Eigenes Betriebssystem Harmony OS Huawei kündigt Umstieg auf Android-Alternative an

Huawei will künftig ohne Google auskommen. Als Reaktion auf US-Sanktionen hat der derzeit größte Handyhersteller der Welt angekündigt, 2021 das eigene Harmony OS einzusetzen.
Huawei-Manager Richard Yu

Huawei-Manager Richard Yu

Foto: Thibault Camus/ AP

Auf seiner Entwicklerkonferenz HDC (Huawei Developer Conference) in Shenzhen hat der Elektronikkonzern Huawei seine Pläne für das kommende Jahr skizziert. Ausführlich wurden dabei Neuerungen an der Smartphone-Benutzeroberfläche EMUI gezeigt, die das Unternehmen Googles Android-Betriebssystem überstülpt. Mehr Aufmerksamkeit erzeugte jedoch die Ankündigung von Richard Yu, Chef der Sparte Unterhaltungselektronik von Huawei, dass das Unternehmen im kommenden Jahr sein Betriebssystem Harmony OS auf Smartphones bringen will.

Der Konzern reagiert damit auf Sanktionen des US-Handelsministeriums, die Huawei von US-Technik abschneiden sollen. Die USA werfen dem Unternehmen vor, mit der chinesischen Regierung zusammenzuarbeiten und auf deren Befehl Hintertüren in seine Produkte einzubauen, die China Spionage im Westen ermöglichen würden. Beweise dafür haben US-Geheimdienste bisher nicht vorgelegt.

Als Folge der Sanktionen hat Huawei unter anderem den Zugang zu den Google-Services verloren, die wichtiger Bestandteil von Android sind. Als Ersatz hat der Konzern eigene Huawei-Services entwickelt, die Googles Dienste ersetzen sollen. Dazu zählen viele Technologien, die für App-Entwickler wichtig sind, aber beispielsweise auch die App Gallery, Huaweis Ersatz für Googles Play Store, aus dem die meisten Android-Nutzerinnen und -Nutzer ihre Apps, Filme und anderes beziehen.

Mit Harmony OS gegen Android und iOS

Dass Huawei an einem eigenen Betriebssystem namens Harmony OS arbeitet und dieses auch als möglichen Android-Ersatz betrachtet, ist nicht neu, doch bisher lief es nur auf wenigen Geräten wie etwa einigen Fernsehern der Tochtermarke Honor. Auf neuen Smartphones setzt Huawei bisher auf die für jedermann frei verfügbare Android-Version, die Google im Rahmen des Android Open Source Project (AOSP) bereitstellt.

Das soll sich laut Yu 2021 ändern. Ab Oktober kommenden Jahres sollen erste Smartphones mit Harmony OS 2.0 auf den Markt kommen, sagte Yu, und konkretisierte damit eine Ankündigung, die er bereits 2019 gemacht hatte. Damals hatte Yu erklärt: "Wir wollen ein globales Betriebssystem etablieren, das nicht nur von Huawei genutzt wird". Ziel dürfte sein, das etablierte Duopol aus Android und iOS anzugreifen und mit der eigenen Software den Markt aufzubrechen.

Der eigene goldene Käfig

Zwei Dinge sind dabei wichtig. Zum einen ist Hamony OS 2.0 ein universelles Betriebssystem. Es soll nicht nur auf Smartphones, sondern beispielsweise auch auf Fernsehern und Infotainment-Systemen von Autos laufen. Denkbar ist auch der Einsatz auf Tablets und Notebooks.

Überdies will Huawei - wie Google - Entwicklern eine Open-Source-Version des Systems zur Verfügung stellen, damit diese darauf aufbauend eigene Varianten für ihre Geräte programmieren und so die Verbreitung steigern können.

In Kombination mit dem eigenen Onlinevertrieb von Musik und Filmen könnte Huawei damit ein in sich geschlossenes Ökosystem schaffen, das dem von Apple ähnelt: Wer einmal darin angekommen ist, würde es ungern wieder verlassen, weil gekaufte Inhalt auf einer anderen Plattform nicht mehr verfügbar wären. In den strategisch wichtigen Märkten China und Indien hat Huawei den nötigen Marktanteil dafür.

Was wäre wenn?

Noch sind das allerdings nicht mehr als Gedankenspiele. Unklar ist beispielsweise, ob Huaweis Plan vorsieht, Googles Android ab Oktober 2021 ganz den Rücken zu kehren und alle neuen Smartphones mit Harmony OS auszuliefern, oder ob dies vorerst nur für bestimmte Modelle oder Märkte geplant ist.

Ebenso hat sich bisher kein hochrangiger Huawei-Manager zu der Frage geäußert, ob das Unternehmen wieder auf Android umsteigen würde, wenn nach der US-Präsidentschaftswahl womöglich die Sanktionen gegen das Unternehmen gelockert würden.

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