Mac-Abstürze Google-Fehler stoppt Hollywood-Produktionen

Montagabend stürzten in Hollywood-Studios plötzlich reihenweise Mac-Pro-Computer ab. Zuerst wurde ein Fehler in der Videosoftware vermutet. Tatsächlich hat eine Google-Software die Rechner lahmgelegt.

Ein Mac Pro, wie er in vielen Filmstudios verwendet wird. Für dieses Foto haben wir unser Testgerät neugierig aufgeschraubt
SPIEGEL ONLINE

Ein Mac Pro, wie er in vielen Filmstudios verwendet wird. Für dieses Foto haben wir unser Testgerät neugierig aufgeschraubt


Wenn sich eine Zeitschrift wie die "Variety" einem Computerproblem widmet, muss es mit der Filmbranche zu tun haben. So war es auch Montagabend, als das Magazin meldete, dass ein "mysteriöser Datenfehler" Mac-Pro-Computer in ganz Hollywood lahmlegte.

Laut "Variety" hatten Film- und TV-Produzenten in Los Angeles plötzlich mehr oder weniger gleichzeitig Probleme mit ihren Hochleistungscomputern von Apple. Die Maschinen wollten einfach nicht mehr starten, nichts half ihnen wieder auf die Beine.

Schnell machte das Gerücht die Runde, es könnte sich um einen Computervirus handeln. Offenbar waren besonders häufig Anwender betroffen, die mit älteren Computern, älteren Betriebssystemversionen oder älteren Versionen der Videoschnittsoftware Avid Media Composer arbeiteten.

Die Herstellerfirma dieser Software, Avid, sah sich denn auch unter Zugzwang. Das Problem werde beim Support und den Entwicklern der Firma mit oberster Priorität behandelt, hieß es in einer Stellungnahme. Man arbeite unter Hochdruck an einer Lösung.

Fotostrecke

11  Bilder
Schön anzuschauen, schnell auseinanderzunehmen: Der Apple Mac Pro im Test

In Hollywood wurde auf diese Lösung offenbar sehnlichst gewartet, hatte der Ausfall der Rechner doch diverse Projekte zum Stillstand gebracht. In einem Anwenderforum auf Facebook tauschten Betroffene Erfahrungsberichte und Tipps zur möglichen Fehlerbehebung aus. Wie ein Mantra wurde dort immer wieder wiederholt, man solle seinen Mac Pro auf keinen Fall ausschalten oder neustarten, weil das Problem erst dann auftrete.

Schutzfunktion abgeschaltet

Am Mittwochmorgen dann aber meldete sich Google mit einem Posting im Chrome-Support-Forum zu Wort. "Wir haben vor Kurzem entdeckt, dass ein Chrome-Update mit einem Fehler ausgeliefert worden sein könnte, der das Dateisystem auf MacOS-Rechnern beschädigt, auf denen der Systemintegritätsschutz deaktiviert wurde oder die den Systemintegritätsschutz nicht unterstützen."

Als Systemintegritätsschutz bezeichnet Apple eine Technologie, die Schadsoftware daran hindern soll, geschützte Dateien und Ordner verändern. Offenbar haben in Hollywood einige Nutzer diesen Schutz gegen Cyberangriffe abgeschaltet. Oder sie verwenden Rechner, die so alt sind, dass sie diese Technik nicht unterstützen. Oder sie haben die dafür nötigen Softwareupdates nicht eingespielt.

Google liefert in seinem Posting auch eine Anleitung, wie man einen betroffenen Rechner wieder zum Laufen bringen können soll. Im Übrigen sei das fragliche Update inzwischen gestoppt worden, heißt es.

Warum dieser Fehler vor allem Videobearbeiter getroffen hat, bleibt unterdessen unklar. "Variety" spekuliert, Videoprofis würden den Systemintegritätsschutz abschalten, um externe Audio- und Videosysteme an ihre Computer anbinden zu können. Möglicherweise hätten auch sogenannte Hardware-Dongles eine Rolle gespielt, mit denen Avid seine teure Videosoftware vor illegalen Kopien schützt.

mak

Mehr zum Thema


insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Grzegorz 25.09.2019
1. User privelege Probleme?
Wieso wird ein Browser mit Rechten betrieben, die das erlauben? Alle sprechen immer von IT-Sicherheit und dann wird der Browser de-facto mit Adminrechten betrieben. Da braucht man den Fehler dann auch nicht auf Google schieben. Jede Software ist schließlich mit Fehlern behaftet. Deshalb versuchen Betriebssystementwickler, die Augenmerk auf Sicherheit legen diese auch nur mit Rechten zu versehen, die zum Betrieb gebraucht werden. Der Fehler liegt dort viel mehr bei MacOS, das es erlaubt das Software diesen Bereich überschreibt oder bei fahrlässigen Anwendern, die komplette Sicherheitsmechanismen des Betriebssystems deaktivieren.
GoaSkin 25.09.2019
2.
Wer meint, Google-Software nutzen zu müssen, der hat es auch nicht anders verdient.
nasodorek 25.09.2019
3.
Zitat von GrzegorzWieso wird ein Browser mit Rechten betrieben, die das erlauben? Alle sprechen immer von IT-Sicherheit und dann wird der Browser de-facto mit Adminrechten betrieben. Da braucht man den Fehler dann auch nicht auf Google schieben. Jede Software ist schließlich mit Fehlern behaftet. Deshalb versuchen Betriebssystementwickler, die Augenmerk auf Sicherheit legen diese auch nur mit Rechten zu versehen, die zum Betrieb gebraucht werden. Der Fehler liegt dort viel mehr bei MacOS, das es erlaubt das Software diesen Bereich überschreibt oder bei fahrlässigen Anwendern, die komplette Sicherheitsmechanismen des Betriebssystems deaktivieren.
Der Browser Chrome kann natürlich ohne Admin Berechtigungen laufen. Das Tool das den Browser updaten soll und dafür das System verändern muss, braucht natürlich die entsprechenden Rechte. Wie google darauf kommt, es wäre klug in Zuge des Updates den Ordner /var (Quelle: heise.de) in einem unixoiden OS zu löschen, erschließt sich mir nicht.
Sensør 25.09.2019
4. zum Text unter dem Photo:
Einen MacPro musste man noch nie aufschrauben.
spon_5112961 25.09.2019
5. Das dort "alte" MacPros...
verwendet werden ist auszuschließen. Das der "Chrome Browser" dort (auf einer Produktionsmaschine!) installiert ist erschließt sich mir nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.