Internetrouter Wifi AX3 im Test Das taugt Huaweis Schnäppchen-WLAN

Mit seinem WLAN-Router unterbietet Huawei die Preise der meisten Konkurrenten deutlich. Im Test zeigt sich, was das Billigangebot wirklich kann – und worauf man verzichten muss.
Hoch aufragende Antennen: WLAN-Router von Huawei

Hoch aufragende Antennen: WLAN-Router von Huawei

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Als ich vor einigen Wochen WLAN-Router mit Mesh-Funktion getestet habe, musste ich bei den Preisen schlucken. Zwischen 350 und fast 600 Euro kosten die Systeme aus zwei bis drei Routern, die das WLAN in großen Wohnungen verbessern sollen, indem sie sich untereinander vernetzen.

Der chinesische IT-Konzern Huawei will das viel billiger schaffen. Seine ebenfalls zu einem Mesh-Netzwerk zusammenschaltbaren WLAN-Router werden online ab 59 Euro pro Stück angeboten, arbeiten sogar schon nach dem neuen Wifi-6-Standard. Aber sind sie wirklich konkurrenzfähig?

Beim Auspacken beschleicht mich der Verdacht, dass dieser Test nicht gut enden wird, so dünn und leicht ist der als Wifi AX3 (QuadCore) bezeichnete Router. Verglichen beispielsweise mit dem großen und schweren Linksys Velop AX5300  wiegt er gefühlt nichts. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Antennen nicht aufwendig in unterschiedlichen Ausrichtungen im Gehäuse untergebracht sind, sondern außen aufgeklappt werden müssen.

Die Antennen des Huawei-Routers lassen sich in beliebigen Winkeln aufrichten. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt

Die Antennen des Huawei-Routers lassen sich in beliebigen Winkeln aufrichten. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Auf der Rückseite findet man neben der Netzteilbuchse drei Gigabit-Netzwerkbuchsen. Hier können kabelgebundene Geräte, etwa Smart-TV und Drucker, angeschlossen werden. Über den obligatorischen WAN-Anschluss wird der Router mit dem Modem oder Router am Internetanschluss verbunden. Eine USB-Buchse für eine externe Festplatte als Netzwerkspeicher gibt es nicht.

Bitte nicht verwechseln: Links liegt die WAN-Buchse, rechts sind die LAN-Buchsen

Bitte nicht verwechseln: Links liegt die WAN-Buchse, rechts sind die LAN-Buchsen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ähnlich sieht es mit Informationen zur Technik der Huawei-Router aus. Die Infos auf Huaweis Produkt-Webseite  sind überwiegend Marketingsprüche und teilweise kaum zu verstehen. Da ist von einer »Bandbreitenfrequenz von 160 MHz« die Rede, von »Dynamic-Narrow-Bandwidth-Technologie, die auf Chipset Synergy basiert« und davon, dass man mit einem solchen Router »die Internetgeschwindigkeit um 60 Prozent und mehr erhöhen« könne.

Wenn das tatsächlich möglich wäre, müsste mein Kabelanschluss jetzt also 160 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) statt der vom Provider versprochenen 100 Mbit/s bringen. Ein Ding der Unmöglichkeit.

In der Auflistung der technischen Daten gibt es eine Rubrik »Button«, in der letztlich erklärt wird, dass das Gerät zwei Tasten hat. Auf der Produktseite in Huaweis Webshop  gibt es einen Link mit der Beschriftung »Weitere Informationen«, der nach einem Klick zu sich selbst zurückführt. Professionell wirkt das nicht.

Alles per App – oder doch nicht?

Aber weiter mit dem Test: Die grundlegende Konfiguration des Routers lässt sich per Smartphone-App erledigen. Einen Link zu der für Android und iOS verfügbaren AI Life genannten Software findet man als QR-Code auf dem Boden des Routers, das ist schlau. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich die Versionen für die beiden Smartphone-Betriebssysteme fundamental unterscheiden.

Normalen Anwendern, die entweder ein Android-Handy oder ein iPhone nutzen, aber nicht beides, wird das nicht auffallen. Als ich die App auf beiden Systemen ausprobiere, scheint mir die Android-Variante logischer aufgebaut und optisch ansprechender zu sein als ihr iPhone-Pendant.

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Das ist Huaweis App AI Life

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ohnehin muss man spätestens, wenn man die Feinheiten seines Netzwerks bearbeiten will, im Browser die Internetadresse 192.168.3.1 aufrufen, hinter der sich die Steuerungsoberfläche des Routers verbirgt. Die Möglichkeit beispielsweise, die moderne WPA3-Passwortverschlüsselung anstelle der alten Version WPA2 einzuschalten, gibt es nur dort.

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Huaweis Browser-Benutzeroberfläche

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

So leicht geht das

Glücklicherweise muss man als Normalnutzer so gut wie nie in diese Tiefen der WLAN-Konfiguration einsteigen, denn grundsätzlich funktioniert der Wifi AX3 nach der Einrichtung per Handy-App problemlos. An meinen alten Router angeschlossen dauerte die Installation nur ein paar Minuten.

Allerdings kam von dem WLAN, das der Huawei-Router im Erdgeschoss aufspannte, ein Stockwerk darüber kaum noch etwas an. Da ich dieses Problem von anderen WLAN-Routern kenne, hatte ich allerdings gleich zwei der Huawei-Router geordert. Schließlich lassen die sich laut Hersteller zu einem großen gemeinsamen Mesh-WLAN zusammenschließen.

In der Praxis war das denkbar einfach: Beide Router nebeneinanderstellen, an dem zweiten Router eine Taste drücken, kurz warten, fertig. Im Anschluss musste ich den zweiten Router nur ins Obergeschoss bringen und dort wieder einschalten, um das WLAN von unten nach oben zu holen.

Viel Leistung, wenig Reichweite

Das Ergebnis war erst mal erfreulich: Das so errichtete Mesh-WLAN liefert im Test mit Mess-Apps wie nPerf und der Fritz-App WLAN Durchsatzraten, die denen teurerer Mesh-Router ähnlich sind. Zudem läuft das WLAN sehr stabil: Verbindungsabbrüche hatte ich keine und es gab auch keine Leistungsprobleme, als sich meine rund 50 Netzwerkgeräte nach und nach in das neue Netz einloggten.

Dafür leistet sich Huaweis Doppelpack eine andere Schwäche: Seine Reichweite ist mau. Vom Standort des ersten Routers bis ins Schlafzimmer – Luftlinie etwa acht Meter – schafft es das WLAN-Signal kaum, manchmal bricht es ganz ab. Im Obergeschoss dasselbe Phänomen: Den Weg von meinem Heimbüro bis zur Treppe – etwa sieben Meter – schafft das WLAN nur mit Mühe. Um meine Wohnung sauber mit WLAN zu versorgen, bräuchte ich einen dritten Huawei-Router.

Alternativ könnte ich aber auch das für den Test deaktivierte WLAN meines alten Routers wieder einschalten und die Huawei-Router als Repeater für dessen WLAN verwenden. Auch das ist mit wenigen Fingertipps in der App einstellbar. Im Repeater-Modus, der das WLAN erweitert, geht allerdings aus technischen Gründen ein Teil der theoretischen Leistung des WLAN verloren. Man tauscht sozusagen Geschwindigkeit gegen Reichweite.

Fazit

Meine erste Begeisterung über die erstaunliche Leistungsfähigkeit des Huawei Wifi AX3 ist nach und nach einer gewissen Ernüchterung gewichen. Zugegeben: Günstiger wird man derzeit kaum an einen WLAN-Router kommen, der schon den neuen Wifi-6-Standard beherrscht und für die meisten Anwendungen schnell genug ist. Der eigentlich guten Performance stehen aber eine mäßige Reichweite und eine nur für die Grundfunktionen taugliche App entgegen. Der Preis allerdings spricht für Huaweis Router.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort