Keine Konkurrenz fürs iPad Google stellt die Tablet-Entwicklung ein

Google gibt auf: Das Unternehmen wird keine eigenen Tablets mehr entwickeln. Zwei neu entwickelte Modelle kommen nicht mehr auf den Markt. Android-Tablets soll es aber weiterhin geben.

Google Nexus 7 von 2012: Läuft bis heute, lief aber nie richtig gut.
Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

Google Nexus 7 von 2012: Läuft bis heute, lief aber nie richtig gut.

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Das Aus kam schnell und unerwartet. In einem internen Meeting wurde Google-Mitarbeitern am Donnerstag erklärt, dass der Konzern aus dem Tablet-Geschäft aussteigen werde. Etwas später bestätigte Googles Hardwarechef Rick Osterloh via Twitter entsprechende Meldungen, die zu dieser Zeit bereits in US-Medien und Blogs kursierten.

Es sei wahr, Googles Hardware-Team werde sich künftig ausschließlich darauf konzentrieren, die Entwicklung von Laptops voranzubringen. Die für die Betriebssysteme Android und Chrome OS zuständigen Teams würden aber weiterhin und langfristig mit Partnerfirmen an Tablets für Privatleute, Firmen und den Bildungsbereich arbeiten.

Dem "Business Insider" sagte ein Unternehmenssprecher überdies, man habe die Produktion zweier noch nicht angekündigter neuer Tablets gestoppt und werde keinen Nachfolger für das Pixel Slate herausbringen. Letzteres hatte Google 2018 zugleich mit dem Smartphone Pixel 3 vorgestellt und in den USA, Kanada und Großbritannien, nicht aber in Deutschland, auf den Markt gebracht. In Testberichten wurde damals fast einhellig die Hardware gelobt, das Betriebssystem Chrome OS aber gescholten.

Auf die Entwicklung neuer Pixel-Smartphones dürfte das Ende der Tablet-Entwicklung keinen Einfluss haben. Die Mobiltelefone werden bei Google von einer komplett eigenständigen Entwicklertruppe konstruiert. Die Entwickler der Google-Tablets sind die Google-Sprecher zufolge anderen Projekten zugewiesen worden. Einige würde nun an der Entwicklung neuer Pixelbook-Laptops mitarbeiten, andere Geheimprojekten zugeteilt.

Keiner weint

Vermissen wird Googles Tablets wohl kaum jemand und auch der wirtschaftliche Schaden für das Unternehmen dürfte sich in engen Grenzen halten. Laut Statcounter lag Googles Anteil am weltweiten Tablet-Markt im Mai 2019 bei 0,35 Prozent. Amazon kam auf 3,5 Prozent und Samsung mit seinen Android-Tablets auf 15,36 Prozent. Apple hingegen konnte sich mit seinen iPads und 71,59 Prozent Marktanteil klar als Marktführer behaupten.

Verglichen mit Apples Tablets sind Geräte mit Android oder Chrome OS allerdings meist günstiger. Die Zielgruppen unterscheiden sich aber auch deutlich. Während Apple insbesondere seine Pro-iPads als echte Arbeitsgeräte bewirbt, sind billige Tablets auf Android-Basis, so wie die Fire-Tablets von Amazon, in erster Linie als Maschinen zum Konsumieren von Filmen, Musik, Zeitschriften und Büchern und zum Onlineshopping gedacht.

Letztlich bleibt die Frage, was nun aus dem Markt für Android-Tablets wird. Googles Ausstieg dürfte andere Firmen nicht sonderlich motivieren, sich weiter auf diesem Feld zu engagieren. Ganz wird man den Markt aber Apple auch nicht überlassen. Und zumindest für einige, Amazon und Samsung, sind Tablets noch ein lohnendes Geschäft.

Spannend ist aber vor allem, was Google im Laptop-Markt vorhat. Intern dürfte die Notebook-Abteilung durch die Abkehr von Tablet-Rechnern gestärkt worden sein.

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Seite 1
Sleeper_in_Metropolis 21.06.2019
1.
Ich halte Tablets generell für ein Nischenprodukt, was vor allem deshalb so gehyped wurde, weil es eben möglich war, so etwas zu bauen und es ein nettes Gadget ist. Aber wirkliche, sinnvolle Anwendungen dafür sind doch eher überschaubar. Bewußt Filme gucken oder richtig arbeiten macht man mindestens mit einem richtigen Notebook oder gleich einem Desktoprechner, und zum mobil Surfen oder telefonieren sind die Tablets einfach zu groß, wer will sowas ständig durch die Gegend schleppen ?
wetzer123 21.06.2019
2. Ich finde Tablets klasse
Und zwar primär als Lese- und Surfgerät auf dem Sofa. Ich lese damit insbesondere meine Zeitung. Insofern ist es für mich wichtig, dass es weiterhin vernünftige Geräte zu einem günstigeren Preis als die angebissenen Äpfel gibt.
Karla Winterstein 21.06.2019
3. Für einige Sachen ideal
Zitat von Sleeper_in_MetropolisIch halte Tablets generell für ein Nischenprodukt, was vor allem deshalb so gehyped wurde, weil es eben möglich war, so etwas zu bauen und es ein nettes Gadget ist. Aber wirkliche, sinnvolle Anwendungen dafür sind doch eher überschaubar. Bewußt Filme gucken oder richtig arbeiten macht man mindestens mit einem richtigen Notebook oder gleich einem Desktoprechner, und zum mobil Surfen oder telefonieren sind die Tablets einfach zu groß, wer will sowas ständig durch die Gegend schleppen ?
Ich nutze seit Jahren ein Tablet ohne sim-Karte als Dok-Reader für so ziemlich alles von Büchern bis zu technischen Dokumenten. Zusätzlich lässt es sich noch sehr gut im Rahmen der lokalen Netze einsetzen, wobei die Termux-App ausgesprochen hilfreich ist.
reissp 21.06.2019
4. Zum Arbeiten optimal
Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, dass ich den Auftritt von Lehramtsstudenten bewerte. Dazu ist ein Tablet ideal und mein wichtigstes Arbeitsgerät: Ich schreibe mit, was passiert, und kann das über unterschiedliche Farben direkt bewerten und kennzeichnen. Ich fotografiere Tafelbilder und Arbeitsblätter und kommentiere sie direkt. Ich skizziere Alternativen. In der Diskussion im Anschluss daran schließe ich das Tablet an den Beamer an und zeige meine Bewertung direkt. Insofern ist das Tablet mit Stift für mich extrem wichtig. Ich habe bisher ein Note 10.1 und ein Surface genutzt.
sponuser936 21.06.2019
5. Tablets sind schon lange keine Nischenprodukt mehr
Zitat von Sleeper_in_MetropolisIch halte Tablets generell für ein Nischenprodukt, was vor allem deshalb so gehyped wurde, weil es eben möglich war, so etwas zu bauen und es ein nettes Gadget ist. Aber wirkliche, sinnvolle Anwendungen dafür sind doch eher überschaubar. Bewußt Filme gucken oder richtig arbeiten macht man mindestens mit einem richtigen Notebook oder gleich einem Desktoprechner, und zum mobil Surfen oder telefonieren sind die Tablets einfach zu groß, wer will sowas ständig durch die Gegend schleppen ?
Die Verkaufszahlen beweisen ganz klar, dass es sich bei Tablets schon lange nicht mehr um ein Nischenprodukt handelt, sondern diese schon längst den Massenmarkt durchdrungen haben. Nur auf den ersten Blick erscheinen die sinnvollen Anwendungen überschaubar. Tablet werden in den nächsten Jahren in ganze Berufszweite vordringen und bald nicht mehr weg zu denken sein: Angefangen beim Postboten über den Fotografen bis zum Kundenberater bei der Bank. Sprich, überall dann, wenn viel und ständige Mobilität gefragt ist und man auf ein Notebook gern verzichten kann. Ich glaube daher eher, wir haben noch nicht mal ansatzweise begriffen, was mit Tablets überhaupt möglich ist. Ich hab mir vor einigen Jahren eins gekauft für genau das, was Sie da sagen: Filme gucken und surfen. Heute mach ich meine Bankgeschäfte mit dem Ding und habe meinen gesamten RAW-Foto-Workflow auf das Tablet und in die Cloud verlegt.
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