Galaxy Z Flip Dickes Handy, schmale Zielgruppe

Samsung probiert ein neues Konzept für ein faltbares Smartphone aus. Im Test erwies sich das Galaxy Z Flip als faszinierend, teuer und mittelmäßig.
Klappkamera: Das Samsung Galaxy Z Flip lässt sich in fast jeder Position anwinkeln

Klappkamera: Das Samsung Galaxy Z Flip lässt sich in fast jeder Position anwinkeln

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Im Vergleich zum ersten faltbaren Smartphone von Samsung ist das Galaxy Z Flip ein Schnäppchen: 1480 Euro kostet der zweite Versuch der Koreaner, ein Handy mit einem Bildschirm auszustatten, der nicht so oft kaputt geht, wenn man ihn knickt. Das Galaxy Fold 5G vom Vorjahr steht noch mit 2100 Euro in Samsungs Preisliste. Verglichen mit herkömmlichen, starren Smartphones ist das Z Flip allerdings sehr teuer. Dafür kann man schon etwas Luxus erwarten.

Dieser Luxus manifestiert sich in einer Form, die die Älteren unter uns noch aus den Neunziger- und frühen Zweitausenderjahren kennen: Klapphandys, wie beispielsweise Motorolas Razr V3. Und tatsächlich funktioniert das Galaxy Z Flip ganz ähnlich: Zusammengeklappt füllt es gerade einmal meine Handfläche aus, aufgeklappt wird es zu einem stattlichen Smartphone. Mit dem feinen Unterschied, dass es sich nicht, wie Motorolas Razr damals, zu einem kleinen Bildschirm samt kleiner Tastatur entfaltet.

Stattdessen wird aus dem kleinen klobigen Handy-Quadrat ein in die Länge gestrecktes XL-Smartphone mit einem 6,7 Zoll großen Bildschirm. Der ist mit 2636 x 1080 Pixeln nicht nur sehr fein auflösend, sondern auch sehr hell, mit kräftigen Farben. Dank HDR10+ und dem Format 21,9:9 macht es richtig Spaß, darauf Kinofilme anzuschauen.

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Das ist das Samsung Galaxy Z Flip

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Weniger Spaß macht dagegen die Empfindlichkeit des Bildschirms gegenüber Fingerschmutz. Zwar verwendet Samsung ein neuartiges, biegsames Glas für das Display, doch auf dieses Glas wird in der Fabrik eine Kunststofffolie geklebt, die Fingerabdrücke regelrecht anzieht. Zudem ist diese Kunststoffbeschichtung anfällig für Kratzer. Wohl deshalb hatte es mir Samsung im Leihvertrag meines Testgeräts ausdrücklich untersagt, das Gerät "absichtlich fallen zu lassen, zu zerkratzen oder sonstwie zu beschädigen." Muss ich auch nicht, das haben schon andere gemacht.

Abgesehen von dieser störenden Plastikfolie wirkt das Galaxy Z Flip so, wie man es früher den Autos von Mercedes nachgesagt hat: zugleich edel und robust. Mit seinen 183 Gramm liegt es schwer, ein Verkäufer würde sagen "wertig", in der Hand. Beim Auf- und Zuklappen bewegt sich das dicke mechanische Scharnier geräusch- und ruckelfrei, lässt das Display nicht einfach aufploppen, sondern hält den Bildschirm so straff fest, dass man ihn in fast beliebigen Positionen anwinkeln kann. Nur auf die letzten 10, 15 Grad klappt es dann doch ganz auf.

Beidhändig ist besser

Daran kann man sich schnell gewöhnen. So ging es mir jedenfalls, als ich das Gerät eine gute Woche lang überall hin mitgenommen habe. Die robuste Konstruktion hat dabei auch ihre Nachteile: Konnte man Handys wie das Razr V3 damals noch lässig einhändig aufklappen, fällt mir derselbe Trick mit dem Z Flip schwer. Trotz meiner langen Finger geht das nur langsam und hakelig. Also habe ich es lieber beidhändig benutzt.

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Lesen, Fotos oder Filme angucken und das Tippen kurzer Nachrichten funktionieren prima. Das von Samsung gepriesene Multitasking mit zwei übereinander geöffneten Apps erscheint mir bald überflüssig. Dem von Samsung entwickelten Flex Mode, bei dem eine App in zwei Bereiche geteilt wird - oben Bild, unten Benutzeroberfläche – ergeht es nicht anders. Zum einen gibt es kaum Apps, die das unterstützen, bei der Kamera und dem Taschenrechner ist es mir aufgefallen. Zum anderen stellt sich mir die Frage, wann ich das sinnvoll einsetzen soll. Im Sitzen geknipste Selfies fallen mir ein, mehr nicht.

Auch das winzige Außen-Display ignoriere ich schon am zweiten Tag. Es zeigt Datum, Uhrzeit und Akkuladung an, kann mit einem roten Punkt auf neue Nachrichten hinweisen. Außer als Ablenkung in langweiligen Meetings ist das nur maßvoll nützlich. Das einzige, wofür mir das Bildschirmchen nützlich erscheint, sind Selfies, die ich mit den Hauptkameras mache. Dafür kann man das Z Flip auf den Tisch stellen und sich auf dem Außen-Display anzeigen lassen, was die Kamera sieht. Zugegeben: ein eher seltener Anwendungsfall.

Sitz-Selfie mit den Hauptkameras: Bildkontrolle per Mini-Display

Sitz-Selfie mit den Hauptkameras: Bildkontrolle per Mini-Display

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Die 12-Megapixel-Kameras selbst sind gut. Aber lange nicht so gut, wie man es von einem fast 1500 Euro teuren Smartphone erwarten würde. Verglichen etwa mit einem iPhone 11 wirken ihre Aufnahmen oft stark von der Automatik bearbeitet. Während das bei gutem Licht kaum auffällt, machen sich die Unterschiede bei wenig oder schwierigem Licht deutlich bemerkbar.

Fazit

Das Galaxy Z Flip hat einen faltbaren Bildschirm. Seine Akkulaufzeit war in meinem Test mit zwölf Stunden Dauer-Videowiedergabe ausreichend, aber nicht berauschend. Der Speicher ist für die Preisklasse mit 256 Gigabyte ausreichend, aber nicht üppig bemessen und kann nicht erweitert werden. Die Kameras sind ausreichend gut, aber nicht überwältigend. Immerhin ist der Bildschirm ziemlich gut.

Damit dürfte klar sein: Der Preis von 1480 Euro liegt nur am biegsamen Bildschirm, nicht an der übrigen Technik. Damit ist Samsungs Galaxy Z Flip ein dickes Handy für eine schmale Zielgruppe.

Pro

  • Schickes Designkonzept

  • Guter Bildschirm

  • Hochwertige Verarbeitung

Kontra

  • Hoher Preis

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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