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Patrick Beuth

Ifa 2020 Die Messe als Menschenversuch

Patrick Beuth
Ein Netzwelt-Newsletter von Patrick Beuth

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche findet in Berlin die Unterhaltungselektronik-Messe Ifa statt, für die ich eine Akkreditierung, aber nur begrenztes Verständnis habe. Es ist die einzige Technikmesse, die trotz Sars-CoV-2-Pandemie (auch) physische Komponenten hat. Statt wie gewohnt Zehntausenden Besuchern dürfen maximal 750 zur gleichen Zeit in jeden der drei Veranstaltungsbereiche kommen und sie alle müssen als Fachbesucher oder Journalisten akkreditiert sein. Ein elfseitiges Hygienekonzept  soll sicherstellen, dass die Ansteckungsgefahr minimiert wird.

Für die Messeveranstalter wie auch die Technikbranche ist das sicherlich ein wichtiges Experiment: Lohnt sich eine Schrumpfmesse für den Ausrichter? Verzeichnen die Hersteller genug Abschlüsse, obwohl der entsprechende Veranstaltungsbereich "Global Markets" Mitte August doch noch abgesagt  wurde? Erreichen sie die Verbraucher, auch wenn die - ebenso wie viele Medienvertreter aus dem Ausland - nur virtuell dabei sein  können? Finden sie die richtigen Worte, um die Rolle von Technik in der Pandemie auszuleuchten - oder ziehen sie sich auf das gewohnte "Lieber reich und gesund als arm und krank" zurück? Und vor allem: Kommen alle Mitarbeiter virusfrei zurück nach Hause?

Ifa 2020: Viel Technik, wenige Menschen

Ifa 2020: Viel Technik, wenige Menschen

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

Ich erwarte von der Ifa 2020 nicht viel, vor allem nicht viele aufregende neue Produkte. Die Keynotes von Qualcomm und Huawei werden aufgezeichnete Videos sein. Die Deutsche Telekom, Samsung, Sony, Amazon, Lenovo, Philips, Sennheiser und andere große Namen werden laut "heise online"  gar nicht vertreten sein und haben ihre Neuheiten für den Herbst teils schon vorgestellt.

Was ich jedoch erwarte, ist eine transparente Bilanz der Messe zu den Infektions- und Verdachtsfällen unter allen, die auf der Ifa 2020 gearbeitet haben. Wenn ich schon Teil eines Experiments werde, will ich auch wissen, wie es ausgegangen ist.

Seltsame Digitalwelt: Gut erholt

Wie gut war der Urlaub auf einer Skala von 1 bis Passwort vergessen?

Wie gut war der Urlaub auf einer Skala von 1 bis Passwort vergessen?

Foto: Jens Büttner/DPA

Im August hatte ich Urlaub. Den Erholungserfolg messe ich so: Nach wie vielen Tagen war ich mir nicht mehr sicher, welcher Wochentag ist, obwohl mein Smartphone ihn anzeigt? Habe ich es bis zum letzten Tag geschafft, nicht in Twitter und meine Dienstmails zu schauen? Und dann am ersten Arbeitstag, also heute, die Bonusfrage: Erinnere ich mich auf Anhieb an mein Passwort für den Arbeitscomputer?

Ich darf mit einer gewissen Zufriedenheit bekannt geben, dass mir kurz das Herz in die Hose gerutscht ist - ich war für einen Moment sicher, das Passwort tatsächlich vergessen zu haben. Die Tatsache, dass Sie diesen Newsletter lesen können, bedeutet aber, dass es mir schnell wieder eingefallen ist. Sprich: dass ich einen längeren Urlaub hätte vertragen können.

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Die unsichtbare Maske"  (4 Leseminuten): Zur Selbstverteidigung gegen automatisierte Gesichtserkennung wie die von Clearview AI haben US-Forscher eine Methode erfunden, die sie "Fawkes" nennen. "Zeit Online" beschreibt, wie die "Datenvergiftung" funktioniert.

  • "How to Destroy Surveillance Capitalism"  (Englisch, 109 Leseminuten): Cory Doctorow zerlegt auf "OneZero" in aller Ausführlichkeit die Thesen von Shoshana Zuboff, die sie in ihrem viel beachteten Buch "The Age of Surveillance Capitalism" dargelegt hat. Keine leichte Kost für zwischendurch, aber voller kluger Gedanken.

  • "Apple Approved Malware"  (Englisch, 7 Leseminuten): Der Mac-Hacker Patrick Wardle zeigt in einem eher technischen Blogpost, dass Apples mit macOS 10.15 alias Catalina eingeführte Sicherheitsmaßnahmen gegen Malware von Kriminellen umgangen wurden.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche!

Patrick Beuth

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