Huawei P30 Pro im Test Das Smartphone mit dem Zehnfach-Zoom

Mit dem neuen P30 Pro wagt sich Huawei in neue Bereiche vor - fotografisch wie preislich. Im Test zeigte das High-End-Handy seine Stärken, offenbarte aber auch ein paar Macken.

Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

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Meine Erwartungen an das P30 Pro waren hoch, denn mit dem P20 Pro hatte Huawei eines der besten Smartphones 2018 auf den Markt gebracht. Im Test begeisterte mich damals das Kamerasystem, das erstmals drei Kameras mit verschiedenen Brennweiten zugleich nutzte. Ein paar Monate später legte Huawei mit dem Mate 20 Pro noch eine Schippe drauf, indem es eine 3D-Gesichtserkennung à la iPhone X und kabellose Ladefunktionen einbaute.

Mit dem P30 Pro versucht der chinesische Konzern nun erneut, sich selbst zu toppen. In vielerlei Hinsicht ist das gelungen, aber nicht in jeder.

Der Fokus der Entwickler lag ganz offensichtlich wieder auf den Kameras. Huawei vermarktet das P30 Pro als mit einer "Leica 4-fach Kamera" ausgestattet. Nun ja. Drei Kameras, die Fotos machen können, hat es tatsächlich. Was in der Werbung aber als vierte Kamera beschrieben wird, ist ein sogenannter Time-of-Flight-Sensor (TOF). Der ist nützlich, macht aber keine Bilder.

Vielmehr erfassen solche Sensoren, wie weit die verschiedenen Bildelemente von der Kamera entfernt sind. Ihre Daten werden dann verwendet, um beispielsweise Bokeh-Effekte, also Unschärfen im Bild, zu berechnen. Auf diese Weise lässt sich etwa ein Porträt scharf vor einem verwaschenen Hintergrund hervorheben.

Das taugen die Kameras

Die übrigen drei Kameras arbeiten wie von P20 Pro und Mate 20 Pro gewohnt zusammen, haben nur etwas andere Blenden und Zoomfaktoren. So hat die 40-Megapixel-Hauptkamera in der Mitte nun eine Blende f1.6 statt f1.8, kann also mehr Licht einfangen.

Auf meinen Testfotos war das klar zu erkennen: Selbst nachts holt die 40-Megapixel-Kamera noch enorm viel Licht und Details heraus (siehe Bilderstrecke). Der optische Bildstabilisator hilft bei den dazu nötigen langen Belichtungszeiten, Verwackelungen zu vermeiden.

Das 20-Megapixel-Ultraweitwinkelobjektiv der zweiten Kamera scheint weitgehend mit dem im Mate 20 Pro übereinzustimmen. Wie der Name sagt, eignet es sich vor allem für sehr breite Motive, etwa Landschaftsaufnahmen oder Gruppenfotos.

Beeindruckend nah dran

Die eigentliche Neuerung aber ist das, was Huawei als Zehnfach-Hybridzoom bezeichnet. Dahinter steckt ein Teleobjektiv mit fünffacher optischer Vergrößerung. Bisher war so etwas nicht in Handys möglich, weil die dafür nötigen Linsensysteme so lang sind, dass sie weit aus dem Gerät herausstehen würden.

Fotostrecke

21  Bilder
Das Dreikamera-Smartphone: Huawei P20 Pro im Test

Huaweis Ingenieure lösten dieses Problem mit einem Trick, den der Kamerahersteller Minolta Anfang des Jahrtausends in einigen Kompaktkameras verwendete: Die Linsen des Teleobjektivs werden einfach quer ins Gehäuse eingebaut. Ein vor dem Objektiv eingebautes Prisma lenkt das einfallende Licht entsprechend um. Auf den Vergrößerungsfaktor 10 kommt Huawei bei diesem System, indem das fünffach vergrößerte Bild zusätzlich mit Sensordaten angereichert und per Software vergrößert wird.

Die Ergebnisse dieses Kunstgriffs sind beeindruckend. Unter guten Bedingungen kommt man mit dieser Kamera näher und schärfer an entfernte Motive heran als mit irgendeiner anderen Smartphone-Kamera. Sobald es aber dunkel wird, kommt dieses Teleobjektiv ins Schleudern. In schummrigen Räumen war klar sichtbar, wie das Sucherbild beim Umschalten auf den Zehnfach-Zoom dunkler wurde.

Daran dürfte zum einem die wenig lichtstarke Blende f/3.4 ihren Anteil haben, zum anderen die Kamerasoftware, die wohl noch ein paar Nachbesserungen vertragen kann. Mit acht Megapixeln ist das Tele ohnehin nicht sonderlich hochauflösend.

Fotostrecke

26  Bilder
Huaweis neues Vorzeige-Smartphone: Das ist das Mate 20 Pro

Als reine Zahlenprotzerei kann man den maximal möglichen Zoomfaktor 50 ansehen. Um damit überhaupt ein brauchbares Bild machen zu können, braucht man eine feste Unterlage oder ein Stativ. Und selbst dann werden die per Software stark vergrößerten Bilder verwaschen und unscharf (siehe Bilderstrecke).

Löst man sich jedoch von solchen Extremen, knipsen die Kameras des P30 Pro in fast jeder Situation gute bis sehr gute Bilder, die viele andere Smartphone-Kameras alt aussehen lassen.

Schwache Gesichtserkennung

Neben den besonderen Kameras steckt im P30 Pro viel vom Mate 20 Pro. Der Prozessor zum Beispiel ist derselbe und zählt zur leistungsstärkeren Sorte. Außerdem steckt ein großer Akku im Gehäuse, der während der Testtage dafür sorgte, dass meinem Gerät nie die Energie ausging.

Schön dabei: Der Akku lässt sich per Kabel sehr schnell und kabellos sehr komfortabel aufladen. Wie das Mate 20 Pro kann man das P30 Pro auch als drahtlose Ladestation für andere Geräte verwenden.

Preisabfragezeitpunkt:
19.05.2019, 14:00 Uhr
Ohne Gewähr

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Am Design gibt es nichts auszusetzen. Die Verarbeitung ist prima, der Bildschirm hell und kontrastreich, der Speicher mit 128 Gigabyte (GB) oder 256 GB für die meisten Nutzer groß genug. Aufrüsten lässt der sich nur mit Huaweis proprietären und Nano-Memory-Speicherkarten.

Bedauerlich: Die Selfie-Kamera macht mit ihren 32 Megapixeln zwar prima Aufnahmen, hat aber keinen 3D-Sensor, wie ihn das Mate 20 Pro hatte. Die Gesichtserkennung arbeitet also nur mit 2D-Aufnahmen und dürfte deshalb relativ leicht zu überlisten sein. Im Test ist mir das allerdings noch nicht gelungen. Der in den Bildschirm eingebaute Fingerabdrucksensor dürfte aber der sicherere Schutzmechanismus sein.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Herausragend gute Kameras

Sehr gute Verarbeitung

Hohe Leistung

Speicher nur mit Nano Memory Cards erweiterbar

Teuer

Das P30 Pro liefert, was man an Smartphone-Kameras schmerzlich vermisst hat: einen brauchbaren Zehnfach-Zoom. Der funktioniert zwar nur bei guter Beleuchtung richtig gut. Dann jedoch erweitert er die fotografischen Möglichkeiten gegenüber anderen Smartphones beträchtlich.

Damit und mit seiner übrigen Ausstattung ist das P30 Pro eines der Topsmartphones auf dem Markt. Billig ist es allerdings nicht. Für die Version mit 128 GB Speicher verlangt Huawei 999 Euro, das Modell mit 256 GB kostet 1099 Euro.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version dieses Textes hieß es, der Speicher des P30 Pro sein nicht erweiterbar. Tatsächlich jedoch lässt er sich mit Huaweis eigenen Nano Memory Cards erweitern. Diese Information lag uns bei Erstellung des Testberichtes noch nicht vor. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
garfie1d 27.03.2019
1. Speicherangabe falsch
Das P30 Pro verfügt über einen Hybrid-Slot, in den man alternativ eine 2. SIM-Karte oder eine proprietäre Speicherkarte stecken kann. Damit müsste ein Minuspunkt in der Zusammenfassung entfallen. Der Autor mag seine Darstellung prüfen.
zeichenkette 27.03.2019
2. Mal zur Begrifflichkeit
Als "Zoom" bezeichnet man eigentlich ein stufenlos verstellbares Objektiv. Das hat diese Kamera aber nicht, das ist ein fixes Objektiv mit fünffacher Vergrößerung. Ja, das wird gerne gleichgesetzt, ist aber nicht dasselbe. Davon abgesehen natürlich eine schöne Kamera.
TheBlackJack 27.03.2019
3. Das Preis-Problem
Huawei macht die Handys extrem teuer, ist zwar die Schuld von Apple, aber Huawei hätte nicht nachziehen müssen. mein nächstes Highend Handy wird ein China Handy im 200? Bereich. Mehr ist ein Smartphone nicht wert.
harryhorst 27.03.2019
4. Minuspunkt fehlt..
Ein ganz entscheidender Minuspunkt fehlt und wird gar nicht erwähnt: Der Akku ist fest verklebt. Ein absolutes Knock-Out-Kriterium. Ich würde mir nie ein 1000-Euro Handy kaufen, dass nur die Lebensdauer eines Akku hat. Ich habe gerade an meinem Smartphone erlebt, dass ich es nicht wieder laden konnte, da die Ladebuchse defekt war. Nur weil ich einen Ersatzakku einsetzen konnte, war ich in der Lage, alle sensiblen Daten zu sichern und auf dem Smartphone zu löschen. Ich hätte sonst niemals mein Smartphone mit den sensiblen Daten zur Reparatur gebracht.
gunnarqr 27.03.2019
5. Huawei verbaut sicher gute Optik in seinen Phones
nur, fach 10 Hybrid Zoom klingt gut, ist aber kein echtes Zoom. Sicher kann man heute mit Smartphones Fotos schießen, die ausgedruckt mit bloßem Auge auch bei DIN A 4 (manche auch noch A3) keinen Unterschied zu Spiegelreflex Kameras erkennen lassen. Mache ich auch gerne mal. Aber will ich wirklich weit entfernte Motive ablichten, dann schwöre ich weiterhin auf mein Sigma 120-400 mm an APS Sensor. Umgerechnet auf Vollformat Sensor ca. 200-600mm. Mit Smartphone nicht machbar.
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