Bauteilanalyse des iPad Air Weniger Gewicht, mehr Gewinn

Das neue iPad Air ist für Apple ein großer Wurf: Es ist schneller und leichter als seine Vorgänger - und es bringt dem Konzern mehr Geld ein. Ein Blick ins Innere des Geräts verrät, warum.

IHS

Apple habe das iPad Air im Vergleich zu seinen Vorgängern zwar deutlich abgespeckt, die Gewinnmarge sei dabei aber fetter geworden, sagt Andrew Rassweiler, Manager der Marktforschungsfirma IHS. Verglichen mit den Modellen der dritten iPad-Generation, die im März 2012 eingeführt wurden, errechnen die Experten einen Preisvorteil von 42 Dollar zu Apples Gunsten, obwohl teilweise erheblich bessere Komponenten verwendet werden als bisher.

Die Analysten von IHS haben einige Erfahrung damit, die Herstellungskosten neuer Gadgets zu bewerten. Regelmäßig zerlegen sie neue Hardware, um herauszufinden, welche Bauteile die Hersteller verwenden. Aus den so erstellten Listen berechnen sie, wie viel beispielsweise Apple die Produktion eines iPad Air kostet. Dasselbe haben sie auch mit dem iPad mini und dem iPad 3 gemacht, das iPad der vierten Generation hat IHS ausgelassen.

Bei den Berechnungen der Analysten handelt es sich stets nur um Schätzungen, wenn auch vermutlich sehr genaue. Zudem berücksichtigt IHS weder Entwicklungskosten noch die zum Teil erheblichen Summen, die durch Lizenzgebühren entstehen.

Fette Aufpreise für Speicher

Doch auch so vermitteln die Berechnungen einen guten Eindruck davon, wie viel Geld für Apple in jedem verkauften Gerät steckt und woran der Konzern besonders viel verdient. Demnach liegt die Gewinnmarge je nach Modell zwischen 45 und 61 Prozent. Besonders lukrativ sind iPads mit viel eingebautem Speicher. So zahlt Apple laut IHS für den Speicher eines 128-GB-iPad rund 50 Dollar mehr als für den Speicher eines 16-GB-iPad. Im Apple Store beträgt der Preisunterschied zwischen den ansonsten identisch ausgestatteten Tablets allerdings stolze 300 Dollar.

Um Gewicht zu sparen und die Dicke zu reduzieren, hat Apple allerdings auch höhere Kosten in Kauf genommen. So kostet das neue Display nun 90 statt 87 Dollar und der Touchscreen 43 Dollar statt bisher 37,50 Dollar. Der signifikante Unterschied ist, dass in den bisherigen iPads ein Touchscreen aus Glas verwendet wurde, beim neuen Modell ist er nun aus einem Polymer, das erheblich dünner gefertigt werden kann.

Kleinerer Akku, weniger LEDs

Dass das neue Modell in der Herstellung trotzdem billiger ist als vorherige iPads, begründet IHS damit, dass Apple im iPad vielfach dieselben Komponenten benutzt wie im iPhone 5s und entsprechend günstigere Preise zahlt. Und doch gibt es manch deutlichen Unterschied.

So kommt im iPad Air ein LTE-Modul zu Einsatz, dass die Netze aller US-Provider unterstützt. Beim iPhone 5s gibt es unterschiedliche Modelle. Der Grund dafür sind offenbar Platzprobleme: Auf der Platine des iPad Air nimmt das Mobilfunksystem 40 Prozent mehr Raum ein als sein Gegenstück im iPhone 5s.

Besonders interessant ist, wie Apple es geschafft hat, die durch das kleinere Gehäuse zwangsläufig geringere Kapazität des Akkus zu kompensieren. Statt bisher 42,5 Wattstunden hat der Energiespeicher jetzt nur noch 32,9 Wattstunden. Um die Laufzeit trotzdem auf dem Niveau des Vorgängers zu halten, wurde kräftig an der Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms gespart: Statt 84 sorgen jetzt nur noch 36 LEDs für Licht im Bildschirm.

Nach all diesen Berechnungen kostet es laut IHS 269 Dollar, des billigste iPad-Air-Modell herzustellen, für das Top-Modell werden 355 Dollar errechnet. Der Kunde zahlt dafür aber 499 Dollar (16 GB, Wi-Fi) beziehungsweise 929 Dollar (128 GB, Wi-Fi, LTE).

mak

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insgesamt 65 Beiträge
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Prä Misse 07.11.2013
1. Na und?
1. Sinn jedes Unternehmens ist es Gewinne zu machen. 2. Man muss es ja nicht kaufen, niemand wird gezwungen. 3. Warum wird solch eine Rechnung eigentlich nicht bei anderen Herstellern gemacht? Sind die Zahlen z. B. von Samsung möglicherweise zu sehr verschleiert? 4. Gleich geht hier wieder das Applebashing los. Kein vernünftiger Mensch versteht das künstliche Theater der Applegegner.
rokker3333 07.11.2013
2. Herstellungskosten != Materialkosten
Ich habe ausser einem iPod Shuffle kein einziges Apple Gerät und ich persönlich finde die Preispolitik von Apple auch nicht gut. Fairerweise muss man aber sagen, dass sich der Preis für ein neues Produkt nicht alleine durch die Komponenten ermittelt wird. Das Gerät muss auch die Entwicklungs- und Fertigungskosten refinanzieren. Insofern ist der Artikel sehr irreführend.
itsecuritydude 07.11.2013
3. schneller & leichter
wo ist jetzt der "grosse wurf"?
mischamai 07.11.2013
4. Alles schön un gut,aber..
Mein nächstes Ipad kaufe ich erst wenn ich draussen bei Tageslich was sehen kann.Was soll all swe Quatsch mit Air und Retina wenn bei geringster Sonne nichts mehr zu erkennen ist.
hauptsache_dagegen 07.11.2013
5.
Bevor hier das wilde Gebashe losgeht: Das IGZO-Display braucht auch deutlich weniger LEDs für gleiche Schärfe, Kontrrast und Helligkeit. Zudem kann Apple Rabatte von Zulieferern verlangen, von denen die meisten Mitbewerber nur träumen können. Aber wenigstens wurde mal angedeutet, dass die Entwicklung von iOS auch was kostet:-)
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