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Matthias Kremp

Huawei ohne Google Was für eine Verschwendung

Liebe Leserin, lieber Leser,

Huaweis Mate 30 Pro hätte das Zeug gehabt, eines der besten Smartphones des Jahres 2019 zu werden. Doch dazu fehlten ihm essenzielle Zutaten - die ihm die USA verweigert haben.

Mit mehr als 2,5 Milliarden aktiven Nutzern im Monat  ist Googles Android das meistgenutzte Smartphone-Betriebssystem der Welt. Mit 240 Millionen in 2019 verkauften Geräten ist Huawei weltweit der zweitgrößte Hersteller von Smartphones . Eigentlich müssten die beiden Unternehmen so eng zusammenarbeiten wie nur möglich. Nur dürfen sie das nicht mehr, seit das US-Wirtschaftsministerium im vergangenen Mai Huawei auf eine Liste von Unternehmen setzte, mit denen US-Firmen keinen Handel mehr treiben dürfen.

Das erste neue Smartphone, das von diesem Bann betroffen ist, trage ich seit fast zwei Monaten mit mir herum. Es ist das Mate 30 Pro. Was Leistungsdaten und Funktionen angeht, ist es das aktuelle Topmodell des chinesischen Konzerns. Und doch hat es mich immer wieder enttäuscht - nur ist das nicht Huaweis Schuld.

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Das kann das Mate 30 Pro

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Im Gegenteil: Die Hardware ist vom Feinsten. Egal mit welchen Aufgaben ich es malträtierte, der Prozessor schien immer noch Reserven zu haben. Die Kameras lieferten mir im schwedischen Winter sowohl bei praller Sonne als auch in tiefer Dunkelheit meist hervorragende Bilder. Der Bildschirm ist, wenn auch nicht ganz so detailreich wie der des Vorgängers, hell, farbenfroh und kontrastreich.

Dass ich mit diesem Edel-Smartphone dennoch nicht warm werde, liegt schlicht an der Software. Oder vielmehr, am Fehlen derselben. Zwar darf Huawei Googles Android auch in der aktuellen Version 10 nutzen, zumindest dessen Open-Source-Variante AOSP. Aber Googles Apps und Dienste nicht. Auf dem Mate 30 Pro gibt es deshalb kein Gmail, keine Google Maps und vor allem keinen Play Store, aus dem man Apps nachladen könnte.

Huawei versucht diese Lücke mit seiner AppGallery zu schließen. Doch die liefert keine echten Äquivalente zu den Apps, die man seit Jahren liebt und braucht. Ich kann dort nicht Spotify oder WhatsApp laden, es gibt kein Facebook und kein Twitter. Und selbst wenn die Lufthansa ihre App schon angepasst hat, die von British Airways fehlt noch. Zwar gibt es Anleitungen, wie man diesen Mangel abstellen kann, in dem man eine modifizierte Android-Version mit Google-Apps installiert. Doch die stammt aus einer unklaren chinesischen Quelle, niemand weiß, wer dahinter und was darin steckt. Also: Finger weg.

Ende der vergangenen Woche sah es zunächst so aus, als wäre das alles ein schlechter Vorgeschmack auf Huaweis künftige Hardware. Denn Fred Wangfei, Huaweis Country-Manager für Österreich, sagte dem "Standard" , man werde auch nach einem eventuellen Ende der US-Maßnahmen nicht mehr zu Google-Apps zurückkehren. Schließlich wisse man nicht, ob die US-Regierung die schwarze Liste irgendwann einfach wieder herausholt.

Auf Nachfrage von "t3n"  jedoch teilte Huawei mit, ein offenes Android-System sowie -Ökosystem sei "nach wie vor die erste Wahl". Das ist nicht wirklich überraschend, entspricht es doch der bisherigen Sprachregelung, aber für Huawei-Kunden zumindest außerhalb Chinas doch ein positives Signal. Denn das Mate 30 Pro hätte eines der besten Smartphones des Jahres 2019 werden können, stattdessen hat es den Titel für die schlimmste Verschwendung von Potenzial verdient.

Seltsame Digitalwelt: Wenn Spiele altern

Als ich letztens mein privates Windows-Notebook hervorholte, um die aktuellen Updates einzuspielen, stolperte ich auf dem Desktop über ein fast vergessenes Icon: "SimCity"! Tatsächlich, auf dem selbst nicht mehr ganz jungen Rechner schlummerte die legendäre Städtebau-Simulation. Ich erinnerte mich, das früher gern gespielt zu haben. Ein meditativer, kolossaler Zeitkiller. Doch der Versuch, das alte Game noch mal zu spielen, endete im Frust.

Zwar ließ sich die Software normal starten und sogar meine letzten städtebaulichen Versuche konnte ich noch laden. Ansonsten aber ist das einst von einer aktiven Community geprägte Multiplayerspiel zu einem einsamen Friedhof der Fantasie geworden. Die Zusammenarbeit mit benachbarten Städten funktioniert nicht mehr, verlassene Orte kann man nicht mehr übernehmen und weiterbauen. Der Grund dafür dürfte die Schließung des Spieleentwicklers Maxis sein, der die erste Version von "SimCity" 1989 und die letzte 2013 veröffentlichte. Electronic Arts, das Maxis 1997 übernommen hatte, lässt die "SimCity"-Server zwar noch laufen, scheint sie aber nicht mehr zu pflegen. Na ja, so ist das, wenn man alt wird. Auch bei Spielen.

App der Woche: "Unitied"

Foto: Peter Hijma

"Unitied" ist ein minimalistisches Rätselspiel mit einem erfrischend ungewöhnlichen Konzept. Wie in vielen Genrevertretern werden auch hier Blöcke verschoben, jedoch bewegen sie sich immer alle gleichzeitig. Das führt dazu, dass jeder Schritt wohlüberlegt sein muss und entsprechende Planung nötig ist. Denn das Ziel ist es, jeden einzelnen Block zu einem bestimmten Ziel zu bringen. Mehr als 40 solcher Aufgaben bietet "Unitied", die natürlich immer schwieriger werden. Aufgrund der tollen Idee und den ausgeklügelten sowie kurzweiligen Rätseln geht die Motivation dabei nicht verloren. 

Für 0,99 Euro (Android ) oder 1,09 Euro (iOS ), von Peter Hijma

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Vor unseren Augen kreiert sich ein mörderisches System " (circa 16 Leseminuten)
    Daniel Ryser hat für das Schweizer Digitalmagazin "Republik" mit Nils Melzer, dem Uno-Sonderberichterstatter für Folter, ausführlich über dessen Erkenntnisse zum Fall Assange gesprochen. "Ich sage nicht, Julian Assange sei ein Engel. Oder ein Held", sagt Melzer dabei. "Aber das muss er auch nicht sein. Denn wir sprechen von Menschen­rechten und nicht von Engels- oder Helden­rechten."

  • Elon Musk: "Don't Doubt ur Vibe"  (Spieldauer 4:01 Minuten)
    Man sollte meinen, dass Elon Musk mit seinen vielen Projekten - E-Autos, Hochgeschwindigkeitstunnel, Raumfahrt - genug zu tun hat. Aber irgendwie hat er es noch geschafft, nebenbei einen Song zusammenzusamplen und auf Soundcloud zu laden. Kann man mögen. Muss man aber nicht.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Ihr Matthias Kremp

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