Ende der Zusammenarbeit Was Googles Android-Bann gegen Huawei bedeutet

Huawei soll künftig vom Handybetriebssystem Android ausgeschlossen werden. Googles Idee war das nicht. Der Bann wird weitreichende Auswirkungen haben, nicht nur für den chinesischen Konzern. Auch deutsche Nutzer wird es treffen.

Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

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Google hat seine Zusammenarbeit mit Huawei ausgesetzt und dem chinesischen Konzern damit letztlich die Lizenz zur Nutzung wichtiger Teile des Android-Ökosystems entzogen. Das Unternehmen werde keinen Zugriff mehr auf Android-Updates haben und künftige Huawei-Smartphones dürften dadurch auch nicht mehr mit Google-Apps wie etwa Gmail bestückt werden, berichtete am Sonntagabend die Nachrichtenagentur Reuters.

Zumindest vorläufig müssen Huawei-Nutzer deswegen aber nicht um Sicherheit und Komfort bangen. Ein Google-Sprecher erklärte dem SPIEGEL: "Nutzerinnen und Nutzer unserer Dienste können mit ihren Huawei-Geräten weiterhin auf den Google Play Store und die Sicherheitsvorkehrungen von Google Play Protect zurückgreifen."

Huawei selbst verspricht, man werde "weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei- und Honor-Smartphones sowie -Tablets zur Verfügung stellen." Das betreffe sowohl bereits verkaufte Geräte als auch solche, die noch in den Lagern liegen.

Googles Idee war das nicht

Hintergrund für den Android-Bann ist ein Dekret von US-Präsident Donald Trump. Er hatte am vergangenen Mittwoch den nationalen Telekommunikationsnotstand ausgerufen, woraufhin das US-Wirtschaftsministerium am Freitag eine Art schwarze Liste aufsetzte, auf der auch Huawei steht. US-Firmen ist es nun untersagt, ohne Genehmigung der Regierung Geschäfte mit diesen Firmen zu machen.

Ein Google-Sprecher bestätigte dem SPIEGEL am Montag: "Wir halten uns an das jüngst erlassene Dekret und überprüfen die damit verbundenen Implikationen." Anders ausgedrückt: Googles Idee war der Android-Bann gegen Huawei nicht. Das Unternehmen hält sich nur an Trumps Vorgaben.

Auf Updates wird man freilich noch länger als bisher warten müssen. Statt Googles Sicherheits-Patches direkt nach deren Veröffentlichung nutzen zu können, muss Huawei künftig warten, bis diese als Open Source veröffentlicht werden. Alles, was das Android Open Source Project (AOSP) betrifft, darf der Konzern weiter nutzen.

Den USA erst mal egal

Vom nächsten großen Update, dem auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellten Android Q, bleibt Huawei vorläufig ausgeschlossen. Zumindest solange es nicht in das AOSP eingeflossen ist - oder die US-Regierung doch eine Genehmigung für eine Zusammenarbeit mit Huawei erteilt. Damit dürfte der Android-Bann auf zukünftige Huawei-Geräte größere Auswirkungen haben als auf solche, die bereits im Handel oder in den Händen der Nutzer sind.

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Smartphone-Update: Das ist neu in Android Q

Den meisten Amerikanern dürfte das ohnehin erst mal egal sein. In den USA hat Huawei laut Statcounter einen Smartphone-Marktanteil von mageren 2,43 Prozent. Der Grund: Keiner der großen Mobilfunkanbieter bietet seinen Kunden dort subventionierte Huawei-Handys zum Kauf an. Regierungsmitarbeitern sind die chinesischen Smartphones gar verboten.

In vielen anderen Teilen der Welt - und auch in Europa - zeigt sich ein ganz anderes Bild: Hier ist Huawei nach Samsung der zweitgrößte Smartphone-Anbieter, hat jüngst sogar Apple überholt. Allein im ersten Quartal 2019 verkaufte das Unternehmen laut IDC fast 60 Millionen Smartphones.

Es wird nicht bei Software bleiben

Bislang offiziell nicht bestätigten Berichten zufolge war Googles Android-Bann nur der Anfang. Auch Chiphersteller wie Intel, Qualcomm und Xilinx sollen ihre Mitarbeiter informiert haben, dass sie Huawei künftig keine Komponenten mehr liefern werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Diese Maßnahmen könnten den Konzern schwer beeinträchtigen, wird Analyst Ryan Koontz zitiert. Tatsächlich versucht Huawei - genau wie Apple -, sich möglichst unabhängig von Zulieferern zu machen. Der hauseigene Kirin-980-Prozessor in Huaweis Smartphone-Topmodell P30 Pro ist ein Beispiel dafür. Ganz ohne fremde Hilfe geht es aber nicht. So kauft der Konzern von Intel Server-Chips, von Qualcomm Prozessoren und Modems für einige seiner Smartphones und von Broadcom und Xilinx Netzwerkchips.

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High-End-Smartphone: Das ist Huaweis P30 Pro

Der Bann, den die US-Regierung gegen Huawei ausgesprochen hat, wird damit Auswirkungen auf beide Seiten haben. Zum einen könnte die Produktion einiger Produkte für den chinesischen Konzern bald schwierig werden, auch wenn er sich im Vorfeld mit amerikanischen Komponenten eingedeckt hat. Das betrifft zum einen Smartphones, zum anderen aber auch Netzwerkprodukte, die beispielsweise Mobilfunkanbieter zum Ausbau ihrer Handynetze brauchen. Somit wird sich der US-Bann global auswirken, denn Huawei ist einer der wichtigsten Netzwerkausrüster der Welt.

Zugleich werden auch amerikanische Unternehmen unter dem Lieferstopp leiden, wenn ihnen Huawei als Großabnehmer aus den Auftragsbüchern gerissen wird. Mit einem jährlichen Auftragsvolumen von rund elf Milliarden Dollar ist das chinesische Unternehmen für einige US-Unternehmen ein wichtiger Kunde. Hinzukommen könnten Einbußen durch eventuelle Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung, über die bislang nur spekuliert werden kann.

Huawei hat schon eine Android-Alternative

In einer Stellungnahme zur schwarzen Liste der US-Regierung gab sich Huawei schon vergangene Woche kämpferisch: "Huawei wird umgehend Abhilfemaßnahmen prüfen und eine Lösung für diese Angelegenheit finden", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens zu den Maßnahmen der US-Regierung. Welcher Art diese Maßnahmen sein können, lässt sich bisher nur orakeln.

Patente könnten für den chinesischen Konzern eine Möglichkeit sein, Druck auszuüben. Allein für die Zukunftstechnologie 5G verfügt das Unternehmen über ein gewaltiges Portfolio. Der Patentanalyse-Plattform IPlytics zufolge hält das Unternehmen allein in diesem Bereich mehr als 11.000 Patente - und damit mehr als jeder andere Telekommunikationskonzern.

Auch eine Abkopplung Huaweis vom Android-Ökosystem wäre theoretisch denkbar. Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu sagte der "Welt" vor Kurzem, man habe bereits "ein eigenes Betriebssystem vorbereitet". Sollte es dazu kommen, dass Huawei vom Android-Ökosystem abgeklemmt werde, "wären wir also gewappnet".

Das dürfte freilich nur ein theoretisches Konstrukt sein, das bestenfalls in Huaweis Heimatmarkt China eine Chance auf Erfolg haben könnte. Dort werden lokale Dienste wie etwa Sina Weibo gegenüber den Angeboten amerikanischer Konzerne ohnehin oft bevorzugt. Europäische Anwender hingegen haben sich längst daran gewöhnt, Dienste wie Google Maps, Gmail und den Chrome-Browser zu nutzen. Eine Alternative, egal wie gut sie gemacht wäre, hätte es schwer, sich gegen diese Macht der Gewohnheit durchzusetzen.



insgesamt 236 Beiträge
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Jerol 20.05.2019
1. Ich hoffe sehr, daß die Chinesen
eine gute Lösung finden. Es Ist mir eh nicht geheuer, daß die Amis mit Google und Co den Markt beherrschen und erpressen können. Ach Uncle Sam, was ist nur aus Dir geworden
Spiegulant 20.05.2019
2. Das Ende der Amerikaner
Dieser Bann ist allenfalls ein Pyrrussieg sein. Die Chinesen werden sich unabhängig machen von den Lauen der Amis. In nur wenigen Jahren nutzt kein Handy aus China mehr amerikanische Chips oder Software.
akg-1 20.05.2019
3. Folgen sind ein Chinesisches Betriebssystem
Wer glaubt nun noch daran, dass die Chinesen Win, IOS oder Android als BS einsetzen werden. wird es nun binnen Jahresfrist ein chinesisches BS geben ? Mit allen Abhängigkeiten der westlichen Welt von diesem BS respektive der HW ...???
gingermath 20.05.2019
4. Ein Schelm wer böses dabei denkt
Der Streit zwischen Amerika und China zeichnete sich ja schon seit geraumer Zeit ab, allerdings nach dem Zuschlag für Huawei für die 5G-Netze in Europa verschärfte er sich zunehmends (mögliche Spionage durch den Anbieter via NSA warnte, ohne Belege). Jetzt kommt der Lieferstopp ... was kommt als nächstes?
janos71 20.05.2019
5. Das Imperium gibt den Ton an
Das Imperium der Erde "USA" gibt an wer "Gut" und "Böse" ist. Huawei als chinesischer Großkonzern ist schon seit längerem im Fokus und nun wohl endgültig durchgefallen. Aber ob die Kunden dieses primitive Spiel wirklich mitspielen wird sich zeigen. Vielleicht sollte man viel eher amerikanische Produkte boykottieren, da dieses Land in der Welt deutlich mehr Unheil angerichtet hat.
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