Audioaufzeichnungen Google analysiert Nutzergespräche mit seinem Sprachassistenten

Nicht nur Amazon, auch Google lässt die Audiomitschnitte Tausender Gespräche mit seinem virtuellen Assistenten von Menschen analysieren. Nicht immer bleiben die Nutzer dabei anonym, wie ein Bericht zeigt.
"Einige Mitarbeiter" können "auf einige Audioausschnitte zugreifen": Google Home

"Einige Mitarbeiter" können "auf einige Audioausschnitte zugreifen": Google Home

Foto: Google/ dpa

Google lässt einige Gespräche seiner Nutzer mit dem Google Assistant von Menschen anhören und transkribieren. Die Betroffenen erfahren davon nichts.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt: Exakt das Gleiche macht auch Amazon mit Alexa-Gesprächen, wie "Bloomberg" im April berichtete .

Googles Vorgehen wurde am Mittwoch vom flämischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender VRT bekannt gemacht . Demnach hat der Sender mehr als tausend Gesprächsmitschnitte von Google-Nutzern mit ihren virtuellen Assistenten im Smartphone oder im Lautsprecher Google Home zugespielt bekommen, die von Vertragsarbeitern verschriftlicht werden sollten - zur Qualitätsverbesserung.

153 Gespräche offensichtlich unabsichtlich aufgezeichnet

Die meisten Audioaufzeichnungen sind dem Bericht zufolge absichtlich entstanden, erkennbar an der Aktivierungsphrase "Okay, Google" zu Beginn. 153 Gespräche jedoch "hätten nie aufgezeichnet werden sollen". In diesen Fällen muss der Google Assistant "Okay, Google" verstanden haben, als jemand so etwas wie "Okay, Kuchen" gesagt oder den Assistant versehentlich per Knopfdruck am Smartphone aktiviert hat. In diesen Fällen müssen die Nutzer optische Hinweise ihrer Geräte übersehen haben, die auf eine Aktivität des virtuellen Assistenten hinweisen.

Google-Vertragsarbeiter gaben demnach an, Bettgespräche ebenso mitgehört zu haben wie Fragen nach medizinischen Informationen, Eltern-Kind-Gespräche und sogar Situationen, die nach häuslicher Gewalt klangen. Zwar bekommen sie von Google keine Informationen zu den Nutzern selbst, erkennen könnten sie die Personen aber manchmal trotzdem, etwa anhand der Adressen, die in den Gesprächen genannt werden. Einem VRT-Reporter gelang es, mehrere Nutzer zu identifizieren und aufzusuchen.

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Dass Unternehmen wie Google und Amazon Nutzergespräche nachträglich von Menschen transkribieren lassen, ist praktisch unvermeidlich. Anders lassen sich die Assistenzsysteme kaum unter realistischen Bedingungen verbessern.

Bei Google sind es Unternehmensangaben zufolge "0,2 Prozent aller Audiofragmente", die manuell untersucht werden. Ein von VRT befragter Auftragnehmer sprach von tausend Aufnahmen, die er pro Woche bearbeiten sollte.

Apple, Amazon und Google weisen nicht klar auf die menschliche Hilfe hin

In Googles Bestimmungen zu "Datensicherheit und Datenschutz bei Google Home" steht davon nichts. Dort heißt es nur allgemein: "Wir verwenden Ihre Daten in erster Linie dazu, unsere Dienste für Sie zu optimieren, indem wir sie schneller, intelligenter und relevanter machen". Ein Hinweis, dass menschliche Mitarbeiter dabei helfen, indem sie einzelne Aufzeichnungen anhören und annotieren, fehlt dort ebenso wie in der allgemeinen Datenschutzerklärung von Google.

Das ist bei Amazon und Apple, das mit Siri einen eigenen virtuellen Assistenten anbietet, nicht anders. Dass es ohne menschliche Hilfe nicht geht, ist aber möglicherweise nicht allen Nutzern bewusst.

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Im April hatte Google auf eine entsprechende Anfrage von "heise online"  immerhin Folgendes mitgeteilt: "Bei Google können einige Mitarbeiter auf einige Audioausschnitte aus dem Assistant zugreifen, um das Produkt zu trainieren und zu verbessern".

Dazu hatte das Unternehmen aber auch geschrieben, die entsprechenden Audiosequenzen würden vor der Analyse zur Anonymisierung "verzerrt". Das ist aber nicht immer der Fall. Im VRT-Bericht heißt es, die Audioqualität sei "sehr klar". Die von VRT besuchten Nutzer erkannten ihre Stimmen sofort wieder.

Löschen lassen sich die eigenen Audioaufzeichnungen im Google-Konto im Bereich Daten & Personalisierung unter Meine Aktivitäten (gegebenenfalls nach einem Klick auf Andere Google-Aktivitäten) und dort unter Sprach- und Audioaktivitäten.

Hinweis: Mittlerweile hat Google einen Blogpost veröffentlicht , in dem das Unternehmen erklärt, wozu es einzelne Audioaufzeichnungen von Menschen analysieren lässt. In dem Text heißt es auch, Google untersuche den Fall des Auftragsarbeiters, der Audiodateien an VRT weitergegeben hat und prüfe, wie sich so etwas in Zukunft verhindern ließe.

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