Galaxy Z Fold 3 im Test Samsungs edler Faltenwurf

Es ist billiger als der Vorgänger, aber nicht viel. Es soll besser sein, aber das sieht man nicht. Der Test zeigt, weshalb Samsung neues Falt-Phone trotzdem etwas Besonderes ist. Kaufen werden Sie es aber eher nicht.
Ganz schön groß: Das Galaxy Z Fold 3 mit einem Foto des Galaxy Z Fold 2

Ganz schön groß: Das Galaxy Z Fold 3 mit einem Foto des Galaxy Z Fold 2

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Als ich das neue Z Fold 3 von Samsung zum ersten Mal in der Hand hielt, hatte ich den Eindruck, dass sich nicht viel verändert hat, verglichen mit dem Modell von 2020. Eine Fehleinschätzung, wie sich nach einigen Tagen, an denen ich das Testgerät im Alltag benutzt habe, gezeigt hat.

Allerdings sind manche Neuerungen subtil und andere überhaupt nicht zu sehen, jedenfalls nicht von außen. Das Scharnier beispielsweise, von dem die beiden Hälften des faltbaren Smartphones zusammengehalten werden, ragt knapp eineinhalb Millimeter weniger weit aus dem Gehäuse. Dadurch ist das Gerät an seiner dicksten Stelle zusammengeklappt rund einen Millimeter schlanker. Einen ähnlich feinen Unterschied erkenne ich beim Aufklappen an der Verbindungsstelle der beiden Gehäuseteile, die beim alten Modell ein bisschen mehr Luft hat.

Das Gelenk des Fold 2 (unten) hat eine größere Öffnung als das des Fold 3, Wasser und Staub können aber auch beim neuen Modell in den Zwischenraum eindringen

Das Gelenk des Fold 2 (unten) hat eine größere Öffnung als das des Fold 3, Wasser und Staub können aber auch beim neuen Modell in den Zwischenraum eindringen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Dass in das neue Modell trotzdem noch Wasser eindringen kann, sieht man, wenn man es in ein gefülltes Waschbecken eintaucht, denn dann blubbern Luftblasen heraus. Das muss so sein und ist Teil des Konzepts, nach dem Samsung das Z Fold 3 als erstes Falthandy wasserfest gemacht hat: Die Seitenteile sind dicht, in den Zwischenraum darf gerne Feuchtigkeit eindringen, der kann das ab. Eine unsichtbare, aber wichtige Verbesserung gegenüber allen bisherigen Falt-Smartphones.

Genau wie Wasser kann aber auch Staub eindringen. Samsung hat für das Fold 3 nur ein Zertifikat für Dichtigkeit nach dem Standard IPX8, der definiert, dass es eine halbe Stunde lang in einem Meter Wassertiefe durchhalten kann. Von Staub ist bei dieser Zertifizierung nicht die Rede. Insofern könnte es sogar sinnvoll sein, das Gerät gelegentlich in Wasser zu tauchen, um Partikel auszuspülen. Aber das ist nur eine vage Vermutung.

Schon schicker als vorher: Der Außenbildschirm des Galaxy Z Fold 3

Schon schicker als vorher: Der Außenbildschirm des Galaxy Z Fold 3

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Eine unmittelbar spürbare Verbesserung, zumindest, wenn man das Vorgängermodell kennt, ist der 6,2 Zoll große Außenbildschirm des Fold 3, der jetzt eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz (Hz) hat, genau wie das innere Display. Vorher waren es 60 Hz. Der Unterschied macht sich zum Beispiel beim Scrollen durch Webseiten bemerkbar, was auf dem neuen Display flüssiger wirkt. Zugegeben, das mag nicht für alle Anwenderinnen und Anwender gleichermaßen wichtig sein, aber bei einem High-End-Gerät wie diesem darf man diese Technik erwarten.

Fünf Kameras

Eher unerwartet ist für mich die In-Display-Kamera, die Samsung in den mit 7,6 Zoll riesigen Hauptbildschirm integriert hat. »In-Display« bedeutet, dass man sie eigentlich nicht sehen sollte, weil sie unter dem Bildschirm versteckt ist. Im Gegensatz zu dem unsichtbar feinen Raster des mit 2208 × 832 Pixel auflösenden übrigen Displays ist das Pixelraster über der Kamera allerdings weit gröber – und das fällt zumindest mir auf, fast immer. Genau wie die Falz in der Mitte der biegsamen Oberfläche des aus mehreren Schichten Kunststoff und Glas aufgebauten Displays. Nur beim Anschauen von Filmen vergesse ich, dass die Kamera da ist.

Eigentlich unsichtbar, uneigentlich aber dann doch immer zu sehen: die Selfie-Kamera im Haupt-Display

Eigentlich unsichtbar, uneigentlich aber dann doch immer zu sehen: die Selfie-Kamera im Haupt-Display

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Und auch wenn es technologisch beeindruckend ist, eine Kamera unter einem Display zu platzieren, für Selfies würde ich die 4-Megapixel-Knipse lieber nicht benutzen. Das kann die auf der Vorderseite angebrachte 10-Megapixel-Kamera sehr viel besser und bietet zudem einen Porträtmodus und eine Gruppenselfie-Funktion. Das Frontdisplay dient dabei als Bildkontrolle. Für Videokonferenzen hingegen kann man die In-Display-Kamera verwenden. Man sieht dann eben etwas weichgespült aus.

Selfies sollte man lieber mit der Frontkamera aufnehmen

Selfies sollte man lieber mit der Frontkamera aufnehmen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Wichtiger als die beiden Selfie-Cams sind naturgemäß die drei Kameras auf der Rückseite, die allesamt mit 12 Megapixel aufnehmen. Die Hauptkamera hat ein Weitwinkelobjektiv mit F1.8, ein Ultraweitwinkel mit F2.2 und ein Tele mit F2.4. Natürlich kann man auch mit diesen Kameras schlechte Fotos machen, aber die Ausbeute an guten Aufnahmen ist erfreulich hoch. Die Bildqualität erreicht nicht ganz das Niveau des Galaxy S21+ oder S21 Ultra, ist aber nah dran.

Die Aufnahmen bilden auch feine Details gut ab, sind hinsichtlich der Farbigkeit meist nah am Original und, wenn man das Motiv korrekt festlegt, auch scharf. Die Telekamera bietet bis zu zehnfache Vergrößerung an, wobei dann schon ein Teil der Bildpunkte errechnet werden muss, weil die optische Auflösung des Objektivs nicht so weit reicht. Qualitativ sind die Ergebnisse ansehnlich, aber wenn es richtig gut werden soll, sollte man lieber näher an das Motiv rangehen – sofern das möglich ist.

Fotostrecke

Samsung Galaxy Z Fold 3 Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die Fingernagelprobe

Eine weitere unsichtbare Veränderung ist in der Schutzfolie verborgen, die ab Werk auf das Display geklebt wird. Sie schützt den Bildschirm laut Samsung jetzt zu 80 Prozent besser gegen Kratzer als zuvor. Ohne Maßeinheit ist das zwar eine kaum brauchbare Aussage, aber mit einem Fingernagel konnte ich der neuen Folie keinen Schaden mehr zufügen. Das Fold 2 reagierte empfindlicher.

Unter der Schutzfolie befindet sich, ebenfalls unsichtbar, eine Sensorfolie, die es ermöglicht, mit einem Stift auf dem Display zu schreiben oder zu zeichnen. Dazu braucht man allerdings einen S Pen Pro (100 Euro) oder den S Pen Fold Edition (50 Euro), die nicht zum normalen Lieferumfang gehören. Falls Sie noch einen S Pen von einem Galaxy Note in der Schublade haben: Sorry, der funktioniert beim Fold 3 leider nicht. Wie gut die neuen Digitalstifte funktionieren, konnte ich noch nicht ausprobieren, offenbar herrscht da gerade ein gewisser Mangel.

Besser als Multitasking: Texte schreiben in Word, mit eingeblendeter Tastatur

Besser als Multitasking: Texte schreiben in Word, mit eingeblendeter Tastatur

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Multitasking, also der Umgang mit mehreren Apps gleichzeitig, funktioniert wie beim Vorgänger. Man kann also die Fenster von bis zu drei Apps nebeneinander öffnen und dann eine vierte darüber legen. Wie beim Fold 2 scheint mir das auf dem 7,6-Zoll-Display aber ein Overkill zu sein. Zwei Apps parallel zu nutzen, etwa, um Daten aus einer E-Mail in eine Excel-Tabelle zu übertragen oder um einen Livestream anzusehen und darüber zu chatten, funktioniert gut. Bei mehr Apps werden die Fenster zu klein.

Akku-Ausdauertest: Die erste Staffel von »Peaky Blinders«, so lange, bis das Handy sich abschaltet

Akku-Ausdauertest: Die erste Staffel von »Peaky Blinders«, so lange, bis das Handy sich abschaltet

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ähnlich unverändert ist meine Einschätzung des Akkus. In meinem Ausdauertest, der Wiedergabe eines Full-HD-Filmes bei voller Bildschirmhelligkeit, hielt das Galaxy Z Fold 3 rund 13 Stunden und 15 Minuten durch, eine Dreiviertelstunde länger als sein Vorgänger. Das ist in Anbetracht des großen Displays ein respektabler Wert und sollte einen im Alltag gut über den Tag bringen.

Fazit

Das Galaxy Z Fold 3 ist ein faszinierendes Stück Technik, das mich immer wieder an den Communicator von 1996 denken lässt. Genau wie bei Nokias Smartphone-Urahn bezahlt man die besonderen Extras, in diesem Fall den großen Bildschirm, mit einem klobigen Gerät und einer Menge Geld. Denn auch wenn Samsung den Preis gegenüber dem Fold 2 um 200 Euro gesenkt hat, ist das Fold 3 mit knapp 1800 Euro ein Gadget für eine schmale Zielgruppe: Leute, die es sich leisten können und solche, die es sich leisten wollen.

Die bekommen für den stattlichen Preis allerdings auch mehr als bei einem starren Smartphone: Mehr Bildschirm, mehr Möglichkeiten, mehr Prestige. Was das neue Modell zeigt ist, dass die Falttechnik mittlerweile eine Reife erreicht hat, die sie tauglich für den Massenmarkt machen könnte. Das 750 Euro billigere Z Flip 3 dürfte dafür allerdings der geeignetere Kandidat sein, obwohl es weniger kann.

Ein Netzteil legt Samsung übrigens beiden Edel-Modellen nicht bei.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.