HP Instant Ink Druckertinte abonnieren statt kaufen

HP will seinen Kunden jetzt Tintenabos verkaufen. Das soll Kosten sparen und sicherstellen, dass man immer frische Tinte im Drucker hat. Wir haben den Service ausprobiert.

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Besitzer von Tintendruckern plagt seit jeher ein Problem: Die Geräte sind günstig, die Druckertinte enorm teuer. Laut der US-Zeitschrift "Consumer Reports" kostet ein Liter der farbigen Flüssigkeit rund 2250 Euro.

Im Alltag kann sich das dadurch bemerkbar machen, dass man für einen Satz Druckerpatronen fast so viel bezahlt wie für den Drucker. Ein aktuelles Beispiel: HP bietet den Officejet 1510 für 55 Euro an, ein Satz Tintenpatronen kostet 49,04 Euro. Kein Wunder, dass viele Anwender stattdessen zu Nachfülltinte oder Billigpatronen von Drittanbietern greifen.

Diese Kunden will HP jetzt offenbar mit einem neuen Angebot zurückgewinnen: Im Abo bekommt man die Tintenpatronen quasi kostenlos, bezahlt stattdessen abhängig von der gedruckten Seitenzahl eine monatliche Gebühr. Um neue Patronen muss man sich nicht mehr kümmern. Der Drucker merkt selbst, wenn sein Vorrat zur Neige geht, und bestellt automatisch Nachschub.

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Das Tintenabo: HP Instant Ink im Test

Jederzeit kündbar

Das hört sich erst mal verlockend an. HP bietet drei verschiedene Tintenabos an, die sich in der Zahl der druckbaren Seiten unterscheiden: 50 Seiten pro Monat kosten 2,99 Euro, 100 Seiten pro Monat 4,99 Euro und 300 Seiten pro Monat 9,99 Euro.

Man sollte also zumindest ungefähr wissen, wie viel man pro Monat druckt. Muss man mal mehr drucken, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man die speziellen Abo-Tintenpatronen zeitweilig gegen gekaufte austauschen. Das ist nützlich, wenn man beispielsweise einmal im Jahr eine größere Hausarbeit oder ähnliches drucken muss. Alternativ kann man sein Tintenabo aufstocken. Laut HP ist das jederzeit und mit sofortiger Wirkung möglich.

Ebenso kann man sein Abo jederzeit kündigen oder auf ein Abo mit weniger Druckseiten umsteigen. Dann wird der Wechsel allerdings erst zum Monatsende wirksam. Immerhin: Auf diese Weise kann man ausprobieren, ob man mit dem Abomodell klarkommt und im Zweifel zu normalen Kaufpatronen zurückkehren. Zu wenig gedruckte Seiten kann man in den nächsten Monat mitnehmen.

Preisvergleich

Für den zum Test verwendeten HP Officejet 5470 kostet ein Satz Tintenpatronen im Einzelkauf 54 Euro. Der soll für 415 Farbseiten beziehungsweise 600 Schwarz-Weiß-Seiten reichen. Verglichen damit wäre das Drucken im Abo günstiger. 600 Seiten kosten je nach Abovariante zwischen 19,98 Euro und 35,88 Euro. Dabei ist es egal, ob man jede Seite mit vollflächigen Farbfotos bedruckt oder nur mit ein paar Notizen in Schwarz-Weiß.

Nebenbei kann man mit einem Tintenabo auch etwas für sein grünes Gewissen tun. Jeder Tintenlieferung legt HP einen vorfrankierten Umschlag bei, in dem man seine leeren Druckerpatronen zum Recycling schicken kann, statt sie in den Müll zu werfen.

Probleme mit dem Zoll

Bevor man damit loslegen kann, muss man freilich erst ein Abo abschließen. Ab Werk liefert HP seine zehn Tintenabo-kompatiblen Drucker weiterhin mit normalen Tintenpatronen aus. Erst wenn die leer sind, muss man sich entscheiden, ob man neue kaufen oder ein Abo abschließen will.

Wer sich dafür interessiert, sollte das Abo aber lieber rechtzeitig abschließen. Zwar soll die Abotinte in der Regel schnell beim Kunden sein, bei unserem Test lief aber etwas schief.

Nach zwei Wochen Wartezeit bekamen wir statt der erhofften Tinte eine Nachricht, dass unser Päckchen bei Zoll zur Abholung und gegebenenfalls Verzollung bereit liege. Dort hatte man das Päckchen offenbar für eine Sendung aus China gehalten. Erst nach einer ausführlichen Erklärung, was ein Tintenabo ist, ließ man uns mit dem Päckchen gehen, ohne Zoll zu verlangen.

HP ist diese Verzögerung nicht anzulasten. Ein zweites Päckchen, das uns zum Vergleich geschickt wurde, kam binnen weniger Tage problemlos an.

Fazit

Für diejenigen, die noch mit Tinte drucken, ist ein Tintenabo von HP sicher reizvoll. Der Service ist praktisch, einfach und angesichts der horrenden Kosten von Kauftinte auch noch günstig. Man muss sich allerdings auch damit abfinden, dass der Drucker regelmäßig Informationen über das Druckverhalten des Anwenders an HP schickt.

Eine Alternative sind die Ecotank-Drucker von Epson. Diese Modelle werden mit Tintentanks geliefert, die für 6500 Farbseiten ausreichen sollen. Pro Flasche soll Nachfülltinte hier rund zehn Euro kosten und dann wiederum für 6500 Seiten reichen. Der Wermutstropfen: Mit Preisen zwischen 310 und 570 Euro sind die Epson-Drucker teuer. Unser Testgerät von HP hat einen Listenpreis von 139 Euro.

Für all diejenigen, die nur schwarz-weiß drucken wollen, gilt jedenfalls weiterhin: Hier ist ein Laserdrucker die günstigste Alternative.



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
pauschaltourist 31.08.2015
1.
Tintenstrahldrucker sind nach organisierter Religion der größte Betrug der Menschheitsgeschichte. Nachdem mein letzter Tintenstrahler nach genau 22 gedruckten Seiten nach neuen Patronen verlangte, suchte ich mir einen Laserdrucker für 100€, für den es Ersatztoner für jeweils 10€ zu kaufen gibt.
WwdW 31.08.2015
2. Den Zoll habe ich gefressen
ja, ja der dt. Zoll. Bürokratie in Reinkultur. Die Welt ist Dank Internet ein Dorf, aber der Zoll macht daraus eine Reise in ein anderes Universum bzw. in die Vergangenheit der Erde, gefühlt ca. Kambrium.
universaldilettant60 31.08.2015
3. Wehrmut
Was macht der Wehrmut nur mit uns? Hilft er uns zu verteidigen, auch wenn er nur tröpfchenweise kommt. Vielleicht hilft er auch nur das Leid über die Rechtschreibfehler im Forum zu lindern. Obwohl - da täte es Wermut ja erst recht...
exil-teutone 31.08.2015
4. Meine Lösung vor ca. 10 Jahren
KEINEN Billigst-Drucker kaufen, egal ob Tinte oder Laser. Ich habe damals für sage und schreibe knapp £500 einen Laserdrucker der SOHO-Klasse gekauft. Ein selbst für damalige Zeiten guter Preis. Der riesige Vorteil: Das Schätzchen begleitet mich immer noch, druckt immer noch 1A ohne zu murren (an einem D-Link Netzwerk-Spooler) und der Seitenpreis bei einem Standardbrief lag damals bei ca. 0,5 €... Der hat sich noch und nöcher rentiert...
mimas101 31.08.2015
5. tststs
Unabhängig davon das es eine merkwürdige Methode ist mit viel zu billiger Hardware Umsätze zu generieren in dem man mit überhöhten Zubehörpreisen abgezockt wird (strafbewehrter Wucher in Dtld) sondern dieses ähem "Abo"-Modell läuft auch darauf hinaus das ich jetzt schon fürs Nichtdrucken blechen soll. 50 Seiten für nur 6,-- Mark monatlich. Und was ist mit dem Betrag wenn ich nur die Hälfte der abonnierten 50 Seiten drucke? Eben - günstiger und mit langen Standzeiten für Wenig-Drucker gesegnet sind Laser-Drucker. Nicht nur in der Anschaffung sondern auch in der Unterhaltung. Ein großer Büromaschinenkonzern, der jetzt auch ins Privatkundensegment einsteigt, macht es vor. Will ich Photos ausdrucken komme ich bei weitem günstiger weg wenn ich einen der Online-Photo-Ausdruck-Firmen bemühe - oder meinetwegen für 100,-- DM eine Billigdrucker kaufe und den dann anschließend wegwerfe. Wobei wir dann allerdings wieder beim Thema "Computerschrott" wären der gestern auf SPON diskutiert wurde.
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