Neue HTC-Cam Ein Seh-Rohr fürs Selfie

Eine Actioncam mit nur einem Knopf und ein Handy, das hochauflösende Selbstporträts ermöglicht: Der taiwanische Konzern HTC will sich mit originellen neuen Produkten in den Massenmarkt retten.

HTC

Der Handyhersteller HTC probiert noch mal etwas anderes. Nachdem es für den taiwanischen Konzern in den letzten Jahren - trotz einiger hochgelobter Smartphones - wirtschaftlich nicht besonders gut gelaufen ist, versucht er sich jetzt auf einem neuen Gebiet. Bei einer Presseveranstaltung in New York stellte die Firma neben einem ganz auf Selfies ausgerichteten Smartphone und einer neuen App seine erste Actioncam vor. Sie heißt Re und ist in direkter Angriff auf Marktführer GoPro.

Die Funktionsweise der nur etwa daumengroßen Kamera ist simpel: Sobald man sie in die Hand nimmt, schaltet sie sich automatisch ein, einen Einschaltknopf gibt es nicht. Vorn unter dem Objektiv liegt die einzige Taste. Ein kurzer Druck darauf löst eine Fotoaufnahme aus, ein langer Druck eine Videoaufnahme. Mehr muss man nicht wissen, um die Re bedienen zu können. Es gibt weder einen Sucher noch ein Display oder sonst eine Möglichkeit, mit der Kamera ein Motiv anzuvisieren. Stattdessen kann man per HTC-App ein mit der Re verbundenes Smartphone als Sucher und Bedienfeld verwenden.

Ansonsten nimmt die Kamera einfach alles auf, was in ihren Aufnahmebereich kommt. Das Weitwinkelobjektiv erfasst dabei einen Bereich von 146 Grad, also fast alles, was sich vor ihr abspielt. Die Auflösung des Fotosensors beträgt 16 Megapixel, Videos werden in Full HD aufgenommen. Schaltet man die Videoauflösung auf 720p herunter, sind vierfach verlangsamte Zeitlupenaufnahmen möglich.

Ein bisschen wasserfest

In bis zu einem Meter Wassertiefe hält sie bis zu 30 Minuten dicht. Wer sie länger und in tieferem Wasser benutzen will, braucht das optional erhältliche Re Protection Pack, das unter anderem eine wasserdichte Kappe enthält. Fotos und Videos werden auf microSD-Karten gespeichert. Beim Kauf wird eine 8-GB-Karte mitgeliefert, maximal lassen sich 128-GB-Karten verwenden. Der Akku liefert laut HTC genug Energie für 100 Minuten Videoaufnahmen oder 1200 Foto-Schnappschüsse. Ähnlich wie GoPro bietet HTC einiges Zubehör für die Re an. Darunter beispielsweise einen Zusatzakku, eine Ladestation und allerlei unterschiedliche Halterungen (siehe Fotostrecke).

Ab Anfang November soll die Re-Kamera für 199 Euro erhältlich sein. Laut Datenblatt konkurriert HTCs Actioncam mit der GoPro Hero, die vergleichbare Videofähigkeiten, aber einen weniger hochauflösenden Foto-Chip hat. Dafür kostet GoPros Einstiegsmodell auch nur 130 Euro, inklusive eines wasserfesten Gehäuses.

Ein Smartphone für Narzissten

Neben der kleinen Kamera war ein neues Mittelklasse-Smartphone, das Desire Eye, Thema der HTC-Pressekonferenz. Ähnlich wie Microsofts Nokia auf der Ifa seine Modelle Lumia 730 und 735 mit starker Betonung ihrer Selfie-Fähigkeiten präsentierte, priesen die Koreaner das neue Desire Eye als Selfie-Smartphone an. Das wichtigste Merkmal des neuen Geräts ist, dass es neben einer 13-Megapixel-Kamera im Rücken noch eine weitere Kamera mit derselben Auflösung auf der Vorderseite bietet.

In Kombination mit der Foto-App Eye Experience verspricht HTC neue Möglichkeiten, Selfies zu bearbeiten und zu verschönern. So lassen sich mit der neuen App gleichzeitig Aufnahmen mit beiden Kameras machen und zu einem gemeinsamen Bild verbinden, eine Option, die auch andere Hersteller bieten. Zudem sollen sich Selfies per Sprachkommando auslösen und die abgebildeten Gesichter beispielsweise per Morphing mit Fotos anderer Personen überdecken lassen. Ansonsten bietet das Desire Eye Durchschnittskost, verfügt über einen 2,3 GHz Quadcore-Prozessor, 16 GB Speicher, LTE, Android 4.4 und einen 5,2-Zoll-Bildschirm. Laut HTC ist es ab Anfang November für 529 Euro verfügbar.

Kostenlos soll dagegen die Videobearbeitungs-App Zoe sein, die HTC künftig außer für seine eigenen Smartphones auch für andere Android-Handys und gegen Jahresende auch für iPhones anbieten will. Zoe dient einerseits dazu, Fotos und Videos zu selbst laufenden Bildershows zusammenzustellen. Vor allem aber soll es den Austausch und das gemeinsame Bearbeiten solcher Multimediapräsentationen innerhalb der Zoe-Community ermöglichen. Ein denkbarer Grund für die Gratisfreigabe dieser Software: HTC erhofft sich möglicherweise, dass Zoe-App-Nutzer sich künftig auch für HTC-Hardware begeistern lassen. Der Konzern könnte es jedenfalls gebrauchen.

mak



insgesamt 4 Beiträge
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themistokles 09.10.2014
1. Jawohl!
Endlich eine Kamera für Selfies! An diesem stetig wachsenden Egoismis und der Selbstverliebtheit geht die Welt noch vor die Hunde....
cor 09.10.2014
2. Atemlos
Darauf hat die Welt gewartet.
heinri_sch 09.10.2014
3.
Mir kommt dieser Artikel gehäßig vor. Als hätte hier irgend jemand über etwas schreiben müssen, was ihn eigentlich nicht interessiert und er vielleicht auch nicht mag. Um mal in die altbekannte Kerbe zu schlagen: Ich würde gerne mal bei den spiegelschen Apple Produktplatzierungen diese gehäßigkeit lesen. "Durchschnittskost", "in den Massenmarkt retten" etc. passt doch alles zu den neuen iPhones. Aber naja...
Sonnentanz 10.10.2014
4. Konsequent zu Ende ...
...gedacht. Die wenigsten User brauchen doch offensichtlich einen Sucher. Auf FB, Instagram ... kann die Ergebnisse ja bewundern. Und bei dem Weitwinkel muss man schon einige Sangriaeimer intus haben, um nicht mehr zu treffen und dass das Teil wasserfest schadet dabei nicht. Also mir gefällt es - endlich wieder ein guter Versuch ein UserInterface neu zu interpretieren...
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