Nest Hub im Test Googles Küchenradio Deluxe

Musik hören, ein Video gucken, das Licht anmachen und dann noch Kochrezepte vorlesen: Googles Nest Hub kann schon recht viel. Nur eines nicht - und das ist auch ok so.

Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINE

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"Sieht cool aus, aber was ist das?" Diese Frage habe ich in den letzten Tagen mehr als einmal gehört. Ich kann die Leute ja verstehen. Das Ding, das da auf meinem Küchenregal steht, sieht wirklich komisch aus: Irgendwie ein bisschen wie ein Tablet, aber mit einem viel zu fetten Standfuß, der sich nicht mal abnehmen lässt.

Zu erklären, was dieses Ding, der Nest Hub von Google, eigentlich ist, fällt nicht ganz leicht, weil er die Eigenschaften und Möglichkeiten verschiedener Geräte vereint.

Er ist ein Smartspeaker, nur mit einem Bildschirm, der ein bisschen wie ein Tablet funktioniert und außerdem als digitaler Bilderrahmen und Mini-TV taugt. Gesteuert wird er überwiegend mit Sprachkommandos, man kann aber auch auf dem Bildschirm wischen und tippen. Er ist also ein bisschen von allem. Und dafür ist er nicht teuer: Mit 129 Euro steht er bei Google in der Preisliste.

Ein paar Abstriche muss man dabei machen. Als Smartspeaker beispielsweise bietet er ähnliche Funktionen wie die Lautsprecher von Sonos oder Amazon, kann Musik beispielsweise von Spotify, Deezer und Google Music streamen. Die Klangqualität ist aber eher mittelmäßig, was an den kleinen Lautsprechern liegen dürfte. Als Küchenradio oder für den Nachttisch reicht das, zum bewussten Musikhören sollte man sich lieber etwas Größeres gönnen.

Der Bildschirm hingegen ist mit sieben Zoll groß genug. Eigentlich sogar genau richtig. Das kleine Ding passt lässig in die letzte freie Ecke meines Küchenregals, kann zur Not auch auf einem Apfelsaftkarton stehen. Die Informationen, die ich brauche, passen gut auf den kleinen Bildschirm. Schließlich kommuniziere ich mit dem Nest Hub in erster Linie, indem ich mit ihm rede. Beziehungsweise mit der Software Google Assistant.

Versteh mich nicht falsch

Eigentlich ist Googles Spracherkennung super. Wenn die Mikrofone meine Stimme korrekt aufzeichnen, gibt es keine Fehler. Aber im Test haben sie beispielsweise immer dann versagt, wenn ich mit dem Rücken zum Nest Hub stand, was in einer Küche nicht ungewöhnlich ist. Von Amazons Echo-Lautsprechern bin ich eine höhere Genauigkeit gewöhnt.

Trotzdem ist der Nest Hub für mich das perfekte Küchenradio. Zum einen, weil ich damit beim Kochen Musik hören kann. Nicht gerade in Highend-Qualität, aber laut genug, um die Dunstabzugshaube zu übertönen.

Wie geht noch mal Shakshuka?

Vor allem aber, weil mir der Google Assistant Kochrezepte so vorlesen kann, dass ich sie nachkochen kann, ohne ständig auf den Bildschirm gucken zu müssen. Ich sage einfach: "Google, zeig mir Rezepte für Shakshuka", wähle per Fingertipp das gewünschte Rezept und lasse mir Stück für Stück vorlesen, welche Zutaten ich wie zubereiten soll.

Wenn ich an einer Stelle mal nicht weiter weiß, lasse ich mir eben per YouTube-Video zeigen, wie man zum Beispiel Tomaten schält. Schließlich taugt der Bildschirm zu mehr als bloß für Kochrezepte. Die Bildqualität ist durchaus überzeugend. Einen Netflix-Film würde ich mir auf dem kleinen Ding nicht anschauen wollen, aber für kurze Videos ist er groß genug. Nebenbei kann man ihn auch als digitalen Bilderrahmen nutzen, wenn man so etwas mag.

Was man allerdings nicht machen kann - und das hat mich zunächst gewundert - sind Videochats. Eigentlich könnte man das von einem so smarten Gerät samt Bildschirm erwarten. Aber Google hat, womöglich in weiser Voraussicht, keine Kamera eingebaut. Damit fällt nicht nur die Möglichkeit weg, Videochats zu führen, sondern man muss auch keine Angst haben, dass man womöglich über eine Kamera beobachtet werden könnte.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Guter Bildschirm

Einfache Bedienung mit Sprachbefehlen

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Nutzung vieler Google-Dienste möglich

Günstiger Preis

Nur mittelmäßige Klangqualität

Die Mikrofone könnten besser sein

Wie schon die Google-Home-Lautsprecher ist auch der Nest Hub im Grunde nichts anderes als ein Gerät, das den Google Assistant im Haus nutzbar macht. Nur dass er eben einen Bildschirm hat, was die Einsatzmöglichkeiten erweitert.

Für mich ist er der ideale Smartspeaker für die Küche, weil er so gut Kochrezepte vorlesen und leidlich gut Musik abspielen kann. Auch auf dem Nachttisch macht er eine gute Figur, ist als Digitalwecker aber eigentlich überdimensioniert. Im Wohnzimmer könnte man ihn als digitalen Bilderrahmen und zur Smart-Home-Steuerung nutzen, sollte zum Musikhören aber lieber etwas anderes verwenden. Der Nest Hub kann eben vieles, aber nicht alles gleich gut.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
chk_23 09.06.2019
1.
Danke, Herr Kremp! Ihr bester Artikel seit langer Zeit. Und Sie haben auch exakt den Einsatzzweck und Einsatzort dieser Geräte (natürlich inkl. sog. Smartspeaker) beschrieben: Die Küche, evtl. den Hobbyraum oder die "Schraubergarage". Dafür eignen sie sich perfekt. Aber natürlich werden hier im Forum auch sofort die Benutzer der Aluhüte ans Tageslicht kommen, mit den üblichen Phrasen. Obwohl bestimmt jeder von ihnen ein Smartphone nutzt...
CKadri 09.06.2019
2. Mehrwert?
Wo liegt denn jetzt der Vorteil gegenüber eines bereits vorhandenen Tablets? Das kann ich in die Küche stellen, Videos schauen, Musik hören,,,OK, für's Licht bevorzuge ich den Schalter. Und ansonsten? Wozu dieses Zusatzgerät?
moriar 10.06.2019
3. und wozu genau
braucht man diese Gerät nun? Ich mache genau die gleichen Sachen mit meinem alten oder aktuellen Tablett in der Küche. Ich verstehe den Sinn dahinter nicht, dafür braucht es keine Extrageräte, das führt die Idee eines All-in-one-Gerätes, wie das Smartphone ad absurdum. Auch wenn es cool aussieht.
tutnet 10.06.2019
4. Wie - kochen kann das Ding nicht?
Da ich noch kein Shakshuka bereitet habe und dies im Moment auch nicht vorhabe, reicht meine alte Stereoanlage im Wohnzimmer, die ich einen Dreh lautet stelle, dann auch für die Küche.
hexenbesen.65 10.06.2019
5.
Also, wenn ich in der Küche stehe, dann um zu kochen, und nicht mich mit einem Gerät rumärgern... Ich hab einen simplen CD-Radiorecorder auf dem Regal stehen, der ist ab und zu mal an. Mehr nicht. Was soll der ganze Technick-Schnickschnack ? Und sorry, wer zu blöde für "Tomate schälen" ist, hat in der Küche eh nix verloren...Und wer weis, wer sich da alles "aufschaltet" auf Siry oder Alexa oder sonst noch was. Ein bißchen privatsphäre möcht ich schon noch haben. Und nein, ich bin kein Alu-Hut-Träger. (Und alleine, wenn ich mir meinen Radio-Recorder anschau...der war Gott sei dank nicht teuer---aber trotz Dunst-Abzugshaube hat der so einen ekligen Fettfilm...da wäre mir das Geld für dieses Pseudo-Gerät einfach zu viel rausgeschmissen) Wenn ich in der Küche bin, dann zum kochen, und nicht, um irgendwelche Filmchen anzusehen....
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