Pixel-Smartphones Warum das Google-Handy für den Konzern gefährlich ist

So gut ihre Technik sein mag, allzu viel Besonderes bieten Googles neue Pixel-Smartphones nicht. Eine Eigenschaft allerdings hebt sie aus der Masse. Ausgerechnet die will der Konzern für sich behalten.
Google-Chef Sundar Pichai

Google-Chef Sundar Pichai

Foto: Eric Risberg/ AP

Googles Dienstagsevent war etwas besonders. Zum ersten Mal präsentierte das Internetunternehmen echte Google-Handys. Das hört sich komisch an, schließlich spricht man seit fast zehn Jahren von Google-Handys. Der Konzern selbst schreibt aber über seine Pressemitteilung: "Google stellt erstmals eigenes Smartphone vor."

Der feine Unterschied besteht darin, dass die Geräte, die bisher wie selbstverständlich als Google-Handys bezeichnet wurden, streng genommen nicht direkt von Google stammten. Sie trugen zwar das Google-Logo oder den Google-Schriftzug, trugen aber immer auch den Namen der Firma, die das Gerät tatsächlich entwickelt und für Google gebaut hatte: HTC, Motorola oder LG. Bei den Pixel-Smartphones, die am Dienstagabend präsentiert wurden, ist das anders.

Auf den neuen Geräten ist kein Hinweis auf den Produzenten zu finden. Stattdessen heißt es deutlich: "Made by Google". Unter der Hand wird erzählt, HTC würde die beiden Smartphones bauen. Aber, darauf legt man bei Google Wert, anders als bei Nexus-Smartphones hat Google bei der Pixel-Serie nicht nur die Software, sondern auch die Hardware entwickelt. Genauso, wie es Apple schon immer macht.

Auf Apples Preisniveau

Mit diesem Schritt begibt sich der Internetkonzern auf dünnes Eis. Bisher war stets klar: Google entwickelt mit Android ein Betriebssystem, das die Smartphones anderer Hersteller zum Laufen bringt. Googles Nexus-Geräte waren dazu da, neue Android-Funktionen zu demonstrieren. Sie sollten App-Entwicklern die Möglichkeit geben, diese Funktionen in ihre Software einzubauen und zu testen. Sie sollten den Samsungs und Sonys dieser Welt als Technikvorlagen für deren nächste Smartphones dienen.

Verkauft wurden die Nexus-Geräte in erster Linie über Googles-Webshop, die Stückzahlen waren überschaubar, keine Gefahr für die Konkurrenz. Der Hersteller des jeweiligen Nexus verdiente sowieso gut mit.

Das dürfte mit den Pixel-Phones vorbei sein. Ebenso war's das wohl mit den vergleichsweise günstigen Preisen der Nexus-Smartphones, die Google ermöglichte, indem es auf Gewinne aus deren Verkauf verzichtete. Mit Preisen von 759 bis 1009 Euro liegen die Pixel-Handys gleichauf mit den Oberklasse-Smartphones von Samsung und Apple. Die Hardware wird für Google zur Einnahmequelle. Das ist neu und nicht problemlos.

Es gibt keine Alternativen

Zum einen, weil das neue Konzept Googles Hardware-Partnern gar nicht gefallen dürfte. Für sie wird Google vom Software-Lieferanten zum Konkurrenten. Einige dürften sich nach Alternativen zu Android umsehen. Doch was sollte das sein? Windows 10 ist auf Smartphones kaum vertreten, Apple lizenziert sein iOS nicht, alle anderen Konkurrenzsysteme sind entweder schon tot oder sterben gerade. So wie Blackberry OS, Symbian, Firefox OS.

Die schiere Übermacht von Android auf dem Smartphone-Markt macht das System quasi konkurrenzlos. Einzig Samsung hat mit Tizen noch ein alternatives Betriebssystem in der Hinterhand, das eine gewisse Bedeutung erlangen könnte. Gegen Android aber bliebe auch das ein Winzling.

Was können die Pixel-Handys, was andere nicht können?

Zum anderen dürften die Verkaufszahlen der Pixel-Smartphones nicht so gewaltig ausfallen, wie die neuer iPhones oder Galaxy-Handys. Dafür bieten sie zu wenig Neues. Klar, die Hardware ist exzellent, und die Geräte machten beim ersten Ausprobieren einen guten Eindruck. Aber das allein reicht nicht. Google hat als Handyhersteller nicht dasselbe Standing wie etwa Samsung. Die Koreaner produzieren seit Langem Handys für jedermann und in allen Preisbereichen.

Googles Handys dagegen haftet der Nimbus des Nerd-Spielzeugs an. Nexus-Geräte haben meist informierte Anwender gekauft, denen es wichtig ist, immer als erste die neuesten Android-Updates zu bekommen.

Da hilft auch die tolle Kamera nicht, die Google für die Pixel verspricht. Besonders schnell soll sie ein, Erschütterungen gut abfedern und hippe Fotoeffekte wie Tiefenschärfe und Bokeh ermöglichen. Aber das ist eben nicht neu, das können andere auch, beispielsweise das Huawei P9, das Galaxy S7 und Apples iPhone 7 Plus.

Die Masse macht's

So bleibt als Alleinstellungsmerkmal Googles digitaler Assistent. Aber wer wird ein so teures Smartphone wegen einer Funktion kaufen, die noch niemand wirklich kennt, über die es keine Testberichte gibt und über die auch noch niemand aus dem Freundeskreis seine Erfahrungen geteilt hat?

Möglichst bald möglichst viele Geräte an die Vorbesteller auszuliefern, ist eine Möglichkeit, diesem Problem des Neuen zu begegnen. Die andere ist, die etablierten Handyhersteller doch wieder mit ins Boot zu holen, damit auch deren Geräte bald den Google Assistent nutzen können.

Nur wenn das klappt und wenn möglichst bald möglichst viele Menschen Googles KI verwenden - und von ihren Erlebnissen damit erzählen - , kann aus dem Vorstoß ein Erfolg werden. Wenn er nur auf Google-Geräten läuft, wird es der Assistent schwer haben, genug Menschen davon zu überzeugen, dass er ihr Leben leichter macht.

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