) 8 Mpx / 2,1 MpX 8 Mpx / 2,1 MpX
Mobilfunktechnik LTE (optional) LTE (optional)
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0 LE 4.0 LE
Betriebssystem Android 4.4.2 Android 4.4.2
Besonderheiten Fingerabdruckscanner, Fingerabdruckscanner,
Preis 399/499 499/599

Alle Daten sind Herstellerangaben *Regional unterschiedlich

Mit dieser Ausstattung und diesen Preisen bietet Samsung derzeit die attraktivsten Android-Tablets an. Die Bildschirme sind dem ersten Augenschein nach herausragend gut, die Technik schnell und auf dem neusten Stand. Aber vor allem in puncto Kaufpreis werden die Galaxy Tab S den Apple-iPads Konkurrenz machen: Bei Samsung kann man einiges sparen, wenn man viel Speicher braucht, der bei iPads sehr teuer ist. Wer Android als Tablet-Betriebssystem mag, dem dürfte die Wahl also leicht fallen.



insgesamt 156 Beiträge
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spon-facebook-1314890360 13.06.2014
1. Respekt vor Matthias Kremp
Sonst schreibt er als Apple Jünger ja immer deren Geräte schön, bin positiv überrascht, dass er sich hier auch mal so wohlwollend über die Konkurrenz äußert. Vielleicht ein Indiz, dass diese Tablets wirklich besser sind als zuvor? ;)
sesky 13.06.2014
2. stark
echt verlockend. wird sicherlich auch apple-fans nützen da apple sicherlich technisch und preislich nachziehen möchte
SkeptischerLeser 13.06.2014
3. Kampfpreis?
EUR 499 für ein 10" Pad ist nun nicht gerade ein Kampfpreis. Das iPad gibt es ab 479. Deutlich unter EUR 400 wäre ein Kampfpreis, so wie ich das verstehe. Oder war mit Kampfpreis gemeint das Samsung kämpfen muss? Das kommt eher hin.
resomax 13.06.2014
4. Der letzte Satz ist der Entscheidende...
Der letzte Satz ist der Entscheidende: "Wer Android als Tablet-Betriebssystem mag, dem dürfte die Wahl also leicht fallen." Mag ich nicht und will ich nicht! Und Millionen von zufriedenen iOS Nutzern mögen auch nicht. Danke Hr. Kremp, die Wahl ist leicht gefallen! p.s.: vor allem bei einer solchen peinlichen Firma wie Nachmachsung - hier zum Lachen und Fremdschämen: http://www.thegalaxy11.com/en/home#thematch (The Galaxy 11 vs Aliens)
olivervöl 13.06.2014
5. Nachgezogen
Jetzt ist Samsung also hardwaremäßig, was Größe und Gewicht angeht, bei Apples iPad Air angekommen. Das Konzept ist genau dasselbe, einen Vorteil sehe ich nicht: - die mechanische Klickverbindung zur Hülle ist immerhin eine interessante Idee - die OLED-Displays bieten einen enormen Kontrast und eine Winkel-Unabhängigkeit, brauchen aber auch deutlich mehr Strom, wenn sie weiße Inhalte darstellen. Außerdem kriegen sie nach jahrelangem Gebrauch einen Farbstich, weil die verschiedenen Farben ungleich altern. - Zur Akkulaufzeit kein Wort, ist dies vielleicht der Preis für das superflache Design? - eine 64-Bit-Architektur wie Apples iOS hat Android bislang nicht einmal angekündigt, das wirkt sich auf die Performance aus - zum Fingerabdruckscanner lese ich nichts, der taugt vermutlich ebenso wenig wie der des Galaxy S5. Mit der nächsten Generation von iPads wird Apple vermutlich in diesem Jahr nachziehen, aber dann mit einer brauchbaren Touch ID - Die verfügbaren Apps sind bei Android Tablets beim besten Willen nicht auf dem Niveau des iPads - das Plastikgehäuse ist natürlich billiger, dürfte aber auch weniger stabil sein Insgesamt ist Samsung, was die Elektronik angeht, von allen Herstellern am nächsten an Apple dran. Bei Software und der Gehäusetechnik sind sie auf dem Niveau von allen anderen. Solange Apple wie jetzt mit iOS 8 mit dem Betriebssystem und den Apps klar die Führung behält, wird Samsung hinterherlaufen müssen. Von Google ist wenig zu hören, was die Weiterentwicklung von Android angeht. Es wäre auch interessant zu erfahren, wie lange das Samsung Galaxy Tab S mit Updates unterstützt werden soll.
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