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Elektronikverbot auf USA-Flügen: Kein iPod, kein Laptop, kein Kindle

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Gerüchte über Elektronikverbot auf USA-Flügen Kein iPod, kein Laptop, kein Kindle

Fluggästen drohen langweilige Reisen: In den USA experimentieren Airlines offenbar damit, Passagieren die Nutzung von mitgebrachter Elektronik an Bord zu verbieten. Tech-Blogger sind entsetzt.

Harry McCracken vom Technik-Blog Technologizer  ist empört: "Auf internationalen Flügen darf man keine mitgebrachte Elektronik mehr benutzen?" titelt er am Sonntagmittag. Seine Reaktion: "Dann werde ich nie wieder international fliegen". So wie McCracken geht es wohl vielen Technik-affinen Vielfliegern in den USA. Wenn sich bestätigt, was im Moment durch die Blogosphäre schwirrt und per Twitter weitergegeben wird, müssen sich Geschäftsreisende und Technik-Fans künftig auf ausgesprochen langweilige und unproduktive Flüge einstellen.

Auf einigen Strecken, ist der Gebrauch mitgebrachter Unterhaltungselektronik offenbar schon jetzt, im Schnellverfahren, unterbunden worden. Das legen einige Twitter-Meldungen nahe, auf die sich das Tech-Blog Techcrunch  bezieht. So berichtet die Marktforscherin Charlene Li  nach einem Flug von Kanada in die USA: "Neue Regeln für Flüge: Körper abtasten, das Elektronikverbot gilt nur auf internationalen Flügen, haben meinen Anschlussflug verpasst". Etwas später ergänzt sie noch: "Also kein Kindle, kein Laptop auf internationalen Flügen. Die Kinder haben geschlafen und gelesen. Ich habe an meinem Buch gearbeitet - mit Papier und Bleistift."

Für Techcrunch sind das "üble Neuigkeiten", wenn sie sich bestätigen. Denn eine offizielle Aussage der TSA, der für die Sicherheitskontrollen in den USA zuständigen Transport Security Administration, gibt es noch nicht, deren Liste auf Flügen verbotener Gegenstände  ist auch nach dem missglückten Anschlag auf Flug Northwest 253 nicht geändert worden.

Stattdessen weist die TSA Passagiere, die vom Ausland in die USA fliegen wollen, lediglich dazu an, mehr Zeit für die verschärften Sicherheitskontrollen einzuplanen, weil diese um neue Maßnahmen ergänzt worden seien. Bemerkenswert am TSA-Statement zu Northwest 253  ist allerdings eine Passage in der es heißt "Diese Maßnahmen sind dazu ausgelegt, unvorhersehbar zu sein. Passagiere sollten daher nicht damit rechnen, überall dasselbe zu sehen."

Die TSA will vermeiden, dass sich potentielle Attentäter auf eine bestimmte Methode spezialisieren, um Sprengstoff oder Waffen an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln. Stattdessen soll möglicherweise mit ständig wechselnden Einschränkungen und Spezialkontrollen ein nicht vorhersehbares Sicherheitsnetz gesponnen werden.

Sitzen bleiben, bitte

Dazu gehören offenbar auch Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Fluggäste. Wie die " New York Times " am Sonntag berichtet, haben mehrere Airlines bereits bestätigt, dass ihre Passagiere künftig bei Flügen in die USA die letzte Stunde vor der Landung sitzend verbringen müssen. Das Herumlaufen im Jet, um den Kreislauf nach dem langen Transatlantikflug in Schwung zu bringen, wäre damit nicht mehr möglich.

Zusätzlich sei es den Passagieren verboten auf ihr Handgepäck zuzugreifen oder persönlichen Gegenstände in den Schoß zu legen. Zudem soll das Handgepäck künftig auf ein Stück limitiert werden. Für viele Reisende dürfte dies eine Abkehr von lange antrainierten Gewohnheiten und Freiheiten bedeuten. Ähnliche Einschränkungen werden bereits von inneramerikanischen Flügen berichtet. So sei es den Passagieren auf einem Flug von New York nach Tampa in Florida bereits untersagt worden, während des Fluges aufzustehen oder Laptops zu benutzen.

Schluss mit Internet und iPod während des Fluges

Sollten solche Maßnahmen tatsächlich Standard werden, dürfte dies etlichen Fluglinien sauer aufstoßen, die in den vergangenen Jahren teilweise substantielle Millionenbeträge investiert haben, um die Bordelektronik ihrer Airlines zu modernisieren, um drahtlose Internetzugänge während des Fluges verfügbar zu machen.

So haben beispielsweise bereits sieben US-Fluggesellschaften, darunter American Airlines, Delta und Virgin America das Gogo-Inflight-Internet-System von Aircell an Bord ihrer Maschinen installiert, mit dem man zumindest innerhalb der USA während des Fluges ins Web gehen kann - und heimsen dafür von ihren Passagieren reichlich Lob ein. Während der Weihnachtssaison, vom 10. November bis zum 15. Januar, offeriert Virgin America, mit Google als Sponsor , den Dienst sogar kostenlos.

Andere Airlines locken damit, dass Passagiere ihre mitgebrachten Geräte an die Bordunterhaltungssysteme anschließen können. So lässt beispielsweise Singapore Airlines  19 neue Airbus A330 mit einem System von Panasonic ausstatten, das es ermöglicht, über die In-Seat-Bildschirme auf die Inhalte mitgebrachter iPods zuzugreifen. iPod-Filme können so auf dem großen Bildschirm angeschaut, iPod-Musik über die Kopfhörer des On-Bord-Systems angehört werden - und nebenbei wird auch noch der Akku des Multimedia-Players geladen. Mindestens sechs weitere Fluggesellschaften  haben ähnliche Systeme bereits im Einsatz.

"Nur noch im Tiefschlaf"

Diese moderne Technik nun wieder abzuschalten, so fürchtet M.G. Siegler von Techcrunch, wäre wohl reiner Aktionismus. Hätte die TSA ernsthafte und begründete Bedenken, was die Nutzung solcher Geräte während es Fluges angeht, hätte sie deren Verwendung jederzeit, nach dem 11. September 2001, unterbinden können. Dass ein solches Verbot nun aber ausgerechnet als Reaktion auf einen Attentatsversuch mit einer Bombe aus Pulver und Flüssigkeit in Erwägung gezogen wird, scheint ihm nur zu bedeuten, dass die TSA klarstellen will, "man habe ja etwas getan".

Eine offizielle Bestätigung der TSA, was ein generelles Verbot von Elektronik auf Flügen innerhalb oder in die USA angeht, steht noch aus. Aber unabhängig davon will Siegler, anders als Technologizers Harry McCracken, auch einem möglichen Elektronikverbot im Flugzeug zum Trotz nicht darauf verzichten, hin und wieder zu fliegen. Er würde es dann allerdings bevorzugen in einen Tiefschlafzustand versetzt zu werden, so wie es der Film "Avatar" zeigt. "Das wäre die einzige Möglichkeit, diese Viehtransporte erträglich zu machen."

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