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24. Juli 2014, 10:41 Uhr

Unterwegs per Anhalter

Dieser Roboter reist ab Sonntag durch Kanada

Würden Sie diesen Roboter in Ihrem Auto mitnehmen? Der sogenannte Hitchbot soll es schaffen, selbstständig quer durch Kanada zu trampen. Sonntag geht sein Trip los.

Ein Eimer als Torso, dazu bunte Arme, Handschuhe und Gummistiefel: Der Hitchbot zählt zu den seltsamsten Anhaltern, die man sich auf Kanadas Straßen ins Auto holen kann. Der Roboter mit dem ausgestreckten Daumen soll von Sonntag an quer durchs Land trampen, von Halifax an der Ostküste nach Victoria an der Westküste - und das komplett ohne Aufpasser. Das Ganze ist ein Forscherprojekt, das die Wissenschaftler David Harris Smith und Frauke Zeller initiiert haben.

"Mit dem Hitchbot wollen wir Diskussionen anregen, über Kultur und Technik, über das Vertrauen in Technik, über Kanada und über das Trampen", erzählt Frauke Zeller, die an der Ryerson University in Toronto arbeitet. Die übliche Frage "Können Menschen Robotern vertrauen?" wolle man "kreativ dekonstruieren" und umdrehen, in: "Können Roboter eigentlich Menschen vertrauen?"

Schaut man sich das Experiment an, scheint letztere Frage tatsächlich treffend, denn die Maschine ist auf hilfsbereite Autofahrer angewiesen. Ohne menschliche Unterstützung kann sie sich nicht fortbewegen.

Beim Trampen soll dem Hitchbot moderne Technik helfen, er ist mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher ausgerüstet. So kann er Bewegungen und Sprache erkennen, aber auch selbst mit den Fahrern kommunizieren, etwa mit Wissen, das er aus einem Online-Lexikon abruft. Erlaubt ihm ein Fahrer den Mitschnitt, kann der Hitchbot außerdem Erzählungen aufnehmen und so später die Welt an seinen Tramper-Erlebnissen teilhaben lassen.

Auf Motorrädern will der Roboter lieber nicht reisen

Neben der Frage, wer den Hitchbot mitnimmt, ist vor allem spannend, ob er seinen Trip unbeschadet übersteht. Die Maschine werde durchgehend ihren Standort übermitteln, sagt Frauke Zeller: "Dies ist aber letztlich unsere einzige Kontrolle. Das heißt: Wir können nicht eingreifen, wenn etwas passiert." Sollte sich der Hitchbot eine Zeitlang nicht weiterbewegen, hofft das Team auf die Hilfe von Sympathisanten des Projekts - wohnt ein Unterstützter in der Nähe, könne er ja mal nachschauen, ob er dem Roboter irgendwie helfen kann. Vielleicht muss ja auch nur sein Akku per Zigarettenanzünder geladen werden.

Weniger Sorgen als über Vandalen und Diebe macht sich das Forscherteam über das Wetter. "Hitchbot ist wasserfest", sagt Zeller, auch der Wind könne die ein Meter hohe Konstruktion nicht so leicht umwerfen. Bei sehr schlechtem Wetter wie einem Hurrikan hofft die Wissenschaftlerin darauf, dass jemand den Roboter mit nach Hause nimmt, bis sich die Situation entschärft hat.

Wer die Reise des Roboters mitverfolgen will, kann dies ab Sonntag per Twitter, Instagram und Facebook tun, der Hitchbot scheint gut vernetzt. Per Twitter hat er schon darauf hingewiesen, dass er lieber nicht auf Motorrädern mitreisen will - das sei zu unsicher.

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