US-Sanktionen Huawei gehen die Chips aus

Die Handyproduktion von Huawei könnte bald stillstehen. Dem Unternehmen gehen die Prozessoren aus - auch wegen der US-Sanktionen. Doch ein US-Konzern wirbt nun für ein Aufweichen des Embargos.
Huawei-Manager Richard Yu zeigt einen Huawei-Prozessor

Huawei-Manager Richard Yu zeigt einen Huawei-Prozessor

Foto: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX

Mehr als ein Jahr lang hat Huawei die US-Handelsrestriktionen weitgehend schadlos überstanden. Zuletzt konnte sich der Konzern sogar zum Weltmarktführer bei Smartphones erklären. Zwar war das Geschäft im Westen um ein gutes Viertel eingebrochen, doch die starke Nachfrage in China konnte das mehr als ausgleichen. So schob sich der chinesische Elektronikhersteller mit 55,8 Millionen von April bis Juni weltweit verkauften Handys vor Samsung an die Spitze. Doch nun droht offenbar Stillstand in den Fabriken. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press  zufolge gehen dem Konzern infolge der US-Sanktionen die Mikrochips aus.

Huawei ist für die Herstellung seiner Mikrochips von Zulieferungen abhängig, eigene Chipfabriken besitzt das Unternehmen nicht. So hat die Firma für ihre Notebooks bisher Komponenten von Intel eingekauft, Huawei-Smartphones werden teilweise von Qualcomm-Chips, teilweise von Kirin-Chips angetrieben. Letztere werden von Huawei zwar selbst entwickelt, die Fertigung muss aber an andere Unternehmen ausgelagert werden.

Auf der Konferenz China Info 100  hat Richard Yu, Chef der Unterhaltungselektroniksparte des Konzerns, demnach gesagt, dass die Produktion von Huaweis Kirin-Prozessoren am 15. September auslaufen wird. Der Grund dafür sei, dass die Produzenten für die Herstellung der Chips US-Technologien benötigen, die sie aufgrund der US-Sanktionen nicht für Huawei einsetzen dürfen.

Verschärfung der Sanktionen

Die USA hatten Huawei im vergangenen Mai auf eine Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. In der Folge musste beispielsweise Google dem chinesischen Unternehmen den Zugang zu den sogenannten Google Mobile Services kappen, die auf Android-Smartphones essenzielle Funktionen erfüllen. So können neue Huawei-Smartphones nicht mehr auf Googles Play Store zugreifen, von dort also keine Apps beziehen.

Zwar hatte das für die Sanktionen zuständige US-Handelsministerium US-Unternehmen mehrmals eine Ausnahmeerlaubnis für Geschäfte mit dem Huawei-Konzern erteilt, dabei ging es aber in erster Linie darum, Mobilfunkanbietern, die Huaweis Netzwerktechnik verwenden, den Umstieg auf Produkte anderer Anbieter zu ermöglichen. Am 15. Mai jedoch verschärfte Handelsminister Wilbur Ross die Sanktionen und ließ sie explizit um eine Vorschrift ergänzen, die Chiphersteller verbietet, Halbleiterprodukte an Huawei zu liefern, sofern diese auf Software und Technologie aus den USA beruhten.

Qualcomm will Huawei als Kunden behalten

"Das ist ein großer Verlust für uns", sagte Manager Yu auf der Konferenz in China. Huaweis Zulieferer haben ihm zufolge nur bis zum 15. Mai Aufträge von dem Konzern angenommen. "Die Produktion wird am 15. September enden", sagte Yu und ergänzte: "Es könnte sein, dass dies die letzte Generation der Kirin-Chips ist". Huawei könne in Zukunft keine neuen Chips mehr produzieren, bekäme keinen Nachschub mehr. Die Vorräte an Prozessoren, die das Unternehmen sich vergangenes Jahr in Erwartung von Sanktionen angelegt hatte, dürften demnach aufgebraucht sein.

US-Chiphersteller Qualcomm habe unterdessen bereits bei der US-Regierung dafür lobbyiert, Prozessoren für Huaweis 5G-Smartphones liefern zu dürfen, berichtet das "Wall Street Journal ". Die US-Restriktionen würden Huawei nicht davon abhalten können, sich die benötigten Komponenten anderswo zu beschaffen, argumentiert der Konzern. Zudem würde man Qualcomms Konkurrenten mit Huawei einen Kunden in die Hände spielen, der für acht Milliarden Dollar pro Jahr Chips einkauft.

Die aktuell noch für Huawei produzierten Prozessoren dürften in erster Linie für das Mate 40 eingeplant sein. Die Präsentation dieses Smartphones, das Huaweis neues Topmodell sein soll, wird für den September erwartet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.