Verkauf von Gebrauchtgeräten Wenn der Automat das Smartphone bewertet

Millionen ältere Handys liegen unbenutzt in der Schublade. Dabei gibt es für manche Gebrauchtgeräte noch gutes Geld - in Handyläden sowie im Internet, mittlerweile aber auch an Automaten im Elektromarkt.

Vorführung des Systems in München: Ab mit dem Handy in den Automaten
Lino Mirgeler / DPA

Vorführung des Systems in München: Ab mit dem Handy in den Automaten


In Deutschland werden dieses Jahr rund 22 Millionen neue Smartphones gekauft. Zugleich liegen noch etwa 124 Millionen Altgeräte in Schubladen und Schränken herum, schätzt der Digitalverband Bitkom. Dabei bieten Ankäufer in Handyläden und im Netz mitunter gutes Geld für ungenutzte und damit oft gut erhaltene Modelle.

Bei der Elektrohandelskette Media Markt lassen sich Gebrauchthandys jetzt auch am Automaten loswerden. Das funktioniert so ähnlich wie die Rückgabe der Pfandflasche im Supermarkt: Das alte Mobiltelefon wird in den Automaten gesteckt und dort bewertet. Den Gegenwert kann der Kunde dann, wenn er ihm fair erscheint, sofort als Einkaufsgutschein mitnehmen.

Auch defekte Geräte, beispielsweise mit gebrochenem Display oder Wasserschaden, werden angenommen. MediaMarkt-Saturn-Managerin Sonja Moosburger spricht am Mittwoch in München von einer "praktischen und vor allem nachhaltigen Alternative", alte Mobiltelefone zu entsorgen.

In Bayern und Nordrhein-Westfalen

Saturn, das zur selben Unternehmensgruppe gehört, testet ähnliche Handy-Ankauf-Automaten bereits in Filialen in Berlin und Potsdam. Das komme bei den Kunden gut an, heißt es, viele Tausend Geräte seien schon eingetauscht worden. "Wir sind so zufrieden, dass wir das jetzt auch bei MediaMarkt testen", sagt Sonja Moosburger. Zum Start sind zehn Märkten in Bayern und Nordrhein-Westfalen dabei: in München-Haidhausen, München-Solln, Erding, Ingolstadt, Landshut, Rosenheim, Köln, Bonn, Düsseldorf und Eschweiler.

Die eingesetzten Automaten des US-Hersteller ecoATM sind in den USA und Großbritannien schon seit Jahren im Einsatz. Etwa die Hälfte der Geräte könne weiterverkauft werden, sagt ecoATM-Europamanager Christoph Janeba. Im Internet gebe es große Handelsplattformen, sagt er, "in Asien und Afrika gibt es große Märkte": "Und auch Versicherungen kaufen viel, wenn sie gleichwertige Geräte versichert haben."

Lesetipp

Dass die Automaten auch defekte Altgeräte annehmen, ergibt Sinn. Denn manchmal kann zum Beispiel das Display oder die Kamera noch als Ersatzteil verwendet werden. Zudem enthält ein Handy im Durchschnitt rund 8 Gramm Kupfer, 4 Gramm Kobalt, 0,2 Gramm Silber und 0,025 Gramm Gold - das hat das bayerische Landesamt für Umwelt errechnet.

In den 124 Millionen deutschen "Schubladenhandys" stecken geschätzt insgesamt mehr als 1000 Tonnen Kupfer, 487 Tonnen Kobalt, 33 Tonnen Silber, 3 Tonnen Gold und 1 Tonne des noch wertvolleren Metall Palladium. Das ist zu schade für den Hausmüll - zumal dann Blei und Nickel die Umwelt belasten.

203 Euro für ein Samsung Galaxy S9

Wie das System praktisch funktioniert, führt Christoph Janeba an zwei Beispielen vor: Er legt ein gebrauchtes Samsung Galaxy S9 in die Klappe des Automaten und schließt es an. Der Automat erkennt elektronisch und optisch Modell und Zustand des Geräts und bietet dem Besitzer einen Betrag an - in diesem Fall 203 Euro. Stimmt der Besitzer zu, druckt der Automat einen Einkaufsgutschein aus und schluckt das Handy. All das dauert nur wenige Minuten. Bei einem alten Samsung S 1 dagegen meldet er nur: "Kein Barwert." "Unsere Preise passen sich an die Marktwerte an", sagt Janeba.

So sieht der Automat im Laden aus
Lino Mirgeler / DPA

So sieht der Automat im Laden aus

Kunden, die ihr Handy über solch einen Automaten loswerden wollen, sollten sich trotzdem selbst für die Preissituation informieren. Das Vergleichsportal Handyverkauf.net zum Beispiel nennt die aktuellen Preise großer Ankaufs-Plattformen wie Zoxs, Clevertronic, Rebuy und mySwooop. Und neben Anbietern wie Saturn und MediaMarkt kauft auch die Telekom gebrauchte Handys, bei Vodafone gibt's Gutscheine.

Ein weiterer großer Markt sind die Ebay-Plattformen. Bei Ebay-Kleinanzeigen etwa bekamen Verkäufer für das iPhone 8 mit 64 GB-Speicher Anfang September im Durchschnitt 360 Euro.

Dieben, die gestohlene Smartphones schnell im Elektromarkt versilbern wollen, machen es die ecoATM-Automaten übrigens schwer: Mit gesperrter Sim-Karte lohnt sich der Verkauf nicht, zudem prüft der Automat auch, ob die Gerätenummer als gestohlen gemeldet wurde. Der Verkäufer müsse auch noch seinen Namen angeben und beim Einlösen des Bons an der Kasse seinen Ausweis parat haben, erklärt Christoph Janeba.

Roland Losch, dpa/mbö



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
widower+2 18.09.2019
1. Warum kein Pfandsystem?
Neben diesen Automaten sollten auch noch welche stehen, die eben nicht "kein Barwert" melden, sondern ausgediente Handys zu einem bescheidenen Preis zurücknehmen müssen. Zum Beispiel 3 Euro. Dann könnte man die wertvollen "Inhaltsstoffe" vielleicht wirtschaftlich vertretbar recyceln. 30 Tonnen Gold sind alleine schon 1,2 Milliarden Euro. Die zehn alten und defekten Handy von mir und meinen Kindern, die hier rumliegen und nahezu sicher keinen Barwert im Sinne des besprochenen Automaten mehr haben, werden sonst irgendwann mit Sicherheit im Hausmüll landen.
oui 18.09.2019
2. alles läuft falsch!
ein Gutschein führt zum Ersatzkauf! Handy' s aber sind Geisel der Menschheit... Man sollte sie ja zurückgeben, aber keine mehr erwerben (müssen) ! Man muss sich solche Wahrheiten auf der Zunge zergehen lassen: Bundesbahntickets im Vorverkauf ausserhalb der Bahnhöfe nur noch auf Handy! Der einzige umweltfreundliche Fernverkehrsmittel der Bundesrepublik hat sich wegen Privatisierung vom Handy total abhängig machen lassen!!! So wird man die Umweltziele nie erreichen.
widower+2 18.09.2019
3. Nicht ganz!
Zitat von ouiein Gutschein führt zum Ersatzkauf! Handy' s aber sind Geisel der Menschheit... Man sollte sie ja zurückgeben, aber keine mehr erwerben (müssen) ! Man muss sich solche Wahrheiten auf der Zunge zergehen lassen: Bundesbahntickets im Vorverkauf ausserhalb der Bahnhöfe nur noch auf Handy! Der einzige umweltfreundliche Fernverkehrsmittel der Bundesrepublik hat sich wegen Privatisierung vom Handy total abhängig machen lassen!!! So wird man die Umweltziele nie erreichen.
Die Menschheit ist Geisel der Handys und Handys sind die Geißel der Menschheit.
Hans123456789 19.09.2019
4. Legal ?
Wie prüft der Automat, ob das Handy dem Verkäufer gehört ? Gestohlene Handys erhalten durch diese Automaten einen Marktwert, den sie vorher nicht hatten , oder?
ich2010 19.09.2019
5.
Zitat von ouiein Gutschein führt zum Ersatzkauf! Handy' s aber sind Geisel der Menschheit... Man sollte sie ja zurückgeben, aber keine mehr erwerben (müssen) ! Man muss sich solche Wahrheiten auf der Zunge zergehen lassen: Bundesbahntickets im Vorverkauf ausserhalb der Bahnhöfe nur noch auf Handy! Der einzige umweltfreundliche Fernverkehrsmittel der Bundesrepublik hat sich wegen Privatisierung vom Handy total abhängig machen lassen!!! So wird man die Umweltziele nie erreichen.
wie bitte? Wenn ich DB.de aufrufe kann ich mir Bahntickets kaufen. Die kann ich ausdrucken. Ich kann in den Bahnhof gehen und mir am Schalter ein Ticket holen - so wie vor 30 Jahren auch schon. Was genau hat das jetzt mit einem Handy zu tun? Und niemand ist gezwungen sich ein neues Handy zu kaufen. In den Elektronikmärkten kann man mit dem Gutschein z.B. Akkus und Ladegeräte kaufen, Energiesparlampen, Küchengeräte und vieles mehr.
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