US-Sanktionen und die Folgen Huawei könnte Zugang zu wichtiger Chiptechnologie verlieren

Die US-Sanktionen setzen den chinesischen Elektronikriesen Huawei stark unter Druck. Nun droht der Konzern auch den Zugang zu Technologien von ARM zu verlieren, auf denen alle modernen Smartphone-Chips basieren.
Kirin-980-Chip aus einem Huawei-Smartphone: Ohne Unterstützung von ARM wäre er kaum möglich

Kirin-980-Chip aus einem Huawei-Smartphone: Ohne Unterstützung von ARM wäre er kaum möglich

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Seit die US-Regierung Sanktionen gegen Huawei verhängte, wird die Lage des chinesischen Elektronikkonzerns zusehends schwieriger. Nach Informationen der BBC hat der britische Chip-Entwickler ARM jegliche Zusammenarbeit mit Huawei eingestellt. Für die Chinesen wäre das ein heftiger Rückschlag.

Die Chip-Technologien von ARM bilden die Basis für nahezu alle heute in Smartphones und Tablets verwendeten Prozessoren - auch für jene, die Huaweis Tochterfirma HiSilicon für die Produkte des Konzerns entwickelt.

ARM ist in Cambridge ansässig und gehört dem japanischen Technologiekonzern Softbank. Die Firma habe ihre Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Chip-Designs von ARM auch aus den USA stammende Technologie enthielten und deshalb alle Geschäfte mit Huawei eingestellt werden müssten, berichtete die BBC am Mittwoch . Ohne eine Zusammenarbeit mit ARM dürfte es für Huawei schwierig werden, weiter eigene Prozessorchips, die es mit der Konkurrenz aufnehmen können, für seine Smartphones zu entwickeln.

Die USA hatten Huawei vergangene Woche auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer künftig US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss dafür eine Lizenz des US-Handelsministeriums erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

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Unter dem massiven Druck dieser Sanktionen will Huawei sein eigenes Betriebssystem spätestens zum nächsten Frühjahr einsatzbereit haben. Es werde auf Smartphones, Computern, Tablets, Fernsehern, in Autos und tragbaren Geräten laufen und mit Android-Apps kompatibel sein, kündigte der Chef der Huawei-Verbrauchersparte, Yu Chengdong, laut "Phoenix News " an. Die Software könne möglicherweise aber auch schon im Herbst fertig sein, heißt es.

Die bereits seit 2012 vorangetriebene Entwicklung eines eigenen Betriebssystems hat für Huawei große Dringlichkeit bekommen, da die US-Maßnahmen dem Konzern den Zugang zum Google-System Android erschweren. Huawei dürfte in Zukunft später als andere Smartphone-Anbieter an neue Android-Versionen kommen und wird künftig keine Google-Dienste und Apps wie Gmail, YouTube oder Chrome mehr auf seinen Produkten vorinstallieren dürfen.

Von der Liste der Geräte, auf denen man Android Q - das nächste große Update des Google-Betriebssystems - installieren kann, wurde das Huawei-Smartphone Mate 20 Pro bereits wieder gestrichen. Es war erst vor Kurzem zu dieser Liste hinzugefügt worden.

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Auf ein Dekret von US-Präsident Donald Trump hin waren US-Firmen vergangene Woche alle Geschäftsbeziehungen zu Huawei untersagt worden. Google war der erste große Konzern, der darauf reagierte, indem er seinen chinesischen Großkunden vom Android-System ausschloss.

Schon am Montagabend jedoch wurden die Sanktionen für 90 Tage gelockert. Damit soll vor allem weiter die Versorgung bereits ausgelieferter Smartphones sowie der Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik in den USA sichergestellt werden. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt und einer der führenden Netzwerkausrüster.

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Für Nutzer bedeutet das nach jetzigem Stand, dass Google die Smartphones heutiger Huawei-Kunden in den kommenden drei Monaten weiter in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung aber nicht. Das dürfte beispielsweise auch die am Dienstag von der Huawei-Tochter Honor neu vorgestellten Smartphones betreffen.

Angst vor den Auswirkungen

Wohl auch mit Blick auf die wegen der US-Sanktionen zu erwartenden Auswirkungen werden Huawei-Telefone beim anstehenden Start von Netzen des superschnellen 5G-Datenfunks in Großbritannien von den Mobilfunk-Betreibern nicht angeboten.

Huawei wird von US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür konnten bislang nicht vorgelegt werden. Die USA drängen auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den künftigen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten.

Huawei hat die US-Vorwürfe stets zurückgewiesen.

mak/dpa
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