Entwicklerkonferenz I/O Virtuelle Schulausflüge mit der Google-Brille

Google will es leichter machen, virtuelle Welten zu erschaffen: Auf seiner Entwicklerkonferenz kündigte der Konzern ein entsprechendes Kamera-System an, das jeder nachbauen darf. Außerdem gibt es ein neues Android-Betriebssystem.

Projekt Jump: Mit einen System aus 16 Videokameras VR-Filme drehen
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Projekt Jump: Mit einen System aus 16 Videokameras VR-Filme drehen

Von , San Francisco


Die Entwicklerkonferenz I/O ist Googles größte und wichtigste Veranstaltung des Jahres. Tausende Entwickler und Journalisten reisen dafür nach San Francisco, um zu erfahren, was der Konzern Neues plant oder bereits entwickelt hat. Allein die Länge der Eröffnungsveranstaltung zeigt, wie breit der Konzern aufgestellt ist: Fast zweieinhalb Stunden sprachen Google-Manager über neue Android-Versionen, Forschungsprojekte und Updates.

Für Begeisterung im Publikum sorgte Google schon vor Beginn der Show mit einem echten Nerd-Spaß: In der Mitte des Saals war eine Konsole aufgebaut, auf der zwei Teilnehmer gegeneinander im Arcade-Klassiker Pong antreten konnten. Das Spiel wurde auf riesige Leinwände projiziert, es wurde gejohlt, gebrüllt, angefeuert - wie im Fußballstadion.

Bei der anschließenden Präsentation verkündete Google ein Update zum Überraschungshit des vergangenen Jahres, dem Project Cardboard. Die einfache Pappbrille hatte virtuelle Realität bezahlbar gemacht. Der Bausatz, in dem ein Smartphone als Computer und Bildschirm dient, wurde mittlerweile mehr als eine Million Mal verkauft.

Der Konzern kündigte eine neue Version an, weil Smartphones immer größer werden. Die neue Brille ist für Geräte bis sechs Zoll Größe geeignet und verfügt über einen verbesserten Schaltmechanismus. Außerdem unterstützt die Software jetzt auch das Apple-Betriebssystem iOS. Unter der Bezeichnung Expeditions wird außerdem eine Software angeboten, die Project Cardboard zum Lehrmittel macht. Sie synchronisiert VR-Brillen von Lehrern und Schülern für virtuelle Ausflüge.

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Cardboard: So bastelt man die Pappbrille

Die wichtigste Neuheit zum Thema VR war jedoch, dass Google ein Kamerasystem namens Jump entwickelt hat, mit dem man selbst VR-Filme drehen kann. 16 Videokameras sind darin kreisförmig angeordnet, filmen gleichzeitig. Mit einer passenden Google-Software sollen die Aufnahmen der Kameras leicht zu einem Gesamtfilm verwoben werden können.

Den Bauplan für die Kamerakonstruktion gibt Google für die Öffentlichkeit frei, so dass sie jeder nachbauen kann. Gleichzeitig wurde angekündigt, dass Kamerahersteller GoPro ein kommerzielles Jump-System zum Kauf anbieten wird. Damit dürfte die Frage, wie man Inhalte für VR-Brillen erzeugen soll, fürs Erste geklärt sein.

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Entwicklerkonferenz: Ein Rundgang über die Google I/O 2015
Die nächste Android-Version

Ein weiteres Highlight war die Vorschau auf Android M, eine neue Version des Mobilbetriebssystems von Google. Wofür das M in der Bezeichnung steht, wurde nicht beantwortet. Es wird gemunkelt, dass es für Milky Way (Milchstraße) stehen könnte. Manager Dave Burke stellte eine Vorschauversion der Software für Entwickler vor. Die wichtigsten Neuerungen:

  • Die Datenschutzeinstellungen können pro App eingestellt werden, so wie bei iOS.
  • Chrome Custom Tabs sollen Browser-Technik in Apps nutzbar machen. Entwickler können quasi einen Mini-Browser in ihre Apps einbauen.
  • Spezielle App-Links sollen dafür sorgen, dass Links automatisch mit der passenden App oder dem passenden Dienst geöffnet werden.
  • Android Pay soll ein systemweit nutzbares Bezahlsystem werden. 700.000 Läden in den USA werden es unterstützen.
  • Mit Android M führt Google die systemweite Unterstützung von Fingerabdrücken als Identifizierungsmöglichkeit ein.
  • Die Energieverwaltung soll verbessert werden. Doze heißt eine Funktion, die das Gerät in Pausen in einen Ruhemodus versetzt . Die Akkulaufzeit soll so verdoppelt werden.
  • Mit Android M soll der Typ-C USB-Anschluss Standard bei Android-Geräten werden.
  • Eine erste Entwicklerversion von Android M ist ab sofort für einige Nexus-Geräte verfügbar.

Anders als erwartet gab es keine Neuheiten zu Android Wear zu sehen, Googles Betriebssystem für Smartwatches. Dafür aber einen Ausblick darauf, wie Google das sogenannte Internet der Dinge steuern, also alles von der Glühbirne über die Heizung bis hin zur Waschmaschine vernetzen will.

Unter dem Namen Brillo wurde ein eigenes Betriebssystem für das Internet der Dinge angekündigt. Entwickler von Google und Nest haben gemeinsam daran gearbeitet. Das Android-basierte Brillo zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr geringe Hardware-Anforderungen hat. Zu Brillo gehört Weave, eine Technologie, die die Kommunikation zwischen Geräten vereinfachen soll. Android-Geräte sollen Geräte mit Brillo und Weave automatisch erkennen können, eine Konfiguration wäre damit nicht nötig.

Mehr wissen, mehr sehen, Geld sparen

Managerin Aparna Chennapragada zeigte eine Eweiterung des Android-Dienstes Google Now: Now on Tap, eine kontextsensitive Suchfunktion, die auch in Apps funktioniert. Ein Beispiel: Wird man per E-Mail gefragt, ob man einen Film im Kino sehen will, werden automatisch Infos zum Film aufgerufen. Die Funktionsweise ist faszinierend, weil das System tatsächlich den Kontext zu erkennen scheint, dadurch vieles selbstständig herausfindet und den Anwender schneller zu verwertbaren Ergebnissen führt.

Google Photos: Unbegrenzter Online-Speicherplatz für Filme und Fotos
AFP

Google Photos: Unbegrenzter Online-Speicherplatz für Filme und Fotos

Google Photos ist eine neue App, die das Sammeln, Verwalten, Bearbeiten und Teilen von Fotos vereinfachen soll. Die App kann beispielsweise alle Fotos eines Nutzers nach den fotografierten Personen, Orten oder Anlässen sortieren. Mit Google Photos soll man Fotos verbessern, zu Animationen oder Sammlungen zusammenfügen können. Nutzer können in Google Photos unbegrenzt Bilder und Videos online ablegen, sofern deren Auflösung 16 Megapixel oder 1080p nicht übersteigt. Das kostenlose Angebot soll ab Donnerstagabend verfügbar sein.

Fast nebenbei wurde eine Funktion angekündigt, die man beispielsweise im Urlaub schätzen wird: Google Maps bekommt einen Offline-Modus, in dem alle Funktionen der digitalen Karte nutzbar bleiben. So kann man Datenvolumen sparen, was vor allem beim Roaming richtig Geld sparen kann. Es wird aber noch einige Monate dauern, bis das entsprechende Update verteilt wird.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
wanderer777 28.05.2015
1. Cardboard für 7 Zoll Geräte?
Ich würde das Cardboard gerne mit meinem 7 Zoll Tablet nutzen, da es eigentlich die perfekte Grösse dafür hat. Habe allerdings nirgendwo passende Cardboards finden können. Hat das einen Grund?
alangasi 28.05.2015
2. So wie bei
Die Datenschutzeinstellungen können pro App eingestellt werden, so wie bei iOS. Chrome Custom Tabs sollen Browser-Technik in Apps nutzbar machen. Entwickler können quasi einen Mini-Browser in ihre Apps einbauen.....so wie bei IOS App Links sollen dafür sorgen, dass Apps Links automatisch mit der passenden App oder dem passenden Dienst geöffnet werden.......so wie bei IOS Android Pay soll ein systemweit nutzbares Bezahlsystem werden. 700.000 Läden in den USA werden es unterstützen......so wie bei IOS Mit Android M führt Google die systemweite Unterstützung von Fingerabdrücken als Identifizierungsmöglichkeit ein..........so wie bei IOS
sman1983 29.05.2015
3. So nett vieles klingt...
... die Neuerung mit dem größten Mehrwert ist definitiv google maps offline!
ludovicosettembrini 29.05.2015
4. Die drei Hauptprobleme von Android heißen: Akkulaufzeit, Akkulaufzeit, Akkulaufzeit!
Gimmicks werden immer zahlreicher und stehen im Zentrum des Intresses journalistischer Besprechungen (da werden wohl vorgefertigte Textbausteine von Google geliefert, die man nur noch individuell leicht variieren muss...) Das Hauptproblem ist jedoch die, bei der letzten Androidversion bei jedem Update erkennbar gewordene, stetige Verschlechterung der Akkulaufzeit. Offensichtlich gibt es Apps, wie z.B. Amazons "Audible", die - obwohl gar nicht im Gebrauch - enorme Mengen Strom - für welchen Zweck auch immer - abzapfen. Warum kann man das als Nutzer nicht steuern? Warum dürfen Apps, die man nicht im Einsatz hat, Strom verbrauchen? So lautet die simple Frage, auf die Google eine Antwort finden muss.
zila 29.05.2015
5. und Apple?
die haben ja jetzt so eine noch nicht ganz ausgereifte Uhr mit fast 24h Laufzeit auf den Markt geworfen, Pebble ist damit bereits in der 3. Generation. #Innovationsluecke ps: Google Photos war heute zumindest im US-Playstore verfuegbar und macht einen gelungenen Eindruck. Auch die VR-Experimente und mehr Kontextintelligenz bei Now sind spannend. IoT ist durchaus ein ernstzunehmender Trend, Nest ist in Nordamerika uebrigens auch mit Rauch- und Kohlenmonoxidsensoren erfolgreich.
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