Pixel Buds im Test Hey Google, wie klingen deine AirPods?

Mit seinen neuen Kopfhörern will Google den Bestsellern von Apple Konkurrenz machen. Dafür hat sich Google ein paar Tricks abgeguckt und ein paar Gimmicks eingebaut, wie unser Test zeigt.
Die neuen Pixel Buds von Google sind Apples AirPods sehr ähnlich - und doch wieder nicht

Die neuen Pixel Buds von Google sind Apples AirPods sehr ähnlich - und doch wieder nicht

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Das passiert mir nicht oft: Noch bevor ich sie zum ersten Mal in die Ohren gesteckt habe, sind mir die neuen Google-Kopfhörer, die Pixel Buds, sympathisch. Genau genommen mag ich das Lade-Case auf Anhieb. Es erinnert mich an den knuffigen Roboter "Eve" aus dem Animationsfilm "Wall-E".

Zurück zur Sache. Schon das Lade-Case der Pixel Buds macht einen guten Eindruck. Mit seiner matten Lackierung fühlt es sich angenehm weich an, es kann wahlweise per Kabel oder kabellos aufgeladen werden und seinerseits die Pixel Buds knapp fünfmal aufladen. Eine Ladung reicht wiederum für rund fünf Stunden Musikhören, so wie bei Apples AirPods. Mit den passenden Silikon-Aufsätzen angepasst, sitzen die Buds auch über Stunden angenehm in den Ohren. Ein kleiner Silikonbügel, von Google unsexy als Stabilisierungsbogen bezeichnet, sorgt dafür, dass sie auch beim Laufen fest sitzen.

Die Einrichtung ist ähnlich einfach wie bei Apples Kopfhörern, nur eben für Android optimiert: Smartphone entsperren, Lade-Case öffnen, der Rest geht weitgehend von selbst. Zumindest, wenn man mindestens Android 6.0 hat. Um sie mit älteren Smartphones, Phones oder Notebooks zu verbinden, drückt man einen Knopf auf der Case-Rückseite.

Zu den kleinen Extras der Pixel Buds gehört ein Sensor, der beim Telefonieren den Knochenschall registriert und die beiden Mikrofone nur dann voll aufdreht, wenn er feststellt, dass man spricht. So wird Hintergrundlärm zumindest in den Sprechpausen ausgeblendet. Ein anderer Sensor stoppt die Musik oder ein laufendes Video, wenn man die Stöpsel aus den Ohren nimmt. Die Steuerung von Funktionen wie Start/Stop, Gesprächsannahme und Lautstärke erledigt man durch Wischen und Tippen auf der Außenfläche der beiden Ohrhörer. Das ist erfreulich schnell gelernt, weil es nur wenige Gesten gibt: ein-, zwei- oder dreimal Tippen sowie horizontales Wischen.

Hält man den Finger auf einen der beiden Ohrstöpsel gedrückt, wird der Google Assistant aufgerufen. Theoretisch funktioniert das auch freihändig, wenn man "Hey Google" sagt. Mit meinen Testgeräten klappte das nicht. Laut Google lag das an der Vorabversion der Kopfhörersoftware, mit der ich die Pixel Buds getestet habe. Bis zur offiziellen Markteinführung in Deutschland am 13. Juli soll der Fehler behoben sein.

In Kombination mit einem Android-Handy kann man den Assistant dann etwa fragen, ob neue Nachrichten eingegangen sind, wie das Wetter wird oder - sofern das Zuhause smart genug dafür ist - bitten, das Licht zu dimmen und den Fernseher einzuschalten. Google betont außerdem, dass man die Pixel Buds in Kombination mit Googles Übersetzer-App auch als Quasi-Dolmetscher benutzen kann. Das geht, aber das geht auch ohne Kopfhörer, einfach nur mit Mikrofon und Lautsprecher des Handys.

Sehr ausgeglichener Sound

Musikhören geht allerdings definitiv besser, wenn man die Pixel Buds im Ohr hat. Der Sound lässt sich als angenehm unaufregend beschreiben. In Herbie Hancocks "Doin' it" etwa kommt die von kräftigem Hall unterlegte Funkgitarre im Intro schön glasig und klar rüber, während der Song auch im später verdichteten Arrangement transparent und ohne störende Frequenzspitzen wiedergegeben wird. Im selben Song fällt aber auch die etwas schwachbrüstige Basswiedergabe auf. Das gilt noch mehr für "Angel" von Massive Attack, dessen drückender Bass zwar deutlich zu hören ist, aber eben nicht drückt. Positiv betrachtet ist die Musikwiedergabe dadurch sehr ausgeglichen. Persönlich habe ich es lieber mit etwas mehr Tiefgang.

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Und zwar auch deshalb, weil Bass immer dann verloren geht, wenn man unterwegs ist, etwa beim Laufen oder wenn man in einer lauten Umgebung geht oder steht. Dieser Effekt ist bei den Pixel Buds noch etwa stärker ausgeprägt, weil sie, ähnlich wie Apples AirPods Pro, ein Ventil haben, das für einen Druckausgleich zwischen Innen- und Außenseite sorgt. Das ist einerseits toll, weil man so nicht das Gefühl hat, von der Außenwelt abgeschirmt zu sein und auch seine eigenen Schritte nicht übermäßig stark im Ohr dröhnen. Gleichzeitig kommen durch die Öffnungen aber auch einige Außengeräusche ans Ohr, die man mit vollständig geschlossenen Ohrhörern nicht mitbekommen würde.

Fazit

Googles neue Pixel Buds machen vieles prima: Sie klinken sich tief ins Android-System ein, sodass man mit ihnen vieles per Sprache steuern und befehlen kann. Außerdem sitzen sie gut im Ohr, sehen ganz gut aus und klingen gut, solange man auf intensive Basswiedergabe verzichten kann. Nur sind sie mit einem Preis von 199 Euro ein bisschen teuer.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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